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3° ERSTER TEIL habenen, gerührten, ahnungsvollen, tiefzerknirschten, hoff nungsseligen Stimmungen ist den Menschen vornehmlich durch den Kultus eingeboren worden; was jetzt davon in der Seele existiert, wurde damals, als er keimte und blühte, großgezüchtet.« So hat der mittelalterliche Katholizismus selbst für den neuen Menschtyp Nietzsches und das »Dio nysische« in seiner Seele seine historische Bedeutung, und einer Philosophie, die »die Berechtigung von metaphysi schen Hoffnungen, von dem dorther zu erlangenden Frie den der Seele aufzeigt«, kommt er »mit besonders herzlicher Stimmung« entgegen. Das mag bei Nietzsche in seiner Art an den »atheistischen Katholizismus« von Maurice Barres erinnern, aber es bleibt bezeichnend, daß selbst diesem Menschen, der sich als »Dy namit« einer untergehenden Zeit,, als das Neue einem ver gehenden christlichen Abendland gegenüber empfindet, der Zusammenhang auch dieses Neuen mit dem Alten sich ent hüllt. Dafür sprechen gerade seine Werturteile über katho lische Lebensformung und ihren tiefen Sinn für das, was Nietzsche wollte: für Rangunterschiede, die das Römertum im Kathohzismus offenbaren. In solchen Urteilen hat Nietz sche Luthers Reformation in bitterster Schärfe als einen Bruch verurteilt, als den »Bauernaufstand des Geistes« gegen ein Christentum, das als »der letzte Römerbau« ragte und den nach seiner Meinung gerade die Deutschen nicht ver standen und zerstörten. »Der Bau der Kirche ruht jedenfalls auf einer südländischen Freiheit und Freisinnigkeit des Gei stes und ebenso auf einem südländischen Verdachte gegen Natur, Mensch und Geist — er ruht auf einer ganz anderen Kenntnis des Menschen, Erfahrung vom Menschen, als der Norden gehabt hat.« Die Tiefe des Gewissenserlebnisses Lu thers ist Nietzsche nicht aufgegangen, er beurteilt Reforma tion und mittelalterlichen Katholizismus aus ästhetischem Empfinden, er kann daher bei Luther nur ein Unaristokra tisches sehen und die Reformation nur für einen »Plebejis- mus des Geistes« verantwortlich machen, der die europä ische Kultur bis herab zur »modernen Wissenschaft« kenn-