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28 Kirsten Beißwenger 1. Bach beseitigt beim Kopieren Schreib- und Satzfehler. 2. Bach richtet die Werke für seine Aufführungen ein. Dabei werden sie durch verstärkende Instrumentalstimmen bereichert. 3. Bach ändert den Notentext und greift damit substantiell in die fremde Kom position ein. Dabei kann es sich um die Veränderung eines Tones, um die Hin zufügung einzelner Takte innerhalb eines Satzes handeln, aber auch um Neu kompositionen. Durch diese wird entweder die betreffende fremde Komposi tion um Satzteile erweitert oder ein originaler Satz durch einen von Bach kom ponierten ersetzt. 4. Bach ergänzt die Werke mit weiteren Sätzen dritter Komponisten. 5. Bach parodiert fremde Werke. 6. Bach bearbeitet Werke anderer Komponisten. Unter dieser Rubrik sind nur die Werke zusammenzufassen, bei denen die vorgegebene musikalische Sub stanz erhalten geblieben, aber anderen Aufführungsbedingungen angepaßt worden ist. Hierzu zählen die Konzertbearbeitungen für Orgel und Cembalo nach Werken von Antonio Vivaldi, Giuseppe Torelli, Alessandro und Bene- detto Marcello, Johann Ernst von Sachsen-Weimar und Georg Philipp Tele- mann (BWV 592-596 und BWV 972-987). Ferner gehört dazu das Konzert für vier Cembali und Streicher, a-Moll (BWV 1065), nach Vivaldis Konzert für vier Violinen und Streicher, h-Moll (RV 580), bei dem die orchestrale Be setzung erhalten geblieben ist. Dieses weit gefächerte Spektrum an Bearbeitungsmöglichkeiten hat die An nahmeentstehen lassen, daß Bachs Abschriften nur selten notengetreue Wieder gaben der Werke sind. 8 Um die Veränderungen herauszukristallisieren, ist methodisch meist so vorgegangen worden, daß Bachs Abschriften mit vorhan denen Konkordanzquellen (Drucken wie Handschriften) verglichen worden sind. 9 In einigen Ausnahmefällen konnten die aus Bachs Bibliothek selbst stammenden Quellen eines Werkes eine Aussage über das Ausmaß ihrer Bearbeitung beisteuern. 10 Diese Methode des Vergleichens ist aber dann nicht mehr anwendbar, wenn außer der Bachschen Quelle keine weitere bekannt ist. Bei einer Anzahl von Abschriften ist deshalb die Frage noch immer ungeklärt, 8 Diese Annahme ist beispielsweise von A. Glöckner verbalisiert worden, vgl. a.a.O., S. 89; vgl. auch A. Dürr, Zur Ecbtbeitsfrage bei J. S. Bacb, in: Musica 7, 19; 3, S. 295. 9 Beispielsweise beim Kyrie der Missa San Lamberti von Johann Christoph Pez, BWV Anh. 24 (DSB Pli, S. 39-44, originaler Stimmensatz SPK St 327), vgl. H.-J. Schulze, Zur Identi fizierung der anonymen Missa B \FV Anb. 24, Mf 14, 1961, S. 3 28 f., oder bei der Kammerkan tate für Sopran „Armida abbandonata“ von Georg Friedrich Händel, vgl. O. Bill, Die Diebesklage der Armida. Handels Kantate H (CU joj im Spiegel Bacbscber Auffiibrungspraxis, in: Georg Friedrich Händel. Ausstellung aus Anlaß der Händel-Festspiele des Badischen Staats theaters Karlsruhe 1985, hrsg. von der Badischen Landesbibliothek und dem Badischen Staatstheater Karlsruhe, Karlsruhe 1985, S. 25-40. 10 So beim „Suscepit Israel“ aus dem Magnificat von Antonio Caldara, vgl. Wolff StA, S. 2 iff., oder bei der Missa „Allein Gott in der Höh sei Ehr“, von Johann Ludwig Bach (BWV Anh. 166), vgl. M. Helms NBA II/2, Krit. Bericht, S. 205-209. Zur Identifizierung des Komponisten vgl. H.-J. Schulze, Johann Sebastian BacbsVokahverke in den niebttbernatiseben Katalogen des Hauses Breitkopf aus den Jahren 1761 bis iSi6, in: Atti del XIV Congresso della Societä Internazionale di Musicologia, Bologna, 27. 8.-1.9. 1987, Vol. II, Turin 1990, S. J7f.