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01-Frühausgabe Dresdner Nachrichten : 04.12.1914
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1914-12-04
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Unterstützt durch
- LDP Sachsen
- Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id501434038-19141204012
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id501434038-1914120401
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-501434038-1914120401
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Dresdner Nachrichten
-
Jahr
1914
-
Monat
1914-12
- Tag 1914-12-04
-
Monat
1914-12
-
Jahr
1914
- Titel
- 01-Frühausgabe Dresdner Nachrichten : 04.12.1914
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Nr 336 .Dresdner Na»rick,ten- «.ji» r vr. SSO A„„ag. ^ Dezember 1EL4 >« M»v srLigs Lsfsv am Freitag morgen. p Dos sra » zösisch e H e e r I,at »ach einer italienijchcn Meldung in Nordsrnnkreich bisher mindestens 50 Prozent an Toten, Verwundeten und Gefangenen verloren. Frankreich und Belgien Iiaben ein Nebereinkommrn getrvssen. wonach belgische Deserteure in Franko reich verfolgt werden sollen. In England sind die vom Parlament genehmigten „Akte zur Verteidigung des Königreiches" zu Beginn dieser Woche in »traft getreten. In London wurden infolge eines Urteils deS Prisengerichts auf Befehl des MarschaliS der Admiralität vier deutsche Schiffe versteigert. Das islamfreundliche Manifest -es VizckönigS von Indien wurde von den m o >i a m m e d a n i s ch e n I n d e r u durch einen englandseindlichen Aufruf beantwortet. Das a m e r i t a n i s ch e S t a a t s d e p a r t e m e u t hat gegen die Beschlagnahme amerikanischer Ladungen bei der englische» Regierung Einspruch erhoben. Der Verein deulicher Lokomotivführer, der der Kaiserin jüngst 120 000 Mk. zur Verfügung gestellt batte, hat jetzt weitere 50 000 Mf. gestiftet. Die Dresdner Stadtverordneten erklärten sich mit der Verlängerung der Wahldaner der mit Ende deS Wahres auSscheiöenöen Ltadträte um ein Fahr ein verstanden. Die Dresdner S t r a ß e n b a h n d i r e k t i o n er läßt für den Verkehr von Militärpersone» auf der Straßen bahn einschränkende Bestimmungen. Wetteransage der auttl. sächs. L a n d e s w e t t e r w a r t e: Lebhafte südwestliche Windei wechselnde Bewölkung; wenig veränderte Temperatur; vorwiegend trocken. eingeübten Ossizier bekommen könne. Disziplin sei in einem Kriege, wie dem jetzigen, alles. Disziplin sei aber in einem Tage nicht zu erwerben und müsse das Ergebnis allmählicher und andauernder militärischer' Ausbildung sein. Das britische Reichsvertcidigungskomitee. Die „Times" meldet auö Sndney: Während man der lleberzengung ist, daß die normale britische ReichSkonserenz während deS Krieges unmöglich ist, besieht allenthalben der Wunsch, daß der australische Premierminister und der LandcSvertcidigungominister Anfang nächsten IahreS an den geheimen Beratungen des Reichsverteidi- gungskvmitceS in London teilnehmeli, sowohl um zu zeige», daß das Reich die See beherrsche, als auch um die vereinigte Aktion an der gemeinsame» Sache zu stärken. Es ver lautet, daß die britische Regierung der australischen Negie rung empfahl, die Einführung einer einheitlichen Eisen bahnspur weiter zu beschleunigen, da dies für die Bcr- icidigung Australiens unerläßlich sei. — Lehr bescheiden sind die Engländer nachgerade geworden, wenn sie auf solche Weise ihre „Leeherrschafl" zu bekunden glauben. Versteigerung deutscher Schisse in England. Infolge eines Urteils deS PriscngerichtS wurden in London aus Befehl des Marschalls der Admiralität vier deutsche Schisse versteigert. Der stählerne Drei master „Else", ein Schiss von 22.1 Bruttotonnen, erzielte l<25 Pfund Sterling s22 500 Mk.i, der Schoner „Gerhard" von l66 Tonnen 16 000 Mk., der hölzerne Schoner „Theo dor" von 207 Tonnen loooo Mk. und der stählerne Drei master „Bolivar" von 267 Tonnen mit einem wertvollen .Inventar 18 500 Mk. Zwei Ehrvnometer der „Else" und des „Bolivar" erzielten 120 Mk. Die Ausdehnung des Burenausstandcs. Auö Fvhanniöburg wird gemeldet: Sine Abteilung Buren hat sich in den Bergen deS MagalieS- Gebirges f e st g e s e tz t. Ter Bezirk Kriigersdorp sendet Abteilungen aus, um Pserde und Gewehre aus den Farmen zu requirieren. Wie Belgrad genommen wurde., Der „Pesti Hirlap" meldet aus Semliu: Die schweren Ges ch ätze u n s e r e r Bl onitvre begannen vor einigen Tagen, die Festung Belgrad unter heftiges Feuer zu nehmen. Ihre a nSgezeichnetc und ener gische Arbeit hatte bald darauf den entsprechenden Er folg. Die 28-Zentimeter-Geschütze des Feindes, die fran zösischen Ursprunges sind, wurden zum Schweigen gebracht. Ihre Mannschaft erlitt schwere Verluste. Als die spähen den Posten Sen Bericht über die vernichtende Wirkung unserer schweren^ Geschütze erstattet hatten, vollführten unsere auf dem Semliner Ufer stehenden Truppen eine Bravourleistung. Sie setzten über die Donau, ge langten nach der Zigeuncrinscl und von dort in die feind liche Hauptstadt. Am Mittwoch früh, noch während der beiderseitigen heftigen Kanonade, begann der Ucbergang unserer Truppen auf der Eisenbahnbrücke, die für den Fuß- verkchr hergcstellt worden war. Inzwischen warfen die bei der Zigeunerinsel einaedrungencn Truppen die Serben aus ihren nächst dem Bahndamme gelegenen Deckungen heraus und nahmen Topschidcr, sowie den ganzen Westteil der Stadt. Zugleich drang jener Teil unserer Truppen in die Stadt, der nach der Einnahme von Obrenvwatsch an der Save entlang vorgerückt war. Unsere Truppen be gannen noch im Lause des Tages die Herstellung einer Schiffsbrücke. Die von der Heeresleitung zur Verfügung gestellten Schiffe sind von Neusatz aus Lemlin unterwegs, um bei der Abwicklung der Transporte behilflich zu sei». Der Budapcsrer „Az-Est" bringt noch folgende Einzel heiten über die Besetzung Belgrads: Nach mehrtägigem Artilleriefcuer. das zur Folge hatte, daß die serbische Artillerie zum Schweigen gebracht wurde, erfolgte am Mittwoch von vier Seiten ein allgemeiner Sturm. In vier Stunden war Belgrad fast in unserer Hand. Die serbische Besatzung versuchte, bei der serbischen Eisen bahnbrücke Widerstand zu leisten, wurde jedoch förmlich ü b e r r a n n t, ebenso die anderen serbischen Truppen, die in den Straßen Belgrads Widerstand versuchten. Vor dem Konak spielte sich eine ergreifende Szene ab, als die ungarischen Truppen, darunter zahlreiche Land- sturmmannschaftcn, die ungarische Hymne sangen. Die Stadt hat von der Belagerung nicht allzu sehr gelitten, ob wohl stellenweise die verheerende Wirkung der Beschießung wahrzunehmcn ist. Wiener Preßstimmen zum Fall Belgrads. Die Wiener Blätter besprechen den Fall Belgrads mit außerordentlicher Genugtuung und heben das Zusammei.iicsscn dieses Ereignisses mit dem 66jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers hervor. Sie würdiger die moralische und militärische Bedeutung dies:'' Tatsache. Das „Frcmdcubiatt" schreibt: Am Tage des Ogjährigcu Ne- gieiungsinstilänms des Kaisers ragte aus den Zinnen Bel grads das Banner der Habsburger als weithin inl'tbarcs, unseren Feinden furchtbares Zeichen für die Unwidersteh lichkeit unserer glorreichen Waffen. Tie serbischen Macht haber, die eine jahrelange Wühlarbeit gegen unsere Mon archie genährt haben und die, von Ueberhcbung und Ver blendung irrege'ührt, ihre hochfliegcndeu Pläne gegen Oesterreich-Ungarn gefördertfhaben, hat nun der erste niederschmetternde Streich eines gerechten Schicksals gctiossen. Wie eine Erlösung, wie eine Be freiung vo» lähmendem Alpdrücke dünkte es uns. als die Würfel gefallen waren, als unser Kaiser die Wehrfähigen unserer Maviiarchie zu den Waffen rief. Was sich jeder un serer heldenmütiaeil Soldaten zuschwvr, hat er redlich ge halten. Das Blatt schließt: Zum dritten Male innerhalb zweier Jahrhunderte sind nun Oesterreich-Ungarns sturm erprobte Heere i» Belgrad eiumarschiert. Sie haben be wiesen. -aß in ihnen der Geist ihrer Ahne», der Geist des Prinzen Enge» und des Grafen Laudon fortlcbt. Am Iiibiläiimstnge ihres obersten Kriegsherrn hat die Armee Serbiens Hauptstadt gefällt, hat sie der Monarchie ein doppeltes Fest beschert. Stolz blickt Oesterreich Ungarn auf seine herrliche Wehrmacht, di« her Manarchie zum Wahr zeichen geworden ch. zum Wahrzeichen, von dem sie sagen kan«: 1» hoc r,,no vinces. Der »tndrnck in Budapest. Die Nachricht von -er Einnahme VelgraLs erweckte in Budapest t» der ganzen Stadt unaussprechliche Begeisterut, g. Bon nachmittags s Uhr ab zog eine zahlreiche, nach Tausenden zählende, von patriotischer Freude erfüllte Volksmenge durch die Hauptstraßen, die Boulevards und die Andrassystraße. Obwohl die Sieges- Nachricht zu später Stunde bekannt wurde und daher eine gröber angelegte Illumination unterbleiben mußte, waren doch sämtliche Fenster sowohl der öfsrntltchen. wie auch der privaten Gebäude beleuchtet. Selbst an den Fenstern ärm licher Häuser, in entlegenen Seitenstraßen, brannten die Kerzen, als Beweis der große» Freude, welche die Siegeö- nachricht in allen Kreisen erweckte. Die Menge zog vor den Klub der Partei der nationalen Arbeit, sowie vor das Nationalkasino. Während ungarische vaterländische Lieder »nd die Wacht am Rhein abwechselnd gesungen wurde», brachte man Eljenrusc auf de» König Franz Joseph, den Deutschen Kaiser und das gemeinsame wie das deutsche Heer aus. Vom Erker des Klnbs der nationalen ArbeitS- partci, vor dem im Laufe des Abends wiederholt nach Tausenden zählende Volksmengen erschienen, die u. a. auch begeisterte Hochrufe auf den Ministerpräsidenten Grafen Tisza ausbrachteu. wurden von mehreren Abgeordneten zündende Ansprachen an die Menge gerichtet, wvrin auf die Bedeutung der Siegesnachricht hingewiescn und der Hoff nung Ausdruck verliehen wurde, der Allmächtige werde den für die gerechte Sache kämpfenden Soldaten der Monarchie wie ihren Bundesgenossen zu dem ersehnten Stege ver helfen. Besonders eindrucksvoll gestaltete sich eine vater ländische Kundgebung vor dem deutschen Kon sulat. wo nach Absingnng der ungarischen Hymne und der Wacht am Rhein ein Redner aus der Menge in be geisterten Worten den König, seinen treuen Bundesgenossen Kaiser Wilhelm und sein siegreiches Heer feierte. In seiner Antwort wicS der deutsche Generalkonsul auf die patrio tische Haltung der Bevölkerung der Hauptstadt und die heldenhaft kämpfenden ungarischen Soldaten hin. Auch vor dem türkischen Generalkonsulat fand eine erhebende Kundgebung statt, bei der die Waffenbrüderschaft der österreichisch - ungarischen, deutschen und türkische» Heere, sowie ihre Herrscher gefeiert wurden. Die freudig begeisterte Menge belebte noch in den späten Abendstunde» die Straßen. Auch aus allen Teilen des Landes treffen Nachrichten mit Berichten über die begeisterte und freudige Aufnahme der Siegesbotschaft ein. Die Wirkungen des Heiligen Krieges. Die Borbcreitungen Afghanistans zur Aufnahme der .Feindseligkeiten müssen schon weit vorgeschritten sein, da die letzte der in Kvnstantinopel eingeirosscncn afghani slanischen Zeitungen, die begreiflicherweise unter den gegen ivärtigen Umständen ungewöhnlich lange unterwegs war, bereits von einer vollendeten Zusammenziehung der Streit kräfte des Emirs, sowie von deren Verstärkung aus Bcludschistm! spricht. Die erwähnte Zeitung atmet einen glühenden Haß gegen England und verkündet, daß die Afghanen den Engländern ein zweites Kandahar bereiten werden. Das Manifest des Bizekönigs von Indien, das die Inder von der freundlichen Gesinnung Englands für die Mohammedaner und den Islam zu über zeugen suchte, ist durch den Ausruf angesehener in v l> a m m e d c> n i s ch e r Inder beantwortet worden, der mit England wegen seiner Versündigungen gegen die Menschlichkeit und wegen der Verfolgung des Islams Ab rechnung hält, sowie die Mohammedaner aufruft, Grau samkeiten mit Grausamkeiten zu vergelten. Der Aufruf hat, trotz der Wachsamkeit der Polizei, eine sehr starke Ver breitung gesunden. Daß er gewirkt hat, ergibt sich u. a. daraus, daß die Inder bereits beginnen, ihre Geldeinlagen aus den englischen Banken zurückzuziehcn. Mit großer Befriedigung meldet der „Tanin", daß in den letzten Tagen eine gegen Rußland gerichtete politische Erregung in Persien zu öffentlichem Ausdruck komme, und zwar in Kiindaebungen, welche die Geistlichkeit und das Volk ver anstalten. Ter Arabcrscheik Sa tun Pascha beschloß die Beteiligung am Kriege gegen England und versprach der Türkei 10 000 Mann und große Kornvorrüte. Eine Schlappe der Rnssen im Kaukasus. Ein russisches Regiment versuchte, Tn tat, von wo die Russen kurz vorher nach Kilitsch-Getschije zurückgetrieben worden waren, wieder zu nehmen. ES erlitt aber dabei eine so vollkommene Niederlage, daß selbst die Stellung bei Kilitsch-Getschije aufgcgcben werden mußte. Die russische Schwarz-Mcer-Klotte ist vollständig verschwunden. Seit dem letzten Kamps mit der türkischen Flotte hat sich auch nicht einmal ein russisches Torpedoboot aus dem -Hasen herausgewagt. Französische Niedertracht. Die Franzosen versuchen, dem Heiligen Krieg, und namentlich dem deutschen Ansehen, dadurch entgegenzn- wirkcn, daß sie deutsche .Kriegsgefangene nach Tunis bringen. So berichtet „Corrierc d'Italia" von der Ankunft von l70 deutschen Gefangenen, darunter 6 Offizieren und einer beträchtlichen Anzahl Schwerverwundetcr, i!> in Tunis. Die deutschen Soldaten wurden von Auaven mit ausgepslanztem Bajonett in die Eingeborenen-Quar- ticre geführt. Viel Volk begleitete sie unter Absingen der Marseillaise und dem Gcbrülle: „Nieder mit Deutschland!" Tie Araber, die zahlreich in den Straßen standen, schienen aber im Zweifel zu sein, was die Franzosen mit diesem Aufzuge deutscher Gefangener beweisen wollten. — Dieses Vorgehen der Franzosen zeugt von einer Niedertracht und Roheit, die vielleicht nur von der französischen Angst vor dem Ausbruch des Heiligen Krieges übertroffen werden. Das scheint auch den Arabern zum Bewußtsein gekommen zu fein. Die Mohammedaner des Kaukasus. Ein aus dem Kaukasus geflüchteter Mohammedaner er zählt. die Laae seiner dortigen Glaubensgenossen habe sich nach der russischen Niederlage in Polen sehr verschlechtert, sie werden grausam behandelt, und auch dieienigcn Stämme, die bisher vom Militärdienst verschont waren, werden zum Dienst herangezogen. So hat man jetzt 3000 Mann des Kabartai-Stammes ausgekwben. die bisher nicht dienstpslichtig waren, darunter ganz iunge Leute. Doch dürfen, sagt unser Gewährsmann, die Russen von den mohammedanischen Soldaten keine Ovscrwilliakeit erwarten, da diese bereits von der Bcrkündiauna deS Heiligen Krieges unterrichtet sind. Die um Bakum leben den Moliammmedaner suchen gleichfalls die Türken möglichst zu unterstützen, indem sie Proviant bcr- bcischaffcn und sich sonst dienstbar erweisen. Die türkische Regierung ist entschlossen, die russischen Konsuln in der Türkei erst dann freizugeben, wenn die türkischen Kon suln aus Rußland heimaekchrt sind, da sie der russischen Versicherung, der Abreise der Konsuln keine Schwierig keiten bereiten zu wollen, keinen Glauben bctmißt. Eine kaiserliche Anerkenn,«na. Dem Kommandierenden General der Infanterie Frei herrn v. S ch e s f e r - B o n a d e l ist folgende Kabinetts- vrder zugegangen: „Die schweren Kämpfe, die Sic ijr den letzten Tagen mit dem 25. Reserve-Armeekorps billch- gefochten haben, werden für immer ein ruhmvolles Blatt in der Kriegsgeschichte bleiben. Ich verleihe Ihnen den Orden „Baur Io und ersuche Sic, Ihren unvergleichlichen Truppen meine Königliche An erkennung und meinen Dank anSzusprechen. Gott schenke Ihnen weitere Erfolge. Wilhelm I. R." Neu« BnndeSratSbeftimmunge«. In der gestrigen Sitzung des BundeSratS wurde dem Entwürfe von Bestimmungen über die Einlösung beschä digter oder unbrauchbar gewordener, sowie über die Ver nichtung nicht mehr u«lauf»sä-tg«r D«rlehn»kass»,. scheine die Zustimmung erteilt, («mtltch.i Der Verein deutscher L«ko«otivstthrer, der -er Kaiserin schon vor einigen Tagen einen Betrag von isolmo Mk. für die Fürsorge der Verwundete« und die Linderung der Not in den durch den Krieg besonder» beimgesuchten Landesteilen tn Ost und West -ur Versitzung stellte, bat dieser großherzigen Spende noch eine wettere Spende von 50000 Mk. folgen lassen, die, dem Wunsche deS Vereins entsprechend, von der Kaiserin für Liebe», gaben an die Truppen in Ost und West, sowie an die Marine bestimmt worden ist. Die Größe dieser Spende ist ein Beweis für die vaterländische Opserwilligkeit des Ver eins. wie er schöner nicht gedacht werden kann. Prinz Wilholm von Hessen ist von seiner Verwundung, einem Brnstschuß, wieder vollständig genesen und hat sich zu seinem Regiment ins Feld zurückbcgeben. Gefangen,rahme -entscher Ansreisender. Die „Weser-Ztg." warnt alle deutschen Männer vor einer Ausreise aus neutralen Ozeandampfern, weil neuer- dings feindliche K r i c g s s ch i s s e auch Aus. reisende gefangen nah men. so beispielsweise aus dem „Tubantra". der von Amsterdam nach Buenos Aires fuhr, 4 0 Personen. Verbreit»«« der Wahrheit in Feindesland. Aus den Erdhöhlen bei St. L. sendet uns ein Leser unseres Blattes als Ausdruck der Dankbarkeit für manche Stunde, die unser Blatt Offizieren und Mannschaften in angenehmster Weise vertrieben hat. eine Nummer der „Gazette des ArdenneS", einer französischen Zeitung, die in Retbel unter deutscher Leitung erscheint. Das Blatt ent hält an erster Stelle die amtlichen deutschen Berichte über die Kriegslage, gibt auch die französischen Berichte wieder und wendet sich in ebenso rechtlicher wie treffender Weise gegen die Lügennachrichten der feindlichen Presse. Da- Blatt wird, wie jenes andere, das kürzlich hier erwähnt wurde, sicherlich viel zur Verbreitung der Wahrheit unter der französischen Bevölkerung beitragen. Eine „Audacious"»Erinnerung. Von einer Kieler Dame wird den „Kieler N. Nachr." folgende Erinnerung an den Aufenthalt des Linienschisses „AiidactvuS" in Kiel initgeteilt: Als ich von der Vernich tung des englischen Großkampsschiffes „Audacious" las, kam mir ein Vorfall tn Erinnerung, der sich im Juni dieses Jahres bei der Anwesenheit des Schiffes im Kieler Hafen abspielte. Mit meinem gegenwärtig im Auslande weilenden Verlobten besuchte ich damals den „Audacious". Wir standen auf der Kommandobrücke und sahen, daß aus einem darunterliegenden Aufbaudeck englische Offiziere Zeichnungen und Karten, vermutlich vom Kieler Hasen und Umgebung, aus einem Tischchen vor sich hatten. Sie waren eifrig damit beschäftigt, mit Hilfe von Ferngläsern offenbar das Terrain von Mönkeberg und Mölten ort zeichnerisch niedcrzulegen. Diese Wahrnehmung ließ unwillkürlich in mir den Verdacht aufsteigen, daß die Eng länder hier Spionage zu treiben versuchten. Die Offi ziere haben sich auf dem Ausbaudeck jedenfalls gänzlich un beobachtet geglaubt, da ihr Standort vom Publikum nicht betreten werden durfte, und wir auch nur durch Zuiall von unserem Führer, mit dem wir uns etwas angefreundet hatten, aus die Kommandobrücke geführt worden sind. Russische Maßnahmen gegen fremde Unternehmungen. Ein Kaiserlicher Utas ordnet an, 1. ES ist ohne besondere Erlaubnis des Finanzministers unter- agt, an österreichische, ungarische, deutsche und tür kische Institute und Staatsangehörige zu zahlen, aus- zuliefcrn, zu senden oder zu übertragen: Bargeld, Wert papiere, Silber, Gold, Platina, Edelsteine, ebenso Gegen stände. die aus den genannten Metallen und Steinen an- gefertiat sind. 2. Es ist untersagt die Ausfuhr nach dem Auslände von Bargeld, von Wertpapieren, von Silber, Gold und Platina, dessen Wert 500 Rubel über steigt, an jede Adresse. 3. Es ist Untersaat der Zutrittzn den G e ld sch ra n k such c r n den Personen, die Voll- macht haben von den obenerwähnten Instituten und Staats angehörigen. 4. Alle Zahlungen an österreichische, unga rische, deutsche und osmanische Staatsangehörige, die sich außerhalb Rußlands befinden, aber dort Handlungsunter nehmungen oder Grundstücke besitzen, werden in Rußland durch gesetzliche Bevollmächtigte dieser Unternehmungen ge leistet werden, die vor dem Kriege ernannt wurden. 5. Der Finanzminister wird Verfügungen treffen, um die AuS- gL-ben und Einnahmen der Aktiengesell- chaften wirksam zu kontrollieren, die in Oester reich-Ungarn, Deutschland und der Türkei gegründet sind und das Recht erhalten haben, in Rußland Geschäfte zu be treiben, ebenso auch die Ausgaben und Einnahmen der Ge sellschaften und Unternehmungen, die vollständig oder teil weise den obengenannten Untertanen gehören. Neuer amerikanischer Protest aegen England. „Ncwyork Herald" meldet aus Washington: Das Staatsdepartement hat einen allgemeinen Protest bei der englischen Regierung gegen die Inanspruchnahme des Rechtes erhoben, amerikanische Labungen zu be- chlagnahmen, die aus bedingter Konterbande bestehen, ür neutrale Häfen bestimmt und an bestimmte Personen konsignicrt sind. Die deutschen und österreichischen Reservisten in Amerika. Der Londoner „Daily Telegraph" meldet aus Newrwrk: Tausende von deutschen und österreichischen Re servisten befinden sich noch hier und veranstalten eine Propaganda gegen die Verbündeten. Während der letzten Monate trat unter ihnen, da sie unbeschäftigt ind und an der Rückkehr nach Europa verzweifeln, große Unruhe ein. Viele würden ohne Zweifel bereit sein, an irgend einem abenteuerlichen Unternehmen an der kana dischen Grenze tetlzunehmen. Die Kanadier untersuchen vrgfältig die Deutschen, die aus den Vereinigten Staaten dort cintreffen. Die Wachen auf den Brücken deS Niagara- lusses wurden vermehrt. Patrouillen durchstreifen Tag und Nacht die Gegend- Ein neuer italienischer Feldzug in Libyen- Nach dem Mailänder „Avanti" bereitet die Regierung einen neuen Feldzug großen Stils in Libyen vor. Für diesen Zweck sollen nächstens 50000 Mann nach Afrika abgchen. — Wir geben diese Nachricht nur mit dem größten Vorbehalt wieder. Wenn cs in der letzten Zeit in Libyen auch zu Zusammenstößen einzelner Abteilungen Eingeborener mit den Italienern gekommen ist, so beweisen diese Scharmützel doch nicht im mindesten, daß es der Kalis mit seiner Versicheruna, der Heilige Krieg werde nicht ans die Italiener ausgedehnt werden, nicht ernst gemeint hat, oder daß sein Einfluß auf die Gesamtheit der libyschen Stämme nicht stark genug ist. Eine bulgarische Verwahrung. Nach zuverlässigen Mitteilungen aus Saloniki haben, wie bereits gemeldet, mazedonische bcwassnete Rebellen die Wache der großen Eisenbahnbrücke über den Wardar zwischen den Stationen Gradetz und Demirkapu an gegriffen, sie getütet und die Brücke mit Dynamit in die Luft gesprengt. Sodann haben sie sich gegen die kleine Brücke über den Fluß Bodisstr, südlich von Gradetz, ge- wandt, die sie gleichfalls in die Luft sprengten. Diese An schläge, ein Ergebnis der Herrschaft der tyrannischen Unter drückung, die man im serbischen und griechischen Maze donien zur Anwendung bringt, werden planmäßig von serbischen und griechischen Zeitungen sogenannten bulga rischen Banden in die Schuhe geschoben, die angeblich aus Bulgarien gekommen sein sollen. Um diese Be hauptung zu entkräften, braucht man nur an die von den Berichterstattern großer russischer Blätter selbst im Verlaufe ihrer Reise angestellten Umfragen in den griechischen und serbischen Grenzgebieten zu erinnern.
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