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Nr. 844 Seite 8 — „Dresdner Nachrichten* — Sonntag. IS Novonch« Mt Monumknllilivtkkt -er Meißner Porrellanmannsaklur Fünf neue Großplaftiken von Professor Paul Börner Laufend Aahee Meißen Meißen enitei sich zu ieine» I a h r t a n s e n d f e i e r, die j», stiginne» des Gedentialnes juv das lansendjälirige Sachsen Anfang ,'uiui !!».!> liegau^ien »oerden soll. 2'.Ke man öieies »eUene Fest ansgestaUel. darcibe» sind sic» die 'Verant- »oortüchen de» alten Mai kgiafenüadl n»ct> niclu einig Das; die Feier des laniendjainügen 'Besteliens ans -io Geichichle znriickgrelie» muß, in eine von aüe» nnbesangen Urteilenden ohne >c>eiieres zngestandene SelbüiierständUchteil. Aber da ninßte mail aneli des Hanies der 'Näettiner gedenken, die ia ininieriun sic» einiges 'Verdienii na» 'Burg, Stadl »ud '.'and ernncibc'»» >,aben. 'Aber »olcties will uns darf der blinde Parlenanattsnins tintsge» iciileter .«treiie nn»l gellen lassen. Das- Hineintriigen de» Politik in die 'Vorbereitungen ',» diese» ,ve>ei >>ai nun leider die Folge gezeitigt, das» das gcinze Festprogramm neu» in der x'ust schwebt. T>e eingeicbioorenen stcepn öl i lauer 2>,'eis;ens sind ibdeiuails, »oenn sie idren adlelinenden Slandpnntt nictil anf- aeden sollten. draus und dran, »ich Sen» Fluch der Lächerliche Die trauernden Ällütter keil vor der Knltnrwelt anSznsctzen, n»id man kann im Interesse ganz, Sachsens nur den lebhaften Wunsch heacn, da» sich die widerstreitenden politischen Ansichten im Hin blick ans das höhere Interesse beizeiten noch einigermaßen ansgleichen. Vorläufig sind die tAnsüchten hierzu, wie ge sagt, noch wenig hvssnungsvvll. Es ist eben das alte Erb übel der Tonischen, das; alles politisiert werden muß... Um >v ersrenlicher wirkt in diesem Kgmpsc der Wclt- nnschannnacn, der zurzeit in dem sonst so stillen Elbstädt chen tobt, die Haltung der Staatliche» Porzellan- mannsaktnr. die allerdings 2N'eis;eil erst in der ganzen Welt bekannr und berühmt gemacht hat. Tie Manufaktur nnd ihre beivälirte Künstierschgr l»al f»ir die Tansendjahrseier nicht weniger wie süns Geschenke ganz grosicn Formates in 'Vorbereitung, gewaltig nicht nur hinsichtlich der Ausmaße, sondern auch in bezug ans die künstlerische Qualität. Sämtliche traben sind Werke von der Meisterhand Professor Paul Bör ne r e>, der seinem seikgegründeten »ins als hervorragender Münz- nnd Plakettenschöpser nun auch den Ruhm als genialer Mvnilmeiilalplastiker zngeiellt hat Tiefer stinhm ist um so hoher zu bewerten, als cs sich bei einigen seiner neuen Schöpfungen um Werte handelt, die in ihren» Umsang alles übertrcfsei», »vas bisher ans dem schwer zu bearbeitenden Werkstoff Porzellan >c hergestellt worden ist. Sclwn MB keimte in Mencralöirektvr Pfeiffer, dem ziclstrebtgen Keiler der Mannsaklnr, der Plan, in Gcmcin- schasi mit dem Bercin Kriegergcdächtnis. ein Pionninencal- »vcrk ans Porzellan zu schaffe», das in seiner ganzen An lage nnd Gestaltung sich zu einer bisher einzig in der Welt dastehenden Ehrung der gefallenen Söhne Meistens answachsen sollte. In Börner fand Pfeiffer den .Künstler. der de» genialen Medaillen in die Tat nmselztc. Aber der Schwierigkeiten waren gar viele. Zunächst die »ionen, die recht erheblich sind. Lotterien brachten in der Hauptsache die crso»derliciien Mittel ans. Tann kam die Be arbeitung bisher »och nicht bewältigter Manen und letzten Endes der ob der abnormen Mrönenverhältnisse besonders schwierige Bvennvrvzen. Aber die ersten Bersnchc gelange» über alles Erwarten gn! nnd ermnliglcn zu weiteren Ar beiten. die jetzt nach acht Jahren in der Hauptsache als ab geschlossen gelten können. Die Kriegergebächtniskopelle in -er Nikolaikirche. dem ältesten Motteshaiise Meigens, das bereits !»n M. Jahr hundert erbaut wurde, wird das g r ö s; t e Porzellan- k u u s> w e r k der Welt werden. Schon ist cs so weit ausgestellt, das; man einen Ueberblick über die Gesamtwirknng erhalten kann. Ter Eindruck ist überwältigend, erschütternd in seiner Feierlichkeit nnd seinem Ernst. Tic Wände der Bvrhalle und des Ehores bedecken, chronologisch geordnet, lange Tafeln mit Rainen, Todestag nnd Todesort der 1884 gefallenen. Jedem Helden ist eine Porzellanplatte geweiht: das Kreuz nnd die Beilhristnng sind blutrot gehalten. Istül Opfer des gewaltigsten aller Kriege der Weltgeschichte allein in dem 42 00,, Einwohner zählenden Meinen..., eine erschreckend hohe Zahl, im Berballnis doppelt so viel wle im schon schwer Veimgesnchten München. Tie Aamensseldcr sind in gewissen Abständen von Säulen unterbrochen, die ans je drei weinen den Kindern gebildel werden. Ein herzbewegender Schmerz liegt in den» Genchtsgiisdriick der 7ö jammernden Kleinen, und man kann cs begreife», das; weichgestimmten Gemüter» bei dem Anblick dieser schmerzlichen Gesichtchen die Tränen in die Augen lre> ' "''och um ein Vielfaches gesteigert wird der tiefe Ernst, der über dem Ganze» liegt, durch die zwei überlebensgrvben G'ruppen von je zwei trauernden Müttern, an deren Gewand sich die verivaisten Kleinen schmiegen. Hier ist der seelische Schmerz um die teuren Toten aufs höchste gesteigert, hier redet das sonst so heitere Porzellan die er schütternde Sprache tiefsten Veideü und fassungsloser Per zweislung. Tie Mitte der Vängsivände bilde» zwei weitere Gruppen von je vier, ebenfalls überlebensgroßen knienden Müttern: sie halten als Lnmbvl des ewigen dichtes Jäckeln in den Händen, die bet besonderen Anlässen anflodern sollen, ein den Jähen der Figuren liegt, in den Staub getreten, das Schwert als shmbolische Aechtung des K rieges. Um welche Ausmahe es sich bei diesen Statuen bandelt, mag man daraus ersehen, das; jede Gruppe der zwei trauern den Mütter eine Höhe von '.'.47 Meter aufweist. Solche Kolosse können natürlich nicht in einem Stück bearbeitet werden,- man mnf; sie in zwei Teilen fertigste««:», die dann zusammengesetzt werden. Tic Verbindungsstelle ist völlig un sichtbar, da sie von dem nberhängcnden Faltenwurf der Ge wandung bedeckt wird. Jede Gruppe hat bei der Modellierung ein Gewicht von 1.7 Zentner. . das natürlich bei den» ein Vierteljahr dauernden Trocken- prozeß der auserlesenen Masse etwas schwindet. Tas Brennen einer solchen Riesengrnppe erfordert ebenfalls besondere Vor bereitungen: zu diesem Zwecke wurde ein neuer, 8g Zentner tragender Ofen gebaut. Tas Abbrennen dauert vierzehn Tage bis drei Wochen. Am Fuße der Tafeln sollen noch Pvrzellan- konsolcn mit Vasen angebracht werden, an denen die Hinter bliebenen Kränze nnd Blumen niedcrlegcn können. Ter Trennnngsbogen zwischen Fangschiff und Ehvr wird mit einem riesige« Triumphbogen umkleidet werden, der ein wundervolles Iillgranwerk als Saum aufiveii't. Auch hier ist die Hauptsarbe das fleckenlose Kaendlerweiß. in das sparsam Blutrot und Gold hinetn- gearbeitet wurde. Auch dieses Porzellantor liegt bereits fix und fertig in der Kirche und harrt nur »och der Montage. Bewußt bat man das Innere des Kirchleins, das bis auf ein paar uralte Malereien im Ebor keinerlei Inventar oder Schmuck anfweist, unverändert gelassen. Sv kommt dieses ge waltige por.zeNaucne Gefallene»»»«»! um so ergreifender und nachhaltiger zur Wirkung. Tie zweite. Großtat Börners Ist das Glockenspiel aus Porzellan, daS zur Jahrtausendscier die Frauenkirche erhalten soll. 48 Glocken sind schon fertiggestellt, etwa 72 sollen es insgesamt werden. Tas ganze Werk, das von Hand oder mechanisch ge spielt werde» wird, umfaßt drei Oktaven nnd wird einen Klang anfweisen. der den von Metaklglvckcn an Reinheit, Trag- kraft und Ausdauer um ein Vielfaches iibertrisst. Ter Meister schlug mir in seinen, Atelier, in de»< die Glocken noch iü Lederschlaufeu an einem großen Gestell hängen, mit einem gepolsterten Klöppel wohl ein Tntzend Akkorde aller Art an, und ich war erstaunt ob ihres wnndervollen langhin schwebenden Tones, der direkt etwas Märchenhaftes. Ucberirdifches hat. Professor Börner hat die äußerst schwierigen mathematischen und physikalischen Berechnungen über Größe und Klangfarbe der einzelnen Glocken selbst aus gestellt. Tie Formelsindnng war um deswillen so kompliziert, »veil ja die Masse im Brande immer schwindet, also sich auch im Ton verändert. Hier bewährte sich wieder der alte Prak tiker. denn Börner ist vom Keramiker zu seinem reifen Künstlertum von heute empvrgesticgen. Auch die einzelne» Glocken sind in Kacndlcrporzcllau ansgeführt und tragen an ihrem Kops reichen ornamentalen oder figürlichen Schmuck. Tie Gesamtwirkung dieses Glockenspiels muß bezaubernd sein und wird sicher eine weitere Anziehungskraft für das durch seine landschaftliche Schönheit und seine» reichen Kulturbesih so gesegnete Meißen bilden. Als drittes Geschenk wird die staatliche Manufaktur der alten Markgrasenstadt einen nicht endgültig, da die Polizei diesen Platz aus BerkehrSriick- sichten nicht gern »och niehr beengen möchte, Bebenken, die unserer Meinung nach wohl etwas übertrieben sind. Sollte der Brunnen dort nicht Platz finde», so will ihn die Manufaktur ln ihrem Bereich in einer Lchninckanlage ausstellen, wodurch allerdings die Stadt um eine Sehenswürdigkeit ärmer würde. Ureigenste Geistes- und Handarbeit Börners ist die vierte Spende: -er Gänsejungenbrunnen. Er ist eine launige Berlebendignng einer alten Meißner Sage: Als einst ei», Kurfürst die Markgrasenstadt besuchte, wollte ei» neugieriger Güiifejunge unbedingt bei dem Troß -er Z„- Kaenölerbrunnen bescheren. Es ist ja eigentlich unbegreiflich, -aß Meißen noch kein Tenkmal besitzt, das die Erinnernng an de» größten Porzellanbildncr des 18. Jahrhunderts, den Schöpfer des schön- Der L^aeudler-Brnaven sten Stils in diesem wnndervollen Werkstoff, In der Oefsent- lichkcii wachhäit. Der Brunnen, der sich auf einem Sandstein- sockelgeviert von drei Metern erhebt, wird von dem bekannten tt a e n d l e r s ch e n Pelikan, der einen Fisch im Schnabel hält, gekrönt — daS Stück mar übrigens vor zwei Jahren aus unserer Iubiläumö-Gartenbau-Ausstelliing zu sehen. Der Brunne» erhält als weiteren Schmuck »nd Schutz eine Kuppel ans vergoldetem, schmtcdcciserncm Gttkcrwerk. das von der Meißner Schmiede- und Schlosserinnung gestiftet wird. Brunncnschale und das Filigran der Kuppel sind ebenfalls von Börner entworfen. Als Aufstellungsort für den Kacnbler- bruniien ist der Hauptmarkt bestimmt, doch ist dies »och Der Gänsefuuge schauer sei». Um aber seine beiden Wnllcwulle nicht verlaßen zu innssen nnd schnell vorwärts zu kommen, knüpfte er sich die Tiere mii den Hälsen an seinen Gürtel. Diesen Moment hat der Künstler famos sestgchalte». Köstlich dieses pfiffige Ge sicht des Burschen mit der HimmelsahrtSnase. die vor den» Herrscher devote »nd doch wieder lansbubcnhafkc Haltung, be wegt in dem Spiel der Arme und Hände und dem Geipreiz der Beine. Ter »iherlebensgroße Meißner Gänscjungc wird bald dieselbe Berühmtheit und Volkstümlichkeit gewinne!, wie das Nürnberger Gänsemäiiiichcii oder Brüssels Manekenpis». Ten drei Meter im Durchmesser haltenden Brunucnrand zieren vier flaumige Gänschen, deren Schnäbel Wasser speie» solle». Tie reizende Gruppe, deren Kosten der Heimatverei» bestreitet, wird von den x'anchhammerwerken in Bronze ge gossen werden nnd soll ihre Anfstelliijig ans dem Klcin- markt an der Städtischen Bücherei erhalte». Endlich ist 'Börner noch mit einer letzten Arbeit snr die Iahrtansendfeier Meistens beschäftigt. Er entwirft die beiden noch fehlenden Glocken -es DomgeläuteS. Hcimatvcrcii, und Tvmkapilel beschaffen hierzu die Mittel. Tie kleine Glocke mit I'-.Klcing hat einen unteren Durch messer von 1,20 Äteter nnd erhält als Tchinnck die Sninbolc des Leibes und Blutes Elnisti sowie lvbsingcnde Engelsköpie. Tic große «!-Glvcke mißt in der unteren Weite 2,25, Meter nnd wird 80 Figuren tragen. Sie ist dem Apostel Johannes ge widmet und zeigt außer dem Ueberwinder Ehristus das x'anim Gottes, die vier Evangelisten »nd ans zwei sigure»- reichcn Reliefs i» »vagcreclüer Anordnung die befreiende Anscrstehnng der Seligen, sowie in senkrecht-dramatischer Ge staltung den Höllciisturz der 'Verdammte». Hervorragend ist hier dem Künstler das Geistige in der Bildwirkling gelungen. Ter Glockenkvpf wird von den vier Evangelisten gebildet. Börners Glvckeiirclicfs stellen eine nölltge Abkehr von der bisherigen Art des Glvckenschmucks dar und dürften bald 'Nachahmung finde». Ten EKiß der beiden Bronzeglockcn wird die Firma Schilling in Apolda vornehmen. Mit diesen fünf Gcbiirtstagsgaben Börners dürfte Meißen wohl das künstlerisch wertvollste unter allen zu er wartenden Geschenke» erhalten. Unsere staatliche Pvrzellan- manusaktur aber darf sich zu den neuen Beweisen der Er- sindungs- und Gestaltiingskrast eines ihrer bewährtesten Mitarbeiter beglückwünsche». VV. U. M Lon1inen1s!-l->o1sl SM icksuptbaiinhok krsiklsstzigss keslsuksnl Voknslims 6sssIIscsisft8- u. Litrungsi-sums Osrsnls Hberi^musik 8 r>». 4r»so tVk-I/r «eüe/r? § OZ/i/oni -> /ostann-, /stVcecUorckrskn //