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Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 24.08.1886
- Erscheinungsdatum
- 1886-08-24
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Unterstützt durch
- LDP Sachsen
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-188608248
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-18860824
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-18860824
- Sammlungen
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1886
-
Monat
1886-08
- Tag 1886-08-24
-
Monat
1886-08
-
Jahr
1886
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 24.08.1886
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4773" Sera vermißte ft, dem Berichte nähere Au-laflunqen über dt« Sountaq-beschästiquag im kausmännilchrn Stande, worauf von Herrn Secretair Bernhard entgegnet wurde, daß man sich im Vorstände nach wie vor lebhaft mit dieser Frage beschäftige, aber ernstlich erst an dieselbe herantretea kann, wenn eia gr-tzere» statistisches Material vorlieg«. Herr He n dler-Leipzig erstattet hieraus Bericht über die Schritte, wclaie der Vorstand zur Vorbereitung der Wahl eine» Äus- sicht-rathe« gethaa hat. Resereat erklärt, daß der aus der vorjährigen Generalversammlung von Liegnih gestellte Antrag, der zum Beschluß auch erhoben worden sei, wohl sehr gut gemeint grwesen, daß es aber sehr schwierig sei. diesen Antrag zu erledigen. Bester sei eS, daß vorläufig von einer Generalversammlung zar anderen au- deren Mitte Delegirte gewählt werden, die den Aus. sichtSrath bilden; sonst wird man für jetzt ganz vou der Schaffung dieser Einrichtung absehen müssen Letztere» könne man um s» leichter «hun, da der Vorstand ja tu einen geschäft-sühren. de» Vorstand mit 3 Mitgliedern und in einen controlirenden Vorstand mit 4 Mitgliedern zerfalle, die gewünschte Aussicht an sich also da ist. Im erfteren Falle schlügt Redner vor. die sünf Be gründer de» Verbandes als Bussichtsrath für da» lausende Ge- jchästtjahr zu wählen. Herr Klemm.Braunschweig ist dasür, daß man den Liegnitzer Antrag, seiner besonderen and nicht zu unterschätzenden Tendenz halber, entweder ganz au»sühre oder, wenn da« nicht möglich ist, dann lieber für jetzt vertage. Die Wahl eine» Aussicht-rache» an der Milte der Generalversammlung hält Redner, wie auch außer ihm die Herren kl «da- a. A. m. für überflüssig. Die Generalversammlung beschließt demgemäß einstimmig, für jetzt von der Wahl eine« Aussicht-rathe» abzusehr». Herr Hiller bringt eine Beschwerde de- KreilvereinS zu Gera zur Kcnntniß der Versammlung; in derselbe» erhebt der KreiSvcrein Einspruch dagegen, daß zwei Anträge, welche sich aus Acnderung der Ndrmalbcstimmungen bezogen, wie solch« Anträge behandelt worden sind, welche Arnderungea de» Statut» betreffen, also nicht aus die Taqelordnung gestellt wurdeu, weil sie nicht 4 Woche» vor der Generalversammlung eingelausen. Nach längerer Debatte beschließt die Generalversammlung fast einstimmig, die Beschwerde za mißbilligen, weil di» Nor- malbestimmuugen al» mit statutarischer Kraft vrrbiud- lich zu erachten sind. Herr Hö risch.Dresden broutragt nunmehr: „Die Ver sammlung wolle dem Vorstände sür de» Beschäst»- uud Rechenschast-bericht Entlastung ertheilea uud ihm zugleich ihren Dank au-sprechen für die uneigen nützige Führung der Geschäfte." Ohne weitere Di-cnsfia» findet dieser Antrag einstimmige Annahme. L» wird zum zweiten Punci der Tage-ordnung übergegangeu: Beschlußfassung über Verwendung de- Rechnungr ab erschufst». Letzterer beträgt 9553.38 » und e» schlägt der Vorstand vor, hiervou 5000 ^l dem Fond- zur Errichtung einer Alter-versorgung-- und Jnvaliditätlcasse (einschließlich 1407 50 ^l der Hälfte der Beiträge der stiftenden nnd außerordent lichen Mitglieder), 1500 ^l dem Fond» zur Unterstützung bei Stellenlosigkeit, 1500 der Wittwen« und Waiseacasse (einschließlich 1407.50 der Hälfte der Beiträge der stiftenden und außerordentlichen Mitglieder) uud 1553.36 ^l dem Betrieb-fond- zu überweisen. In der sich anknüpsenden längere» Debatte werden von de» Rednern die verschiedensten Standpunkte entwickelt. Einige Herren wollen dem Fond- für Stellenlosigkeit keine erheblichen Zuwendungen mehr machen, während andere die Wittwcn- und Waiscncasse für genügend sundirt erachten und eS sür zweckdienlicher halten, wenn gerade bet Stellenlosigkeit die Unterstützung eine au«giebigere wird oder der für die Wittwen- und Waiseacaffe au-geivorsenc Betrag der AlterSversorgungSrafle überwiesen wird. Im Allgemeinen ist man jedoch der Ansicht, daß der Vorstand mit seinen Anträgen den richtige» Mittelweg getroffen hat und nimmt dieselben einstimmig an. Gleichfalls wird ans Vorschlag von derselben Seite angenommen, daß der Vorstand beauftragt wird, der nächsten Generalversammlung Statuten sür eine zu gründende Altersversorgung»« und InvaliditätScasse vorzulegea. DieBorlage der Geschästtorduuug sür denDorstaad, welch- al- dritter Punct der Tagesordnung zur Berathuag steht, wird aus Antrag des Herrn Klemm-Brauaschweig ohne Diskussion es dloe genehmigt. ES wird zur veratkmng der.auf Statutenänderung hin zielenden Anträge geschritten und zunächst der Aatrag de- Herrn MertinS u. Gen. zu Königsberg i. Pr., der daraus hinzielt, daß HandlungSlehrlinge in den Verband ausgenommen werden, wenn sie gleichzeitig der Krankenkasse beitreten, zur Debatte gestellt. Nach Motivirung de» Anträge- durch Herrn Marquard-König». berg sprechen sich mehrere Redner unter Hinweis aus die unpassen den Verhältnisse, welche sonst geschaffen werden, gegen die Annahme de- Anträge- au- und e« ersolgr seine Ablehnung. Gleichfalls wird der KönigSberzer Antrag, „daß zur Unterstützung unverschuldet stellenlos werdender Miiglieder de- Verbände» eine besondere Lasse zu begründen ist, zu welcher diejenigen Mitglieder, welche sich ei» Anrecht ans Unlerstüyung erwerben wollen, besondere Beiträge zu leisten baden", nach längerer Debatte abgelehnt. Von demselben Schicksal ereilt wirdein Antrag aus dem Mägde- kurzer Kreise, de- Inhalt», „in Rücksicht aus die dem KreiSverein Magdeburg erwachsenen Schwierigkeiten zu bestimmen, daß die innerhalb de- KreiSvcrein- ansässigen Mitglieder de- Verbandes sich diesem KreiSvcrein unbedingt aiizuschließen haben". In Verbindung hiermit wird der Antrag de» Herrn Bcuster und Gen. zu Görlitz abgelebnt, wonach 10 Proc. der'Berband-beiträge den krei-vereinen je nach Zahl ihrer Mitglieder überlasten werden sollten. ES wird zun, sünsten Punct der Tagesordnung» Berathnug der verschiedenen Anträge, übergegangeu. Die Anträge auf Aenderung de« Reglement» der Unterstützung bei Stellenlosigkeit werden abgelehnt, ebenso die Vergütung von Reisespesen für auswärtige Delegirte. Von Herrn Stiller-Gera sind verschiedene Anträge gestellt, die im Wesentlichen besagen, daß den stiftenden und außcrordent- lichen Mitgliedern die kaufmännischen Blätter grati» ge- liefert, fernerhin die Protokolle der Generalversammlung spätesten» 14 Tage nach der Generalversammlung den Krei-vereinen bezw. Mitgliedern zugestellt werden sollen, und daß endlich der Bor- stand mehr durch persönliche- Erscheinen einzelner BorftandSmit- glieder in den Krei-vereinen, sowie durch Versendung gedruckter Vorträge zur Hebung de- Verbände» thun soll. Die Anträge werden eingehend di-cutirt und nachdem vom Vor stände die Uiithuulichkeit und auch zum Tdeil die Unmöglichkeit der AuSsührung klar gelegt, mit großer Mehrheit abgelehut. Auch die Anträge aus Aenderung de» Verhältnisse» zwischen dem Verbaud und seinem Organ werden abgelehnt. Alle sonst noch vorliegenden Anträge sind tzurückgrzoge» worden. «ei der Neuwahl zweier Vorstandsmitglieder werden die au-scheideaden Herren R. Fischer und M. Kummer ein stimmig wiedergewählt. Beide Herren nehmen dankend an. Schließlich werden noch die Herren Schmidt. Müller uud Oberländer zu Ausschußmitgliedera der Wittwen- und Waisea casse, sowie die Herren Liebing, Kluda» und Vlembei zu deren Stellvertreter» erwählt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. ES nimmt nunmehr Herr Glöckner da- Wort »ud bittet» die Stätte nicht zu verlosten, ohne zu constatirea, daß der Verband im verflossenen Jahre wesentliche Fortschritte gemacht und sein Ansehen immer mehr gekrästigt hat. Redner dankt dem Vorstände und den Bertrauen-männern sür ihre Mühewaltung, ersucht, daß jeder Einzelne seine Pflicht voll und ganz erfülle und schließt mit einem dreifachen Hoch aus de» Ver band, in welche- die Anwesenden lebhaft einstimmen. Herr Hitler dankt sür die Unterstützung, welch« der Vorstand gesunden und ersucht die Mitglieder, weiter zu arbeiten an der Hebung de« Kousmannsstaade», dann wird da» gesteckte Ziel erreicht werden. (Beifall ) Nach Verlesung de» Protokoll» wird sodann um 4 Uhr Nach mittag» die Geueral-Versaminlong, deren Verlauf alle Theilnehmer doch befriedig» haben dürste, vom Vorsitzenden Herr» Hitler sür beende» erklärt. Die an die Generalversammlung sich anschließeud« Festtafel, welche ,m Sprisesaale von Herrn Laria» besten- Hergerichte» war. wurde von der gehobensten Stimmung beherrscht. De» ersten Toast brachte Herr He udler aus Kaiser Wilhelm und König Alber« au» unter begeisterter Zustimmung der Taselrnnd«. Sodan» toastete Herr Weiß.Gößnitz aas die Gründer de» Verein», worans ei» s reimter Triukivruch de» Herrn Meinhold-Hannover aus die Damen folgte. Da« mit gutem Humor verfaßte Festlich wurde von den Anwesenden unter beifälliger Ausnahme mit Vrav»nr gesungen. Herr Hitler «heilt Begrüßung-adrefie, au» den Städte» Meißen, Berlin, Kiel, Stettin. Hannover, Stade. Altraburg x. mit. E» folgten »och Toaste aus die vertrauen-männer. den Vorstand, dir Presse x und e» wurde '/,6 Uhr, al- die Tafel ihr End« jand. Trotzdem ließen e« sich die Theilnehmer nicht verdrießen, »och den dorgeuoiame,», Spaziergang »ach Gohlis (an welche», gleichwie a» der Tafel, einige Dame» sich betheiligtru) ausznsühre». -öffentlich Verliese» anch dies« letzte» Stnndr, de« Beis»««r,fein» s köstlichsten «ei> MufiL. Neues Theater. Die Parti« de» Marcel ist in allen Beziehungen die interessanteste der „Hugenotten." In ihr weist Meyerdeer direct aus feinen großen Nachfolger Richard Wagner hm, in dem er in der musikalischen Charakteristik de» Marcel eine Andeutung de» Princip» vom Leitmotive giebt, aus Weiche- Richard Wagner eine neue Aunstepoche gründete. Der Cha rakter de» Marcel verkörpert sich musikalisch in dem Luther- Choral; derselbe personisicirt .nicht allein den Glauben de» Marcel, sondern auch die ganze undiegsame Exaltation seine» Geiste». den ganzen Sinn seiner Handlungen". Wenn man die Bedeutung de» Leitmotiv» dahin versteht, daß man Mo tive und Melodien so nennt, »welche im Gesänge oder Orchester jede« Mal, wo die von ihnen auSgetrückten Leiden schaften und Gefühle in Thätigkeit find, hervortreten", so wird man in der Anwendung jene» Choral» durch Meyerbeer etwa» Aebnliche» erblicken dürfen. Man muß die Idee Meyerbeer'- in ihrer schönen künstlerischen AuSsührung sehr glücklich nennen, er erreicht ohne Zweifel in ihr den künstlerischen Höhepunkt seine« Schaffen-. Die Partie de« Mareet bildet eine sehr dankbare Ausgabe für einen begabten Sänger, obwohl e« schwierig genug ist, all die großen und Keinen Züge zu einer schönen Gesammt- wirkung zu vereinigen. Herr Ney ist einer von den be rufenen Künstlern, welche jene Schwierigkeiten glücklich zu überwinden im Stand« sind. Er giebt seinem Marcel einen vornehmeren Zug al« andere Darsteller, eine Neuerung, der man nur beipflichte» kan». La» scharfe Hervortreten de« religiösen Fanati-mu», der phychologische Grund für die Handlungsweise de« Marcel, giebt der Rolle in der Dar stellung de- Herrn Ney große Uebrrsichtlichkeit und dra matische Wahrheit. Gesanglich leistete der geschätzte Gast Ausgezeichnete«, ein Lob, welche- man auch Herrn Köhler al» Gras v. St. Bri« spenden kann. Der tückische, fanatische Edelmann wurde von unserem vielseitigen Bassisten trefflich dargestellt. Der Raoul de« Herrn Lederer wurde schon oft gebührend gewürdigt. Durch und durch nobel im Gesang, vornehm in Haltung, vom Scheitet bi- zur Sohle der voll endete Edelmann, so stellte Herr Perron in seinem Never eine sehr sympathische Gestalt hin. Bon den Vertreterinnen der Frauen-Rollea ist Frau Slhamer-Andrießen zuerst zu nennen. Ihre schauspielerische Leistung al- Valentine überragte noch die gesangliche. Mit einer Leidenschaft, die fortreisend wirkte, griff sie in die Handlung ein und erhob, leider von HerrnLederer nicht genug unterstützt, di« große letzte Scene de- 4. Actes zu ihrer vollen dramatischen Be deutsamkeit. Für die Zukunft möge Frau Sthamer» Andrießen da- Bitd ihrer Valentine vervollständigen, indem sie die Unruh« und Verzweiflung nach der Entdeckung der Gefahr, welche dem Geliebten droht, bri dem Au-tritt au» der Capelle deutlicher zeichnet. Bon Frau Bau mann habe ich die Königin öfter viel bester gehört al» in der letzten Ausführung, die Stimme klang ermüdet, auch da- Spiel ent behrte der Lebendigkeit. Indispositionen find aber bei der herrschenden Temperatur ebenso leicht zu erklären al» zu entschuldigen. Ganz vorzüglich sang Fräulein Artner ihren Pagen. Im Spiel aber müßte die Anmuth und nicht die Keckheit mehr hervortreten. Darin liegt der Unterschied zwischen dem Pagen der „Hugenotten" und dem de« „Figaro". Der letztere gaukelt wie ein Schmetterling von Blume zu Blume, der erstere schwärmt in stiller Leidenschaft für seine schöne Gebie terin und hat nur sür sie Augen, «inen Fingerzeig sür die Auffassung bilden die Worte „ja zu gnädig, sehe ich, für alle Menschen, nur nicht für mich", eine Stelle, die sehr resignirt vorgetragen werden muß, so daß der Hörer durch sie eine Erklärung de- Pagencharakter» erhält. Fräulein Artner sei aus den richtigen Vortrag dieser Stelle aufmerksam gemacht. Die Chöre hätten kräftiger sein können, namentlich in der Scene „Schwur nnd Schwerterweihe". Diese- Ensemble kann bei machtvoller Besetzung zu ungeheurer Wirkung ge krackt werden. Herr Mahler dirigirte vorzüglich, doch schien ein Ueber- einkommen bezüglich der Tempi mit de» Sängern nicht ge troffen worden zu sein. Vom 3. Acte an gab ,S eine Menge Differenzen, die sich zu bemerklich machten, al» daß man sie mit Stillschweigen übergehen dürfte. Im Orchester zeichneten sich die Herren Unkenstein und Schwedtler bei den ihnen zusallcnden Soli besonder- au«. Zum Sckluß sei die Frage aufgeworfen, ob es nölhig ist, den 5. Act gar so jämmrrltch zusaininrnzustreichenl M. Krause. Aus Bayreuth. Die diesjährigen Bayrenther Vorstellungen haben mit den beiden letzten,„Tristan" am 19. „Parsisal" am 20.August, den denkbar glänzendsten Abschluß gesunden. Da- Publicum war zahlreicher und begeisterter al» je, unter ihm befanden sich eine Anzahl höchstgestellter Personen, Ihre königlichen Hoheiten der Prinz Wilhelm, die Großherzogin von Baden, die Prinzessin von Bayern, der sich am letzten Tag ihre sürst licken Eltern zugesellten, der Herzog von Orleans re. Die letzte „Tristan"-Ä»ssühr«ng war wieder Dank namentlick der unvergleichlichen Isolde der Frau Sucher und der herrlichen Orchesterleistungen außerordentlich wirkungsvoll. Aber auch die anderen vortrefflichen Künstler, die Herren Vogl, Plank, Frau Sthainer-Andrießen wetteiferten um die Palme. Die letzten „Parsisal'«Aufführungen brachten auch den alten Festspielbesnchern eine ungeahnte Ueberraschung: Herrn Scheidemantel'S AmsortaS. Viele halten diese Leistung de» jungen genialen Sänger- sür die bedeutendste der ganzen Festspiele. Scheidemantel ist der Erste, der den Amsorta- auch gesanglich tadellos giebt, seine Intonation ist un anfechtbar. Die sonstige Besetzung d«S „Parsisal" war die alte öfter» gerübmte. Besondere» Lob verdient immer wieder da» entzückende Blumenmädchen-Ensemble und die ausgezeichneten Cböre. Da» ganze Hau» milsammt dem Festspielpersonal befand sich in höchster und schönster Feststim- mnng, so daß da» Orckester im Nachspiel de» Glauden-molivc» im vollen Chore einfiel und mitsang. E» war der Abschied einer großen sick unzertrennlich verknüpft fühlenden Familie. Die Absckied-parole war der Rns „Aus Wiedersehen!" eia Lebe wohl aus kurze Zeit. — Au» sicherster Quelle können wir schon heute unfern Lesern mittheilen, daß die herrlichen Fest- fpiele auch nächste- Jahr stattfinden werden. Und wenn dann wieder der Rus erschallt, von dem man mit Recht sagen darf: „Nun danket Gott, daß ihr berufen, ihn zu hören", so werden Tausende nach dem sonst so stillen bayerischen Städtchen wall fahrten und auch im nächsten Jahre das Bewußtsein mit nach Hause nehmen, ein Stück echtester großer Kunst gesehen und gehört, miterlebt zu haben. L. Sto. * Neue« Stadttheater. In der am Mittwoch statt findenden Aufführung des „Fliegenden Holländer" wird unser beliebter Bariton Herr Otto Schelper zum ersten Male nach seinem Urlaub wieder austreten. * Die Wiener Presse äußert sich durchweg außerordentlich günstig über dos erste Auftreten unseres trefflichen nnd be liebten Bassisten Herrn Grengg. der an der dortigen Hof« oper gegenwärtig eia Gastspiel absolvirt. Wir lasten einige Besprechungen semer „Falstaff"-Leistuag hier folgen. Die „Nene Frere Presse" schreibt: Li» »euer Bewerber um dir Nachfolgerschaft Scaria'», Herr Karl Gre ugg uvm Leipziger Etadltheater. lang beute de» Falstaff in Nicolai'» „Dir luftigen Weiber von Windsor" al» Gast. Längere Zeit fcho» harrt di« „Vasfifteuftage" i» Hosoperutheater ihrer Lös»»», welche trotz mehrfacher Gastspiele auswärtiger Säuger bishrr »«hl erreicht wurde. Durch das «uftrete, be» Herr» Grrugg. welcher sich eiues gute» Erfolges erfreute, dürfte sie vielleicht etwa« näher gerückt feta. Die Stimme des Säuger« erwies sich als aus reichend für die Dimeastoueu de- Hause» und übte durch ihren sauoreo Klang eine avgeaehme Wirkung, doch werden andere Partien, die ihm »ach Höhe und Ties« mehr Spielraum gewähren, erst noch ergeben müfsea, ob da- Organ in allen Tonlagen einen glen günstigen Eindruck beim Zuhörer zurückläßt. Nach seinem Falsta zu urtheilen, scheint Herr Grengg vorwiegende Eignung sür Buffo Partien zu besitzen, seine humoristische Durchsühruug der Rolle, wie der Lharokter seiner Stimme lassen wenigsten- daraus schließen. Da- Publicum nahm die Leistung de» Gaste- jehr sreundlich aus, spendete ihm vielen Applau« und ries ihn nach den Aktschlüssen wiederholt hervor. Da» „Fremdenblatt" urtheilti Ja der gestrigen Aufführung der Oper „Die lustigen Weiber von Windsor" debutirte al» Falstaff ein neuer Bewerber um die erledigte Bassisteuslelle: Herr Greugg vom Stadt - Theater irr Leipzig, ein Sänger, welcher dem Wiener Publicum nicht ganz fremd ist, denu er geh-rte in der ersten Periode der „Komischen Oper" dem verbände derselben an. Seit jenem Engagement ist Herr Greugg iu jeder Beziehung stark vorwärt« gekommen bi» zu seiner nunmehrigen Eaadidatur im Hof-Operuthrater. Der Künstler hat sich mit einem günstige« Erfolge «ingesührt uud «iederholt lebhaften Beifall gesunde». Die Stimme ist klangvoll uud angenehm, in den tiefere» Tönen ollerding« weniger ausgiebig, der Vortrag lebendig, deutlich and wohlunancirt, di« Darstellung in der Art gehalten, wie einst Scaria die Rolle gegeben — dnrchau» gewandt, lobeuswerlh auch die gut« Durchführung der Prosascenen. Die „Wiener Allgemeine Zeitung" bestätigt den Beifall, den Herr Grengg gefunden yat und schreibt: Dieser Beifall war rigeutlich stärker, al» man bei dem frischen Andenken, in welchem der imposante Falstaff Scaria'S dea Wiener» steht, erwarten durfte. Da» „Neue Wiener Tageblatt" endlich äußert sich, wie folgt: Der Bassist Herr Karl Greugg vom Etadttheater in Leipzig erSffnete gestern hier rin Gastspiel al» Falstaff in „Die lustigen Weiber". Die Ausgabe war dem Gaste nicht leicht gemacht, deaa dekauutlich gehörte der „Sir John" zu dea besten Partien de» ver- ftorbeaen Scaria. Iadeß muß man zugesteben, daß sich Herr Greugg hier mit vielem Glück eingesührt und gestern mit Recht den Beifall de» Publicum- gesunden hat. Die Stimme de« Gaste- ist voll und kräftig, wenn sich auch nach der gestrigen Rolle noch nicht mit Sicherheit sagen läßt, ob sie in der „tieftten Tiefe" au», giebig genug fei» wird. Unbedingt zu loben ist aber die geschmack- volle Vortragsweise de» Gaste», seine deutliche Aussprache, die sür dea Hörer weder im Besang«, noch in der Prosa auch nur ein Wort verloren gehen läßt, und sein gewandte- Spiel, da» vom zweiten Acte ab. in dem der Gast schon alle Besangenheit verloren hatte, auch von Humor zeugte. Herr Grengg erhielt, wie erwähnt, mehr- fach Beifall uud wurde »och de» Aktschlüsse» mit dea eiahrimischea Mitwirkeudeu öfter» gerufe». * Außerordentlichen Erfolg hat, ebenfalls in Wien, unser heimischer Orgelmeister Herr Paul Homeyer errungen. Man schreibt uns unterm 2l. d. M.: Ein seltener Kunstgenuß wurde gestern den Besuchern de- Stephaui- dome- zu Theil. Herr Paul Homeyer, Organist de- berühmte» Bewandhause- und Lehrer am königl. Couservatorium in Leipzig, paisirte Wien und spielte aus der im Bau begriffenen Orgel Li-zt- uad Bach'iche Werke mit seltener Bravour. Weihbischos Augerer erschien aus dem Orgelchore, ließ sich Herr» Homeyer vorst-llca und dankte ihm sür deu bereiteten Kunstgenuß. Eia andächtige- Publicum füllte de» Rieseudom bi» aus dat letzte Plätzchen. * Herr Oberbürgermeister vr. Eckardt zu München hat die Widmung einer von Joses Diamond zur „K-nig-Ludwig-Feier" gesertigteu Lompositioa, „Bayerische Leuteuar-Kläage" be titelt (Verlag vou L. Bragard-Pietkia, Malmedy iu Leipzig), au- geuommc». ——— Altes Theater. Leipzig» 23. August. Die bezähmte Wider« spänstige. Lustspiel in 4 Acten von William Shake speare. Fünfte« Gastspiel der Frau Franzi-ka Ellmen reich. E» ist ein» ihrer interessantesten und sein gezeichnetsten Frauenportrait», da» un» die Künstlerin gestern vorsührte. Man mag sagen, wa» man will, die rohe Art, mit der der Veroneser Edelmann den störrischen Sinn der Tochter Baptista» mildert, hat für unser heutige» Em pfinden etwa» ungemein Abstoßende», wenn nicht ein Moment in dem ganzen Spiel Katharina'« und Petruchio'S zugleich zum Bewußtsein kommt: hier ist ein Seelenleiden zu curiren, und der Arzt darf, um sein Ziel zu erreichen, vor keinen, ener gischen Mittel zurUckscheuen. Unter diesem GesicbtSpunct zeigt die Sache plötzlich eine ganz neue Gestalt. Wir sehen nur da» kranke Käthchen, deren Zotnau-brüche mehr unsere Theil- nahme als unsern Absckeu wecken, und deren wechselnden Seelenzuftänkcn wir mit wahrhaft menschlichem Interesse folgen. Und will man dieser unserer pathologischen Idee eine concretere Fassung geben, so wird man sagen müssen, unsere junge Paduanerin leide an der lebhaften Wahnvorstellung, daß ihr fortwährend von ihrer Umgebung, von Baptista, Bianca rc. Unrecht zugesügt werde. Wollt ihr mir da- nicht gönnen? Ja, nun seh' ich'-. Sie ist ihr Kleinod, sie man muß vermählen, Ich muß aus ihrer Hochzeit barfuß tanzen, Weil ihr sie liebt, Allen zur Hölle führen! ' Sprecht nicht mit mir, denn ich will geben und weinen, BiS mir Gelegenheit zur Rache wird. (H. Act, 1. Scene.) Diese fixe Idee steigert sich aber gegenüber den vielen Freiern, die um sie angehalten und in denen sie auch ihre tünstigen Peiniger sieht. Auch an den „lichten Momenten", den sog. lucicka intervulla, wie die Psychiatriker sagen, fehlt e» hier nicht, z. B. in den Scenen, in denen Kaihchen sich ihre- Zustandes bewußt wird und sie von der Rührung über mannt wird. Man wende hiergegen nicht ein, daß der über- müthige Lnstspielcharakter de- Stücke- diese Auffassung au»- sckließe und jede tragische Deutung de- Charakters der Heldin unmöglich mache. Gegen diesen etwaigen Einspruch sprechen aber zwei Momente: ersten- ist bei Shakespeare, wie ja im Leben überhaupt, wenn man eS dichterisch ersaßt, Lust und Leid, Tragisches und Komische-, seltsam verschlungen; zweiten» ist nur nach obiger Voraussetzung eine wirklich ungezwungene psychologische Analyse diese- weiblichen Charakter- möglich. Und offen gestanden, auch da- gestrige Spiel der Frau Ellmenreich bestärke nn» in dieser unserer abweichenden Anschauung. Schon da» erste Austreten, der irre, halb suchende, halb scheue Blick, die fahle GesichlSsarbe, da» Ueber- stürzte in Ganz und Haltung zeigten offenbar, daß die Künstlerin unserer Anschauung jich zunelgt, und sie that Recht daran; denn nur unter der Voraussetzung, daß sie eine Seelen- leivende dar-ustellen habe, konnte sie diese Fülle feiner und interessanter Züge anbringen, die sonst ganz ohne Sinn wären. Hierher zählen wir vor Allem ihr meisterhafte- Spiel im 4. Acte, >m Stadium der „Genesung". Und eS ist dann wirklich die totale Gebrochenheit de» früher krankhaft gesteigerten monomanischen Eigenwillen», wenn sie schließlich einstimmt: Ja, lieber Gott, e» ist die liebe Sonne? — Doch nicht die Sonae, wenn du'- ander- willst: Der Moud auch wechselt, wenn e» dir gelüstet» Uud wie du'» aeaaen willst, da» ist e« auch» Uud soll'» gewiß für Katharinen bleiben. Aber diesen glänzenden Heilerfolg hätte die Energie Petruchio'S nimmer erreicht» wenn nicht Gott Amor hier wesenllich mitgeholfen hätte. Käthchen liebt ihren harten Seeleiarzt vom ersten Augenblick an, und gerade in diesem Kamffe von unbewußter Liebe und wildem Trotz entwickelt dir Künstlerin eine Reihe reizvollster Momente. Und al» sie sckliHlich, selbst eide froh Genesene, die bekannte Schluß- und Majnrede an alle ihre störrischen Schwestern de» Erdenrund» biill spricht sie nicht pathetisch in» Publicum binein, sondern weidet sich an Bianca, dir sie zärtlich umfängt, um ihr die govenen Worte Shakespeare'« wie in- Herz zu senken. Da» di«t besetzte Hau- ehrte dir Künstlern durch wiederholten, laschenden Beifall. An dem Erfolge des gestrigen Abends partieipirte in erster Lnie Herr Baxmua«. dessen Petruchio hier schon zu wieder- hätrn Mule» al« ein« seine- besten Leistungen gewürdigt werden ist. Auch Frl. Schneider (Bianca) ,st von früher he bekannt. Wünschenswerth freilich wäre es, wenn di« Tochter Baptist«'» für die Zukunft da« bekannte ovidische Distichon: 8»<r idnt 8iwoi», Klo «at 8hr«l» telloi, üie -tetornt Znumi raxi» oalna nouin. mehr sc an dir« n al» hersagen würde. Die Töchter der patriciscken italienischen Familien wurden damals in klassi schen Sprachen gebildet, und die Lectüre lateinischer Dichter gehörte bei Mädchen und Frauen diese» Stande» zu den ge wöhnlichen Dingen, etwa wie heutzutage da» Llavirrspielen. Tie geistlose und handwerksmäßige Au-ubung der Musik war zu jener Zeit noch nicht eine allgemein empfundene Landplage. Und mancher all;» »»isikfroben Stadt Mitteldeutschland» mag heute noch der Wettstreit zwischen Tonkunst und Dichtung, dem Shakespeare hier Worte leiht, vorgehalten sein: Luceutio. Fiedler, laßt ab; ihr werdet allzu dreist. Habt ihr die Freundlichkeit so schnell vergesse«» Mit der euch Katharina hier empfing? Hortrnsio. Zanksüchtiger Schulgclehrterk Immer war Die göttliche Musik die Herrscherin: Drum steht zurück und gönnet mir de» Vorzug; Und wen» wir eine Stunde musicirt, Soll euer Lesen gleiche Muße finden. Luceutio. Du widersinniger Tropsl Der nicht begriff, Zu welchem Zweck Musik un» ward gegeben. — Ist'» nicht de- Menschen Seele zu erfrischen, Nach ernstem Studium uud der Arbeit Müh'? De-Halb vergönnt, daß wir philosophirea, Und ruha wir au», da»» mögt ihr musiciren. Moritz Brasch. Nachtrag. * L «ipztg, 23. August. Die Angelegenheit der Berichl - erstattung Über dea HochverrathSproceß gegen Sarauw und Nötiger wird auch demnächst da- hiesige Land gericht beschäftigen. Al« Angeklagte figurirru die Herren Re dacteure Gärtner vom Leipziger Tuge-anzeiger. Springer vom „Zwickauer Tageblatt", Götze vom „Sächsischen Lande»« Anzeiger" in Chemnitz, sowie der Verleger desselben, Herr Wiebe, und endlich der Journalist Herr Friedlänber. Die Verhandlung findet vor der Ferlenstraskammer L am S. September statt. * Leipzig, 23. August. Der VII. deutsch« Sch nei de rtag wurde gestern Abend mit einer vorberathenden Ver sammlung. in welcher di« Wahl de» Bureau» und die Fest stellung der Tagesordnung stattsand, im Kaisersaale der Centralhalle eröffnet. Heute Morgen wurden nach einer Be grüßung der Erschienenen durch den Obermeister Eh rig-Leipzig die eigentlichen Berathungen unter Vorsitz de- Herrn Schulze» Potsdam begonnen. Die Präsenzliste ergab die Anwesenheit von 45 Delegirte«. AuS de« heutigen Verhandlungen, in denen ein großer Theil der Tagesordnung erledigt wurde, ist erwähncn-werth, daß eine Petition an den Reichstag wegen Einführung de-Befiihiguug»aachweise»b«schloffen wurde. Morgen wird man sich hauptsächlich mit der Grün dung einer Jnnungs-Krankeueafs« beschäftigen. — Der braunsarbige Prinz Dido von Dibotown be suchte am Montag Vormittag die Hutfabrik de» Herrn Hofliefe rant Ha ugk in de, Rosentbalgasse hier. Herr Haugk, welcher persönlich di« Führung de« Prmzen in seinem Etablissement übernahm, erklärte demselben in eingehendster Weise die Hut« sabrikation. Große« Interest« erweckte bei dem Häuptling au- Kamerun d:e Fabrikation eine» Stück Filze». Herr Haugk ließ in die Maschine auf der «inen Seite ein Packet Wolle einlegen, welche» auf der anderen Seite al» ein Stück Filz Herau-Iam, auch di« Walkerei und Lppreturwerkstatt fanden die lebhafte Aufmerksamkeit de» Prinzen. Herr Haugk verehrt« seinem Besucher zum Andenken einen Klapphut» welche Art von Kospbedeckung bi» jetzt in Kamerun noch nicht «ingesührt sein soll» für diese freundliche Aufnahme von Seiten de« Herrn Haugk ließ der Prinz durch seinen Dolmetscher danken und unter freudigen Zurufen de» sich inrwischen vor dem Geschäft-local angesammelten Publicum« fuhr der Priuz zur Besichtigung einer größeren hiesigen Druckerei. —r. Wie wir vernehme», wird sich mit dem sünfund- zwanzigjährigen Jubiläum de« hiesigen Burgkeller», welches am bevorstehenden 15. September stattfindet, eine umfangreiche Feierlichkeit verbinden, zu welcher schon jetzt die Vorbereitungen in vollem Gange sind. Die alterthümlichen Räumlichkeiten mit ihren schönen Wölbungen, eigenartig und anmuthig wie wenige Restaurant- in Leipzig, zeigen sich in neuem Festgewand, und ein fröhlicher' Geist wird die Herrschaft führen bei einem Feste, welche-, aus vielhundertjähriger Grund lage, die Erinnerung an da» fünsundzwanzigjähriae Bestehen einer unserer beliebtesten und besuchtesten Gastwirthschasten bezweckt. —o. Da» letzten Freitag im Garten de» .Elysium" dom „Stammtische zum Kreuz Nr. 16l" veranstaltete Wohl- thärigkeit» - Concert. dessen Reinertrag zur Christ- beschceruug armer Kinder im Westvierlel bestimmt war, hatte eine zahlreiche Theilnehmerschast vereinigt, der ein ebenso ge» mülhlicher als genußvoller Abend harrte. Den gewählten und gut au-gesührten musikalischen Vorträgen folgte lebhafter Beifall und wiederholt Dacaporus. Nach Schluß de« Con- certeS hielten die Herren Lehmann und Friedrich warm zum Herzen dringende Ansprachen über die Zwecke de« Stammtische- zum Kreuz Nr. tkl und seine bi-her erzielten Resultate, die ein ebenso ehrende» al» erfreuliche» Bild von dem wohlthätigen Streben seiner Mitglieder, dem auch einer der anwesenden Gäste Worte der Anerkennung widmete, vor sührte. Dank der unermüdlichen Rührigkeit der Mitglieder hat sich der Fond» de» Tische» so günstig gestaltet, daß au» demselben nächste» WcihnachlSsest wieder 15 bi» 20 arme Kinder durch Bescheerung erfreut werden können. * Leipzig, 23. August. Am Sonntag Abend gegen 7 Uhr fand man. wie un» gemeldet wird, in der Nähe der Arbeits stelle der neuen Wasserleitung im Naunhoser Staat S- walve einen italienischen Arbeiter mit vielen Schlag- wunden am Kopse säst leblo» ans der Erde liegend. Die Persönlichkeit desselben wurde von seinen Landsleute» fest- gestellt, welche mitlbeilten, daß der Verletzte erst vor kurzer Zeit in den Besitz einer Summe von 190 bestehend in neun Doppel- und einer einfachen Krone, gekommen sei. Da» Geld wurde vermißt, doch befand sich der Verwundete noch im Besitz seiner Uhr. Aerztliche Hilfe war sehr schnell zur Stelle. Leider fehlt e» in Naunhof gänzlich an einem geeigneten Unterkommen sür den Unglücklichen, und von einer Uebrrsührung nach Leipzig mußte ebenjall» sür den Abend abgesehen werden, da bei der starken Frequenz der Züge für diese viel Zeit- versäumniß daran» entsprungen wäre. Am Thatorte fand man eine sür diesen Zweck scheinbar eigen» hergerichtete Keule vor. ) Leipzig, 23. August. Auf der Dreödner Bahn wurden am gestrigen Sonntage 5900 Personen nach auSwärt» und 5400 nach hier, aus der Bayerischen Bahn 8200 nach au»wärt» und 5400 nach hier, aus der Thüringer Bahn 3900 nach auSwärt» und 400 nach hier und auf der Magdeburger Bahn 5200 Personen nach auSwürt» und 4600 nach hier befördert. — Vergangene Nacht machte sich ei» Herr au- Zeitz den Spaß, mit seinem Schirm zwei Fensterscheiben in einer Parterrrwobnunq der Webergaffe muthwillig »inzu,'(Klagen; er wurde natürlich zu einem Gange nach der Polizeiwache ausgcsordert. * Leipzig. 23. August. Von der Ferien-Strafkammer v dc» hiesigen königl. Landgericht» wurden heute verur- theilt: l) der Handarbeiter Gustav Adolf Nruold aus Kotzschbar wegen RücksallSdiebstablö x. zu 3 Jahren Zocht- bau«. 5 Jahren Ehrenrechtsverlust und Polizeiaufsicht; 2) der Gärtnergehilfe Heinrich August O«kar Gebhardt au« Lech- feld wegen Betrug« x. zu 8 Monate» Gesäugaiß; dahingegen wurden der Gaöinspector Karl H«»tck« ans Berlin
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