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Zeit ist an sich nichts einzuwenden. Es ist als richtig anzuerkennen, daß jede Zeit ihre eigenen Formenanschauungen zu entwickeln und darzustellen das Bestreben haben muß«, schreibt er, kommt aber wieder zu seinem Grotesk-Trugschluß, dessen Unhaltbar keit schon bewiesen wurde. Bisher haben unsre Schriftkünstler »die Schrift unsrer Zeit«, die den Neutypographen voll befrie digen könnte, noch nicht geschaffen. Versuche sind auch in dieser Richtung längst im Gange; besonders was eine brauchbare Buch type anlangt. Den Mangel, der fast allen Schriften anhaftet: Ver änderung des Schriftbildes beim Vergrößern oder Verkleinern des Schriftgrades, je nachdem, für welchen Zweck die Type ge zeichnet wurde, braucht man Dr.Wolf nicht vor Augen zu halten; er wird ihn kennen. Dieser Mangel ist aber mit ein Grund dafür, daß wir noch keine wirklich brauchbare neue Buchschrift haben. Aus dieser Erkenntnis heraus griffen die Neutypographen zurück auf alte unpersönliche Antiquaschriften, und siehe da, sie er wiesen sich als brauchbar! Jedem Buch ein gemäßes Gewand, jedoch nach dem Willensausdruck derZeit. Darüber braucht man die Schönheit alter Meisterwerke nicht zu verschmähen. Aber wir brauchen Meisterwerke der Jetztzeit, und die schafft man nicht dadurch, daß man Überaltertes in den Himmel hebt und das Werdende, in der Entwicklung Begriffene zurückstößt, ver dammt oder lächerlich zu machen versucht. Wir Heutigen sollten es fördern und anregen, wo immer wir können. Zweijähriges neues Buchgestalten will nichts besagen; wir wollen uns in einem Jahrzehnt wieder sprechen; dann werden wir hoffentlich sagen können: Das Historische in allen Ehren; es ist sehr schön. Aber das Neue, das nach harten Kämpfen gegen historische Vorein genommenheit entstanden ist, dürfen die Meister der neuen Zeit dem Alten getrost an die Seite stellen. Dazu wollen wir den neuen Buchmeistem die Wege ebnen helfen. Wir sind uns wohl bewußt, daß es nicht so einfach und durchaus nicht leicht ist, für das Buch grundlegend eine neue Form zu finden, den neuen Buchtyp zu schaffen; aber wir sind auch nicht der Meinung, daß deshalb das Buchproblem beiseitegestellt werden müßte, a. g. Schrift und Bild in der neuen Typographie Otto Bettmann schreibt in Penroses Annual 1930 unter anderm: Die Schrift muß sich dem Wesenszug in der neuen deutschen Typographie unterordnen. Die Fraktur wird von der modernen Richtung strikte abgelehnt. Zwar erkennt man die Schönheits werte und die historische Bedeutung der Schwabacher an. Ihrem Charakter nach aber erscheint sie zu persönlich und national gebunden. Auch die Fülle der Künstlerschriften, die Deutschland besitzt, genügt nicht den Anforderungen der Jetztzeit. Sie stellen mehr oder minder gelungene Modernisierungen alter Schnitte dar. Keineswegs waren für ihre Gestaltung mathematische Ge setze maßgeblich. So ergab sich die Forderung, eine neue über persönliche Schrift zu bilden. Sie sollte nur aus Linie und Kreis hergestellt sein und individuelle Züge, die die Ruhe des Schrift bildes stören, vermeiden. DieserWunsch hat zu einer Kultivierung der Groteskschriften in Deutschland geführt. Sie bestehen nur aus Linienelementen von gleicher Stärke und sind quadratisch aufgebaut Sie wirken gerade durch ihre Nüchternheit monu mental und wohltuend rein. Keineswegs bringt der Kampf gegen eine sinnlose, illustrative Ornamentik eine strikte Ablehnung des Bildhaften mit sich. Auch das Bild kann die Ausdruckskraft einer Drucksache ver stärken. Damit ist es in der neuen Typographie gerechtfertigt; denn Steigerung der Mitteilungsklarheit ist höchster und letzter Entwurf von Werner Köhler, Gießen BUCHDRUCKEREI r Entwurf von Walter R. Mittag, Recklinghausen Entwurf von Erwin Böser, Lübeck