Der geometrifch*typographifche Formenfchatz Für das Arbeiten mit geometrifcii-typographifchen Formen laffen fich ebcnfowenigRegelnoderbeftimmte Anweifungen aufftellen.wiebeijedem andern typographifclien Schaffen auch. Ein jeder wird hierbei ftets nach feinen ihm eigentümlichen Arbeitsgefetzen Vorgehen und eine Löfung finden müffen. Jedoch follte jeder, der den Verfudi unternimmt, aus Satz material figürliche Kompofitionen zu machen, durchaus mit allen in Frage kommenden Typenftücken des Setzkaflens vertraut fein. Er follte die Ver trautheit mindeftens fo weit geführt haben, daß ihm die geometrifdien Grundformen ihrer Geflalt und Eigenart nadi ftets in bewußter Vorftel- lung bleiben, fo daß er mit diefen Begriffen nadi der Skizze frei fdialten und walten kann. Eine möglidift klare Vorausficht von der typographifchen Lösbarkeit eines zu fetzenden »Bildes« ift notw endig, um fchon von vornherein der Zeichnung felbft eine gewiffe formale Befchränkung auferlegen zu können. Das heißt alfo: fchon der Entwurf muß, w r enn er Sinn haben foll, nach typographifdien und nidit nadi zcidinerifchenGefiditspunkten aufgebaut fein. Eigentlidi find das ja Selbflverftändlichkeiten, die auch zumeift erfüllt w erden, wenn der Entwerfende feinen Entwurf felbft fetzt. Häufig genug aber ift das Gegenteil der Fall, wenn der Zeichner feinen Entwmrf von fremder Hand fetzen laffen muß. Eine flüditige Zeidinung, die diefe oder jene Deutung oder Veränderung zuläßt, nützt beim Setzen figürlidier oder dekorativer Kompofitionen w’enig oder gar nichts. Das wirkliche künftlerifche Sdiaffen liegt dann lediglidi in den Händen des Setzers, dem die eigcntlidie typographifche Arbeit überlaffen bleibt, fidi mit dem gegebenen Material des Setzkaftens auseinanderzufetzen, was der Ver fertiger des Entwurfs verfäumte! Entwurf und technifche Durchführung find eben hierbei organifch miteinander verbunden und füllten nidit ohne Not in verfchiedene Hände gelegt werden. Gerade in der Verwendung des in feinen Elementen ftreng begrenzten und in feinen Grundformen unveränderlidien Setzmaterials fowie in der Auseinandcrfetzung des Bildgedankens mit der feftbegründetenTedinik liegt die Schwierigkeit und zugleidi aber audi der eigentümliche Reiz diefes typographifdien Sdiaffens. Hierin liegt auch der tiefe Unterfdiied zwifdien dem Wefen der Zeichnung und des gefetzten »Bildes« begründet. Im Gegenfatz zur freien Zeidinung erlaubt das typographifche Material nur ganz beftimmte Wege zu befdireiten. Nur ganz w r enig eng begrenzte Richtungen (meift nur unter 45 Grad) lind verwendbar, und jede Fläche muß fidi letzthin ins Quadrat auflöfen laffen. Aber gerade diefe Befdirän- kung in der Verwendung der Mittel bringt die außerordentlidie Knapp heit und Logik der refultierenden Form zuftande. Schon beim Arbeiten felbft offenbaren lieh die abfolutePräzifion unddieSauberkeitund Strenge, die dem typographifdien Bild eigentümlidi find. Es gibt hier keine Zwei deutigkeiten, keinen Zufall oder Ungenauigkeit, es gibt nur ein Entweder und ein Oder. Mit mathematifdier Exaktheit müffen die Formen w ie geometrifdie Kon- ftruktionen in beglückender Klarheit gelöft werden, müffen Linien, Qua drate und Kreife fich aneinanderfügen und zur Einheit werden. Man kann diefe Exaktheit fehr weitgehend erfühlen, audi ohne immer unbedingt redinen zu müffen. Es mag fidi empfehlen, beim Anfang möglichft mit wenigen Satzftücken zu arbeiten, das Bild bleibt dann einfach, aber klar; Uli 11J Aus dem kleinen Werk: »Ein ABC aus Tieren«