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NICHT SPIELEREI, SONDERN TYPOGRAPHISCHE HANDWERKSKUNST Kollege Walter Hahn fagt im vorftehenden Auffatz: Der Typenfatz ift ein Spezialgebiet. Darin muß ihm jeder recht geben. Nicht alle können wir z. B. auch mathematifche Formeln oder Mufiknoten fetzen. Alles erfordert Einarbeitung in das jeweilige Gebiet. Die Herltellung desTypenfatzes ver langt befondere Liebe und w r ahreFreude am Beruf. Welch fchöne,wirklich »typographifche« Arbei ten fich mit diefem Material fchaffen laffen, das beweifen die vielen guten Beifpiele, die wir im Laufe der Jahre zu Geficht bekamen. Nicht nur unfre »Typographifchen Mitteilungen« oder die Kunftgewerbefchulen brachten hervorragende Arbeiten. Nein! Aus der Praxis tüchtiger Kollegen find Druckfachen entllanden, dieVorbildliches zeigen. Wenn behauptet wird, daß fich zuviel Unbe rufene im Typenfatz verfuchen, fo ift dies keine Begründung für feine Unzweckmäßigkeit oder feine Unrentabilität. Haben wir nicht fchon immer gute und fchlechte Druckfachen gehabt? Kann man deshalb über eine beftimmte Art der Satzkunft den Stab brechen? Dem findigen Akzidenz- fetzer ift gerade bei diefer Satzart Gelegenheit gegeben zu eigenem Schaffen. Aus wenigen Teilen laffen fich Formen bilden, die in ihrer herben Stiliftik fehr ausdrucksvoll wirken. Gerade die ein fache eckige Form ift es, die dem Bildfatz feinen befonderen Reiz verleiht. Laffen fich denn nun diefe »typographifchen Spielereien« wirklich billiger im Bleifchnitt herftellen? Es mag fein, daß man in einzelnen Fällen mit dem Bleifchnitt fchneller zum Ziele kommt, vielleicht bei komplizier tem Typenfatz; aber dies allgemein zu behaupten, ift falfch. In den weitaus meiften Fällen geben die im Typenfatz ebenfo wie im Blei- und Linolfchnitt bewanderten Kollegen dem Typenfatz den Vorzug. In kurzer Zeit entlieht aus geübten Händen, mit wenigen Linien und Gevierten gefetzt, ein Gildenzeichen (Hobel, Amboß ufw.) oder eine Schutzmarke. Selbftverftändlich foll der Ornamenttypenfatz nicht für jede Arbeit Anwendung finden. Wenn Kollege Hahn behauptet, unfer Ornamenttypenfatzmaterial wäre totes Material, fo irrt er ge waltig. Linien, die hauptfächlich benötigt werden, werden doch auch für andere Zwecke gebraucht. Auch die wenigen anderen Stücke: Gevierte, Kreife und Diagonalen, finden noch andere Verwen dung. Totes Material find in der Jetztzeit aber die vorhandenen Einfaffungen. Wie leicht kann fich der Setzer beim Nichtvorhandenfein geeigneter Schriften durch Setzen einer Schlagzeile helfen! Formenfinn und Verftändnis für Schriftbildung muß er allerdings dazu haben. Aber gefetzt ift eine folche Zeile viel fchneller als in Blei gefchnitten. Nur muß man praktifch beim Setzen Vor gehen und keine Cicerogevierte verwenden, wenn man mit Konkordanzlinienftücken zum Ziele kommt. Durch Einfügen oder Herausnehmen von Linienftücken läßt fich folche Zeile auf einfache Art fetter oder magerer geftalten. Den Vorteil hat der Bildfatz vor dem Bleifchnitt, daß er keiner genauen Vorzeichnung bedarf. Auch kein Umdruck ift nötig wie beim Bleifchnitt. Mit dem»Nach«- fchneiden von Bildern und Vignetten, wie es vielfach auch in den Kurfen geübt wird, ift unferm Gewerbe nicht gedient, ganz abgefehen noch von der Verletzung des Urheberrechtes, die mit der Nachbildung begangen wird. Der Typenfatz ift keine Spielerei, fondern typographifche Handwerks- kunft! Wir füllten unfre Kunft nicht felbft bekämpfen. Aus der Hand des gefchickten Setzers werden immer wieder Arbeiten entliehen, die uns und auch die Kundfchaft befriedigen. Alfred Fromm, Berlin TYPENSATZ VON KARL MATTH1ES. GÖRLITZ