KARL KOCH / HAMBURG ❖ IASH FEIT DER blumenH ALTONA-DONNERS GARTEN VOM 20. BES 27. JUNI 1926 Ul SCHAU ALTONA 6. BIS 10. SEPTEMBER IM INDUSTRIEPALAST DAS PLAKAT Alfo du follft ein Plakat machen, lieber Kollege vom Kalten, ein Plakat, das einen Vergleich mit den Erzeugniffen unfers Schwagers vom Stein aushält? Das wirft du wohl mit unfern Lettern allein nur in den allerfeltenften Fällen erreichen. Der Gebrauchsgraphiker, der dem Steindruck in die Hand arbeitet, hat dem Setzer gegenüber ein fehr viel freieres Arbeitsfeld. Er kann feine Phantafie frei fpielen laffen, und nur fein künft- lerifches und technifches Können bieten ihrem Ausdruck Halt. Anders ift es bei dir, Kollege vom Kalten. Du kannft nur mit dem in den meiften Druckereien fehr kärglich vertretenen Plakatmaterial arbeiten. BildlicheDarftellungen find dir typographifch (Anwendung von Kli- fchees, Vignetten oder Bildfatz) faft unmöglich, weil die hierzu benötigten Bildftöcke oder Bild- fatz-Baufteine in der nötigen Größe nicht oder nur fehr feiten vorhanden find. Haft du eine gute Idee, die lieh typographifch nicht verwirk lichen läßt, fo kann der Linolfchnitt helfen. Zu- nächlt aber mußt du ihr durch Zeichnung licht- baren Ausdruck verleihen, kurz gefagt,du mußt zeichnen, und daher zeichnen können. »Aha!« denkft du, lieber Kollege, und Gedanken, wie: »Figürliches, Schwarzweißmanier, Hohlwein- Art und Bernhard-Schmiß« durchzucken dein Gehirn. Wenn du das Zeug dazu halt, warum nicht! Aber, lieber Freund, das ift nicht das eigentliche Gebiet des plakatmachenden Buch druckers. Dein Gebiet ift eher die Schrift, ein fache fymbolifche Darftellung oder höchftens eine wuchtige Silhouette. Audi fo kannft du Buchdruckplakate fchaffen, die lieh an derPlakat- wand wohl neben den Erzeugniffen des Stein- undOfffetdrucks fehen laffen können.Vielleicht fetzt man den umfangreichen Haupttext ab, bringt ihn in eine charakteriftifche Form und fchneidet dazu eine oder einige alles über tönende Schlagzeilen, oder auch man läßt dazu ein wuch tiges Symbol wirken. Die Silhouette gibt dem zeichnerifch mehr Befähigten eine Möglichkeit zu figürlicher Darftellung. Immer muß man beim Entwurf darauf Rückfidit nehmen, daß man die Zeichnung nachher in Linoleum fchneiden foll. Materialgerechtigkeit ift der hefte Prüfftein für die kunfthandwerklidie Qualität einer Arbeit. Die breite Flädie ift dasGegebene für den Linol fchnitt, feine Striche foll man möglichft um gehen. Eine vorliegende, ins einzelne gehende