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186 RADLERIN UND RADLER. Rat ihrer Freunde es wagt, in die frische Winterluft hinauszuradeln, einfach damit, zu ihrem bisher getragenen wollenen Sommer kostüm eine Federboa oder Pelzkragen um zunehmen, einen Filzhut mit dichtem Schleier und ein Paar derbe wildlederne Handschuhe zum Schutz gegen die Kälte zu wählen. Durch gefroren, zerzaust und atemlos von der an strengenden Fahrt kommt sie zurück und erklärt jeden für einen Narren, der die Behauptung aufstellen will, eine Radlerin sei nicht aus schliesslich ein Sommerwesen. Sie urteilt ebenso weise, als wenn sie nach einem im Ballkleid auf dem Eise verbrachten Nachmittag die Meinung ausspräche, das Schlittschuhlaufen sei ein blödsinniger, gesundheitsschädlicher Sport. Im Grunde genommen geniert trockene Kälte die Radfahrende, sobald sie ein nettes Tempo eingeschlagen hat und warm genug gekleidet ist, nicht im geringsten. Unangenehm wird nur der oft recht unerwartet sich einstellende Wind, und um von diesem weniger belästigt zu werden, empfiehlt es sich, alle Kleidungsstücke so an liegend wie möglich zu wählen. Der weiche, breitkrempige Filzhut, der sich mit seinem wallenden Federnschmuck so malerisch auf Winter-Ausfahrt des Moskauer Radfahrer-Clubs von 1888. einem blonden oder dunklen Lockenkopf aus nimmt, ist das grösste Hindernis, mit dem die An dem Thore : des Clubheims im Petrowsky-Park. Spezialaufnahme von Carl Winkler in Moskau. oder auch eine kurze Rast der hohen Frau Anlass bietet, mit Rad fahrerinnen oder Radfahrern zu sprechen. Dieser freundliche Zug in dem Wesen der hochverehrten Herzogin hat viel dazu bei getragen, ihre Popularität als Radfahrerin zu begründen. Ebenso wie das Völk an ihrem Unglück teilnahm, ebenso freut es sich über die Liebenswürdigkeit und Herzensgüte der Herzogin von York, die sichtlich den Lehren ihrer Mutter, der „guten Herzogin von Teck“, in vollem Masse nachkommt, und welcher in ganz England ihrer hervorragenden Geistes- und Herzensbildung wegen ausserordentliche Liebe und Verehrung entgegen gebracht wird. Das Kostüm der Winter-Radlerin. ine englische Sportzeitung veröffentlicht in einem interessanten Artikel über das Ausüben des . Radsports im Winter verschiedene beherzigens- ' werte Ratschläge für die radelnde Damenwelt. „Die Bicycles der meisten Frauen,“ so schreibt das Blatt, „sind dazu verurteilt, von Anfang November bis Mitte April einen regelrechten zu halten, oder das Rösslein wird, wenn das holden Besitzerin mit besonderer Liebe an ihm der letzten Ausfahrt gereinigt, blitzblank geputzt Winterschlaf Herz seiner hängt, nach und mit farbigen Bandschleifen und künstlichen Blumen ver ziert im traulichen Mädchenstübchen oder gar im Salon als elegante, obwohl etwas kolossale Nippsache aufgestellt. Nichts destoweniger aber wächst die Zahl der Winter-Radlerinnen mit jedem Jahre; doch würde diese längst weit grösser sein, wenn das weibliche Geschlecht den allerdings nicht fortzuleugnenden Schwierigkeiten, die mit dem Fahren während der kalten'Jahres zeit verknüpft sind, mit praktischem Verstand entgegenzutreten wüsste. Gewöhnlich aber begnügt sich die Frau, die auf den Winterradlerin zu kämpfen hat, und um über haupt noch mal nach Hause zu kommen, sieht sie sich bei der Heimkehr genötigt, das wind fangende Ungetüm an der Lenkstange zu befestigen und in blossem Kopf zu fahren. Die wahre Sportfreundin behandelt jeden unnötigen Ausputz mit Verachtung; ihr Winterkostüm setzt sich aus folgenden Bestandteilen zusammen: Leibwäsche, am besten aus seidenem oder Vigogne-Trikotstoff, darüber dichte wollene Trikots und dann ein Beinkleid aus derbem Wollenstoff. Feine wollene Strümpfe, bequeme hohe Leder stiefel und darüber geknöpfte Tuchgamaschen. Für besonders empfindliche Damen leisten pelzgefütterte Tuchstiefel vorzüg liche Dienste. Das Kostüm selbst wäre nun am wärmsten und am praktischten, wenn es aus einer mässig weiten Pumphose und geschlossenem Jacket von flanellgefüttertem Sammet be stehen würde. Wer sich jedoch nicht zur Hosentracht ent schliessen kann, nehme den geteilten Rock, doch muss dieser kurz und sehr eng geschnitten sein. Jeder überflüssige Falten wurf ist vom Uebel. Um das Auffliegen des Rockes zu ver Oberstoff zu steppen. hindern, ist es angebracht, das Futter desselben zehn bis zwölf Zoll hoch mit dichten Nähten an den Der Anblick, den eine zierliche Frauens person mit von der Anstrengung hoch rotem Gesicht, umgeben von einem Cyklon fliegender Draperien bietet, wenn sie sich abmüht, das gleiche Tempo mit einem mühelos vor ihr hersegelnden Manne einzubalten, ist zum mindesten inter essant. In Bezug auf ihre Kopfbedeckung