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12 Eine weitere wichtige Rolle im Großen Krieg spielte ferner der seit langem zwischen Schwe den, Dänemark, Polen und Rußland geführte Kampf um die Vorherrschaft im Ostseeraum. Ohne das Hin und Her im Ringen um das Dominium Maris Baltici, die Ostseeherrschaft, ist der Kriegsverlauf auf seinem Höhepunkt nicht verständlich. Schließlich muß man auch die Erbfeindschaft zwischen dem Hause Habsburg und dem Osma- nischen Reich, das noch immer eine Großmacht darstellte, berücksichtigen. Der Krieg hatte also neben einer reichsinternen auch eine gesamteuropäische Seite. Es schoben sich, wenn auch manchmal nur kurzfristig und umrißhaft, zwei Staatenlager zusammen, das spanisch-habsbur- gische und das im Kern niederländisch-französische. Zum ersten zählten die Weltmacht Spanien mit ihren niederländischen und italienischen Besitzungen, die deutschen Habsburger (Kaiser), der Papst, Bayern und einige kleinere deutsche Fürsten, die in der Liga zusammengeschlossen waren (Madrid, Rom, Wien). Zum zweiten Lager stießen, allerdings zu unterschiedlichen Zeiten, die befreiten Niederlande (Generalstaaten), England, Frankreich, Dänemark, Schweden, Sieben bürgen und die protestantische Fürstenunion mit der Pfalz an der Spitze. Das erste Lager war in sich stabiler, aber geographisch zerstreut. Das zweite war zwar zusammenhängender, aber politisch instabiler. In dem verworrenen Verlauf lassen sich vier Perioden erkennen: 1.Die böhmisch-pfälzische Periode (1618-1624), 2. die niedersächsisch-dänische Periode (1625-1629), 3. die schwedische Periode (1630-1635) und 4. die französische Periode (1636-1648). Zur Rolle Sachsens im Dreißigjährigen Krieg Die ersten zwölf Jahre des großen Krieges blieb Sachsen selbst vom Krieg verschont. Die Kriegs not lernte man zuerst nur aus den Schilderungen böhmischer Glaubensflüchtlinge - Exulanten genannt - kennen, die wegen ihres protestantischen Glaubens aus ihrer Heimat vertrieben wurden und in Sachsen, dem Hort des Protestantismus, zum großen Teil Aufnahme fanden. Mehrere Versuche, Sachsen für die Seite der evangelischen Union zu gewinnen, scheiterten. So wurde dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. (1611-1656) noch vor dem Kurfürsten Friedrich von der Pfalz die böhmische Königskrone angeboren. Sachsen fühlte sich allerdings dem neuen Kaiser Ferdinand II. verpflichtet, der bei seiner Wahl am 28. August 1619 dem sächsischen Kur fürsten die Erwerbung der beiden Lausitzen in Aussicht gestellt hatte. Als schließlich Friedrich von der Pfalz in Prag als neuer böhmischer König einzog, war Sachsens Stellungnahme für den Kaiser entschieden. In kaiserlichem Auftrag besetzten sächsische Truppen schon im Jahre 1620 die damals zu Böhmen gehörende Oberlausitz und Schlesien. Wie verfehlt diese Politik Sachsens war, sollte sich bald nach den großen Niederlagen der Union zeigen. Ohne sich durch die Proteste Johann Georg I. hindern zu lassen, verlieh der Kaiser die pfälzische Kurwürde nicht ihm, sondern dem katholischen Herzog von Bayern und ließ die Protestanten aus Böhmen vertreiben. Erst mit dem berühmten Restitutionsedikt von 1629 - es bestimmte die Rückerstattung aller geistlichen Besitztümer, die seit dem Augsburger Reli gionsfrieden 1555 säkularisiert worden waren, an die katholische Kirche - erkannten die führen den Kreise am sächsischen Hof die wahren Absichten des Kaisers.