14 Leidenszeit für das Land. Schon unmittelbar nach dem Prager Frieden und später wiederholt fielen die Schweden in Kursachsen ein und hausten hier in extremerWeise. Die Kaiserlichen, die gegen sie zogen, standen ihnen kaum nach. Fast alle Städte fielen in die Hand der Schweden und wur den von ihnen geplündert und mit hohen Kontributionen belegt. Leipzig war von 1642 an von ihnen besetzt, allein Freiberg und Dresden konnten sich halten. Viele Dörfer gingen in Flammen auf, die Bevölkerung konnte häufig in die Wälder fliehen. Vom Kaiser im Stich gelassen, schloß Johann Georg mit Schweden in Kötzschenbroda einen Waffenstillstand, der in zähen Verhandlungen vom Geheimen Rat von Oppeln, dem Obristen von Arnim und von der Pfordte, ausgehandelt wurde. Die sächsischen Vertreter, eskortiert von 50 Reitern, trafen sich mit den schwedischen Abgesandten am 15. und 17. August 1645 zu nächst im Garten des Wirtshauses zu Cossebaude. Aus Sicherheitsgründen setzte man die Ver handlungen am 19., 20. und 23. August im Pfarrhaus des jenseits der Elbe gelegenen Kötz schenbroda fort, wo es am 27. August 1645 zur Unterzeichnung des zehn Paragraphen zählen den Vertrages kam. Die Friedenskirche im heutigen Radebeul-Kötzschenbroda verdankt ihren schönen Namen diesen Ereignissen im August 1645. Der Vertrag brachte allerdings nicht die ersehnte Erleichterung für die Bevölkerung, sondern bürdete ihr zunächst neue Lasten auf. Sachsen verpflichtete sich zur Zahlung einer monatlichen Kontribution von 11 000 Reichstalern an die Schweden. Die Summe wurde nach einem halben Jahr auf 8000 Reichstaler herabgesetzt. Erst nach dessen endgültiger Bezahlung rückten die schwedischen Besatzungstruppen aus Sach sen ab, und erst jetzt, im Jahr 1650, wurde hier das allgemeine Friedensdankgebet gefeiert. Böhmische Exulanten in Sachsen Nach der militärischen Niederlage der protestantischen Stände am Weißen Berg bei Prag 1620 sollte dieser zu einem geistlichen Sieg des Katholizismus genutzt werden. Die Rekatholisierung Böhmens begann mit der Schaffung rechtlicher Grundlagen. Ferdinand II., böhmischer König seit 1618 und Kaiser seit 1619, zerschnitt im August 1621 dreifach den Majestätsbrief von 1609 - mit dem Kaiser Rudolf II. den böhmischen Ständen die Religionsfreiheit zusicherte und die confessio bohemica bestätigte - und übergab das Briefsiegel dem Kaminfeuer. Damit galt in Böhmen das »Cui religio, cuius religio« des 1555 geschlossenen Augsburger Religionsfriedens. So ging in Böhmen die Rekatholisierung mit der Ausweisung derer einher, die am Protestantis mus festhielten. Da sie für sich und ihren Glauben ein Exil suchten, sind sie als Exulanten in die Geschichte eingegangen. Zwei Wellen der Exulation während des Dreißigjährigen Krieges sind feststellbar. In den Jahren bis 1623 waren besonders die Geistlichkeit und Schulmeister von der Ausweisung betroffen. Sie erstreckte sich bald auf alle deutschen und tschechischen Pro testanten. Mit der Ausweisung aller Nichtkatholiken am 31. Dezember 1627 begann eine qualitativ neue Phase der Exulation. Der größte Teil des böhmischen Adels war betroffen, nicht nur die Beteiligten am Ständeaufstand. Eine neue Konstellation der Glaubens- und der Machtverhältnisse wurde durch Einsetzung von Katholiken und Kaisertreuen - wie Wallen stein - in konfiszierte Güter erreicht. Mit den Ausweisungsdekreten verbunden waren auch materielle Bestrafungen des am Aufstand beteiligten Adels. Diese wandelten sich schnell zu bewußter und willkürlicher Schädigung, denn