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23 Hinsichtlich der von ihnen vertretenen Instrumente verteilen sich die böhmischen Musiker folgendermaßen: von der Gesamtzahl von 22 Kapellmitgliedern waren 6 Hornisten, 6 Violi nisten, 1 Bratschist, 3 Violoncellisten, 1 Kontrabassist, 1 Organist und 4 Sänger. Wie ersicht lich, waren die Bläser allein durch Hornisten vertreten. Dafür ist aber ihr Ruhm evident. Häufig und gut bestätigten sich außer den Sängern auch Streichinstrumentenspieler, vor allem Violinisten und Violoncellisten. Ebenso wie ihre Kollegen von anderen Nationalitäten verschafften sich auch böhmische Musi ker durch pädagogische Tätigkeit einen Nebenerwerb. Besonders die Hornisten Hampel und Houdek hatten viele Schüler aus den böhmischen Ländern. Nur eine kleine Zahl von böhmischen Musikern, die in der sächsischen Kapelle wirkten, be tätigten sich kompositorisch: von zweiundzwanzig fünf. Von diesen war Jan Dismas Zelenka (1679-1745) der weitaus bedeutendste. Seiner Tätigkeit seien folgende Zeilen gewidmet. Jan Dismas Zelenka kam nach Dresden als Einunddreißigjähriger, nach dem Studium bei Prager Jesuiten und nach dem Wirken in der Kapelle des Grafen Hartigs in Prag. 171 1 wurde er Kontrabassist der Dresdner Hofkapelle. 1712-1719 weilte er in Wien und Italien, teilweise als Schüler von J.J. Fux. Seit 1719 bis zu seinem Tode lebte er ununterbrochen in Dresden, zuerst als Kontrabassist der sächsischen Hofkapelle, dann seit 1735 als Kirchenkomponist. Der Komposition widmete er sich aber schon viele Jahre zuvor, wobei der überwiegende Teil seines Schaffens kirchliche Werke waren (Messen, Oratorien, Litaneien u.a.). Seine Komposi tionen, mit großer kontrapunktischer Meisterschaft geschrieben, wurden von J.S. Bach und G. Ph. Telemann bewundert. Eine interessante Frage am Schluß: Überwogen bei den böhmischen Musikern Tendenzen, im Rahmen des sächsischen Hofes eine gewiße Enklave zu bilden, oder war im Gegenteil das Streben nach vollkommener Integration stärker? Es ist bekannt, daß am sächsischen Hofe eine gewisse Zeitlang eine solche Enklave französische und auch italienische Musiker bilde ten. Akten der sächsischen Hofkapelle sprechen eindeutig von ungemein großen Bestre bungen nach vollkommener Eingliederung. Wenn ein Musiker ausnahmsweise in den An stellungsgesuchen seine böhmische Abstammung erwähnte (»Königreich Böheim«), so offen sichtlich deshalb, weil sie zu jener Zeit eine Empfehlung bedeutete. Ein zweiter Quellen bereich, die Matrikeln der Katholischen Hofkirche in Dresden, sprechen im Gegenteil von starken Tendenzen, eine Gemeinschaft von böhmischen Musikern zu gestalten. Viele, die als ledige Männer kamen, heirateten in Dresden Mädchen, die entweder selbst aus böhmischen Ländern oder aus einer in Dresden ansässigen böhmischen Familie stammten. Als Trau- und Taufzeugen sowie als Taufpaten wählten sie ebenfalls häufig Landsleute aus dem Kreis ihrer Orchesterkollegen. Die Dresdner Matrikeln bringen in diesem Sinne auch bisher unbekannte Angaben über Jan Dismas Zelenka. Tradierte Ansichten über seine Verbitterung und Vereinsamung am Dresdner Hof bestätigen die Matrikeln nicht völlig. Es gelang mir, eine Eintragung zu finden, in der Zelenka zusammen mit Pisendel als Zeuge bei der Trauung des Violinisten der Hofkapelle (vielleicht) böhmischer Herkunft Augustin Uhlick am 14.6.1734 angeführt wird. 6) Die Matrikeln relativieren den bisherigen Mythos von Zelenkas Vereinsamung noch auf andere