Ludwig Richter Aufsteigendes Gewitter am Schreckenstein Gemälde. 1835 an mein Malerherz genommen« 101 , heißt es in einem Brief an Wilhelm von Kügelgen. Die »böhmischen Dörfer« waren Richter zu einem Schatz geworden, der das ganze Leben lang seine Zinsen tragen sollte. In den darauffolgenden Jahren zog es ihn denn auch immer wieder hierher, um gemeinsam mit Freunden oder Schülern zu zeichnen. Mehr als zwanzig Böhmen-Reisen lassen sich konkret belegen, wobei damit noch lange nicht alle erfaßt sind. Die beliebtesten Wanderziele werden in den Lebenserinnerungen des Künstlers ausdrücklich benannt: »Zuweilen machte ich mit einigen Schülern kleine Ausflüge nach dem böhmischen Mittelgebirge. Das sehr malerische Bergstädtchen Graupen mit dem Wallfahrtsort Maria schein, das damals sehr stille Außig, Sebusein und mein abgelegenes, aber höchst romantisches Kamaik waren die Lieblingsorte, wo wir gern länger weilten und Studien sammelten.« 111 Die Textstelle bezieht sich auf die Zeit von Richters Tätigkeit als Zeichenlehrer an der Porzellan- Manufaktur in Meißen, und es ist anzunehmen, daß sich die genannten Böhmen-Ausflüge auf die gesamte Dauer seines dortigen Aufenthaltes (1828 bis Anfang 1836) verteilten. Dazu im Widerspruch steht die wenige Seiten zuvor getroffene Aussage, wonach er seit seiner Italien reise erstmals im September 1834 wieder nach Böhmen kam: »Ich entschloß mich also, durch das Elbtal nach dem böhmischen Mittelgebirge bei Teplitz zu gehen, wohin ich seit meiner italienischen Reise nicht wieder gekommen war.« 121 Richter behielt wohl vor allem diese Wan derung in besonderer Erinnerung, da sie für ihn und sein Schaffen eine so entscheidende Be deutung hatte. Andere, zeitlich davor liegende Ausflüge nach Böhmen, z.B. mit Schülern der Meißener Zeichenschule, könnten also durchaus stattgefunden haben 131 , nur waren sie dem Künstler zum Zeitpunkt der Niederschrift seiner Lebenserinnerungen nicht mehr in ausreichen dem Maße bewußt. Die im September 1834 entstandenen Zeichnungen blieben uns u.a. in zwei Skizzenbüchern erhalten. Während das eine überwiegend Figurenstudien enthält, gibt das andere 19,4 x 12 cm messende Bändchen unmittelbar Zeugnis für die einzelnen Stationen der Reise. Richter wanderte