93 Als Beispiel böhmisch-sächsischer Zusammenarbeit im Hochschulbereich sei die ein Modell projekt für die Sozialarbeit an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialarbeit in Dresden (EFHS) genannt. Von den Studierenden angeregt, wurde die Sozialarbeit in Tschechien in der Ausbildung zu einem Arbeitsschwerpunkt. Derzeit studieren an der Fachhochschule sechs Stu dentinnen und Studenten aus Tschechien, finanziert durch Spenden der Studenten und Lehr kräften der Fachhochschule. Gleichzeitig wird mit einem auf zwei Jahre befristeten Projekt der Aufbau der Sozialarbeit in Böhmen unterstützt, die sich u.a. der Straßenprostitution widmet. Aber welche 1 hemen man auch behandelt, wichtig ist vor allem, die gravierenden sozialen Probleme Nordböhmens werden nicht mehr als Gegenstand von »Entwicklungshilfe« aufge faßt, sondern als gemeinsame Problemstellung empfunden. Soziale Fragen, die aus dem Umbau der Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft und den damit entstehenden Problemen folgen, sowie die Verknüpfung der böhmischen und der sächsischen Wirtschaft waren 1993 Anlaß zur Gründung des Interregionalen Gewerkschaftsrates Elbe/Neiße, in dem die Nordböhmischen Gewerkschaften, der DGB Sachsen und die Solidarnosc Jelenia Gora Zusammenarbeiten. Das »Schwarze Dreieck« als das am stärksten ökologisch belastete Gebiet in Europa ist wegen der Lebensbedingungen der Menschen dort auch ein Thema für Gewerkschaften. Im Rahmen des Projektes »Arbeitnehmerorientierte Europapolitik im Dreiländereck Sachsen/Böhmen/ Niederschlesien und arbeitsmarktorientierte Regionalpolitik« wurden die ökologische Situa tion im Dreiländereck und daraus resultierende regionalpolitische und arbeitsmarktpolitische Konsequenzen beraten. Bilaterale Jugendseminare sind ein gangbarer Weg, um der Fremdenfeindlichkeit und dem Nationalismus zu begegnen. Zum 50. Jahrestag des Kriegsendes fand in Dresden eine Gewerk schaftskonferenz über »Zwangsarbeiter in Nazideutschland« statt, die durch die erstmalige Teilnahme ehemaliger tschechischer Zwangsarbeiter an einer Veranstaltung in Deutschland ihr besonderes Gewicht erhielt. In vielerlei Weise ist das Projekt Euroregion zwischen Böhmen und Sachsen noch am Anfang. Für alle Beteiligten ist es freilich ein ermutigender Beginn. Er braucht politischen Willen, Ge duld und das Engagement möglichst vieler Menschen dieseits und jenseits der Grenze.