29 DoctorTmkoloc n ls.Pöte n tlrs. El lct.-Va x Orthodoxie erbitterte Angriffe erfuhr. Aber bereits nach Geiers Tod wurde in Dresden ernstlich erwogen, Spener als seinen Nachfolger zu berufen. Geier - er war von 1665-1680 Oberhofprediger und verstarb wenige Wochen nach Johann Georg II., dem er noch die Leichenpredigt hielt - hat bereits pietistische Grundsätze ver treten, lange vor dem Entstehen des eigentlichen Pietismus. Er fußte dabei stark auf Johann Arndt (1555- 1621), dessen »wahres Christentum« (1610) einen Markstein auf dem Wege zu einer Reform der lutheri schen Kirche bezeichnete. Arndt fuß te stark auf der Mystik. Er strebte eine Verinnerlichung des Protestantis mus an und wandte sich gegen Ver äußerlichungen des Christentums. In gewisser Hinsicht wollte auch er Luthers Reformation weiter-, d.h. zu Ende führen. Dabei nutzte er Ideen Johannes Taulers (um 1300-1361), Ideen der von Luther 1516 und 1518 edierten »Theologia teutsch«, ebenso auch neueres naturphilosophisches Material. Er forderte eine lebendige Frömmigkeit und zeigte die Unzu länglichkeit der rein theoretischen theologischen Kenntnis auf. Gerade letzteres erboste die Universitätstheologen. Aber auch die heute allgemein durchgesetzte Forderung nach ver stärkter Seelsorge war in der protestantischen Orthodoxie ungewöhnlich. Schon Arndt mißfiel - und im Pietismus war dies geradezu ein Programmpunkt -, daß die Predigten in den Kirchen oft rein theoretische Abhandlungen waren, die das Herz der Hörer nicht erreichen wollten und konnten. Arndt wurde von führenden Kirchenkreisen vehement der Häresie geziehen. Es dürfte nachdenklich stimmen, daß gerade der Dresdner Oberhofprediger Arndts Forderungen bejahte, ja praktizierte. Die Bejahung wird erhellt aus der großen Anzahl von Erbauungs schriften Martin Geiers. Darin bekämpft er die äußerliche Kirchlichkeit, ebenso die gesell schaftlichen wie beruflichen Sünden der Zeit. So beklagt er in einer zu Meißen 1666 ge haltenen Landtagspredigt, daß überall im Lande so viel Unordnung eingerissen sei. Jeder A CO\'ÄlI.II5 ECCLESIASTICIS', CONFESSIOVIBIt«»’ . .SACRIS, LT CONCION IDU.S All UV IS PRIM V KI l,V .'fc/lu Cmu.T- .. .6nf,c,.. a-uwA,W I . Jy-. " CA*ft... Oberhotprediger Martin Geier (1614-1680), Kupferstich von Christian Römstedt nach Samuel Bottschild