46 Klengel erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen, soweit es die Dresdner Verhältnisse er laubten, und seine Arbeiten beherrschten in den beiden folgenden Jahrzehnten das Bild der höfischen Dresdner Architektur. In dieser Zeit erfolgten die schon genannten Baumaß nahmen am Schlosse, und das Jagdhaus Moritzburg erhielt 1661-72 eine Kapelle. Da von alledem außer dem Dresdner Schloßturm nur noch die Moritzburger Schloßkapelle existiert, muß zur Beurteilung des Klengelschen Schaffens unbedingt der zeichnerische Nachlaß herangezogen werden, der sich heute in der Württembergischen Landesbiblio thek befindet. 8 ' Gegenüber der gestalterischen Phantasie der Entwurfsskizzen überrascht die äußere Erscheinung der Bauten, die zumeist verhältnismäßig nüchtern und großformig gegliedert sind, wie es die Moritzburger Kapelle beispielhaft zeigt. Obwohl in Erwägung zu ziehen ist, daß die reiche Fassadendekoration, die Klengels Skizzen vielfach vorführen, nicht in jedem Falle plastisch ausgefuhrt zu werden brauchte, sondern auch illusionistisch aufgemalt sein konnte, scheint sie dem fürstlichen Bauherren in der Regel nicht erforder lich gewesen zu sein. Im Gegensatz zu der in der deutschen Renaissance häufig anzutref fenden dekorativen Vielteiligkeit, die an den Fassaden des Dresdner Residenzschlosses er neuert wurde, mochte eine auf Ornamentik verzichtende und nur sparsam gegliederte Fas sade als Ausdruck einer neuartigen Monumentalität empfunden worden sein. Daß diese Gestaltungsweise als künstlerisch aktuell und auch für eine fürstliche Architektur als an- Moritzburg, Schloßkapelle