Vorbild zurück, auf die städtebaulichen Maßnahmen Sixtus V. in Rom und insbesondere den eindrucksvollen nördlichen Stadteingang, die Piazza del Popolo. 1672 übernahm Klengel als Oberinspektor der Zivil- und Militärgebäude die Leitung des gesamten kurfürstlichen Bauwesens, wodurch sich auch sein Einfluß auf die Dresd ner Architektur verstärkte. Seit 1677 war ihm in seiner Eigenschaft als Oberinspektor jeder Bau in der Residenz anzuzeigen. Diese Festlegung hatte zunächst militärische Gründe. Dresden war eine der wichtigsten Festungen des Landes, und es war die Zeit zunehmenden osmanischen Drucks auf den Südosten des Reiches — sechs Jahre später standen die Truppen des Sultans vor Wien. Diese bauaufsichtliche Aufgabe schuf aber die Voraussetzung für eine gezielte Einflußnahme der obersten Baubehörde auf die städ tebauliche und architektonische Gestaltung der Residenz, die dann im 18. Jahrhundert unter August dem Starken und August III. konsequent genutzt in entscheidendem Maße das Zustandekommen des großartigen barocken Stadtbildes beförderte. Klengels Stellung hatte weiterhin zur Folge, daß seine gestalterische Auffassung grundlegend und dauer haft die künstlerische Haltung prägte, die vom kurfürstlichen Bauamt vertreten wurde, und damit auch die des späteren Zwingerarchitekten Matthäus Daniel Pöppelmanns, der 1680 achtzehnjährig in das Bauamt eintrat. Hier erhielt er, noch unter der Amtsfüh rung Klengels, der 1691 starb, seine Ausbildung zum Baumeister. Schließlich oblag Klen gel unter dem seit 1680 regierenden Kurfürsten Johann Georg III. die Unterweisung der Prinzen Johann Georg und Friedrich August in die Grundlagen der Architektur, so daß nicht nur die nächste Architektengeneration des Bauamtes, sondern auch ihr künftiger Bauherr durch Klengel und beeinflußt durch seine Gestaltungsweise in die Baukunst ein- gefuhrt worden waren - ein für die künstlerische Eigenart der Dresdner Barockarchitek tur zweifellos entscheidender Umstand. Klengels Aufrücken an die Spitze der kurfürstlichen Bauverwaltung bedeutete keinesfalls den Verzicht auf eine eigene Entwurfstätigkeit. Daneben wurden ihm von Johann Georg II. Aufgaben übertragen, die für den Kurfürsten offenbar besonders wichtig und bedeutsam waren. So hatte Klengel seit 1668 eine Reihe von Arbeiten zu leiten, die in einem auf schlußreichen Zusammenhang standen. Sie begannen mit der Innenrestaurierung der Meiß ner Fürstenkapelle, bei der Ausgrabungen die Gebeine des ersten wettinischen Kurfürsten, Friedrichs des Streitbaren, ermitteln sollten. 1 -' 1671-76 folgte die Instandsetzung des Meißner Schlosses, mit deren Abschluß es den Namen Albrechtsburg erhielt. 131 Parallel zu den Meißner Arbeiten, die 1677 mit der Stuckierung der Georgskapelle beendet wurden, waren 1676 die Grabstätten der Wettiner in Altzella aufgedeckt und dokumentiert wor den. Über ihren Gräbern an der Stelle des ehemaligen Sanktuariums der Klosterkirche soll te nach dem Entwurf Klengels ein Mausoleumsbau errichtet werden, der jedoch nach dem Tode Johann Georgs II. 1680 nicht weitergeführt und erst im späten 18. Jahrhundert fer tiggestellt wurde. Mit Entwürfen für eine kurfürstliche Grabkapelle hat sich Klengel wieder holt beschäftigt, auch schon vor seiner Berufung zum Oberlandbaumeister. 1658 scheint sich Johann Georg II. ernsthaft mit dem Gedanken an den Bau einer solchen Fürstenkapel le in seiner Residenz getragen zu haben, aber das Projekt kam nicht zur Ausführung. 11 ’