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56 Leben der Fürsten bezogen, der Fürst als Ideal gesehen, weise, gerecht und stark. Es ist nicht nur Demagogie, es sind auch Hoffnungen, die sich in den Werken der Hofmaler vergegenständlichen. Aus dem allerdings, was uns die Bilder von der Welt des 17. und des 18. Jahrhunderts zeigen, ein historisch ausgewogenes »Weltbild« zu machen, scheint unmöglich. Zu sehr ist Malerei in Dresden auf die Kurfürsten orientiert, zu wenig nimmt sie teil an den geistigen Auseinandersetzungen; und von den gesellschaftlichen und sozia len Problemen läßt sie kaum etwas ahnen. Die großen philosophischen und religiösen Bewegungen haben nur in sehr verwandelter Form einen Widerhall in den Werken der Maler gefunden. In die Kunstkammer der sächsischen Kurfürsten im Dresdner Residenzschloß gelangte am 24. Dezember 1659 »eine Tafel, darauf eine Landschaft, streitende Kriegsparteien und andere Gesichter untereinander gemalet, auf einem Brett, in einen achteckigen Rahmen gefasset, durch Kunst also zugerichtet, daß, wenn man durch ein absonderlich gemachtes Perspicill gegen dieses Bild siehet, dadurch S. Churf. Durchl. Contrafect allein sich präsentiret, soll ein Maler von Bautzen Namens Bischoff gemalt haben.« 31 Die so beschriebene Arbeit, von der sich außer der zitierten Eintragung im Zugangsverzeichnis der Kunstkammer keine wei teren Spuren nachweisen lassen, ist — gesehen mit den Augen der damaligen Zeit — mehr als nur ein optisches Kunststück, mehr als nur eine Augentäuschung; der Fürst erscheint, »durch ein absonderlich gemachtes Perspicill« betrachtet, als Verkörperung seines Staates, als Herr über Krieg und Frieden. In seiner Person spiegelt sich das Land, dessen Beherr scher er ist. - Die frühesten Darstellungen von Wettinern waren keine Gemälde, sondern Münzporträts und Grabskulpturen. In welchem Grade solche Werke wirklich Porträtähn lichkeit anstrebten, ist heute schwer zu entscheiden. Sie waren aber anschauliche, wenn auch ideale Bilder der jeweils bezeichneten Person. Sich ein Bild zu machen von den Ereig nissen und den handelnden Personen seiner eigenen Zeit genauso wie von solchen vergan gener Jahrhunderte, das ist ein verständliches, ja ein notwendiges Bedürfnis; notwendig für das Begreifen gegenwärtiger Vorgänge wie historischer Zusammenhänge. Nicht nur Histo rienbilder und Ereignisbilder, auch und ganz besonders die Bilder der Herrschenden bedür fen dieser kritischen Betrachtung. Denn sie sind in jedem Falle mehr als nur persönliche, das Andenken eines einzelnen aufbewahrende Werke. Beispiele für Reiterbildnisse gab es in Dresden seit dem 17. Jahrhundert. Johann Georg I. und Johann Georg II. haben solche Arbeiten in Auftrag gegeben. Johann Georg IV. ist so gemalt worden. August der Starke als König und August III. als Prinz wurden von Louis de Silvestre zu Pferde porträtiert. Bei der Betrachtung von Reiterbildnissen sächsischer Fürsten, nennen wir zuerst das Bildnis Kurfürst Johann Georgs I. von Anselmus van Hülle (1601 bis nach 1674), gemalt 1651. Der aus Gent stammende Künstler war 1647 im Auf trag des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien nach Münster in Westfalen gegangen, um beim Friedenskongreß Bildnisse der Delegierten zu malen. Später soll er in kaiserliche Dienste getreten sein, doch scheint sicher, daß er um 1651 in Dresden tätig war, wo er als Porträtmaler Beschäftigung fand. Sein großes Reiterbildnis Johann Georgs I., früher im Dresdner Residenzschloß, heute in den Depots der Gemäldegalerie Alte Meister,