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66 keiner konsequenten Systematik, setzte aber Akzente und verlieh jedem Raum einen inhaltlichen Schwerpunkt. Diese Art der Präsentation muß die Zeitgenossen überzeugt haben, denn Weck lobt ausdrücklich die »Disposition und gute Ordnung«. 19 ’ Das Vorgemach, dekoriert mit Fürstenporträts »meistentheils in gantzem Stande«, ist »darzu gewiedmet/daß die Frembden/so diesen Ort zu sehen kommen/darinnen abtreten/ auch zu solcher Zeit und sonsten die Kunst-Cämmerer ihren Aufenthalt daselbst nehmen können«; es dient also zugleich als Empfangs- und Dienstzimmer. Im ersten Zimmer dominieren »Mechanische Werck-Zeuge«, darunter vor allem jene, wie Beutel hervorhebt, die »der Fundator selbst mit seiner eigenen Hand gebraucht hat«. Der Raum ist also vornehmlich dem Gedächtnis des Kurfürsten August gewidmet. Darüber hinaus betont Weck, »daß/weil der höchstlöbliche Churfürst zu Sachsen/etc. Herr Augustus, Christmilden Andenckens/als ein Kunstliebhabender: auch in Mechani- cis und Mathematicis wohlerfahrener Potentat und Herr/gleichsam dieses wichtigsten Wercks Fundator und Urheber gewesen/Sr. Churfürstl. Gn. Contrefait/auf unterschiede ne Arten/zu mehrern Andencken/in allen Gemächern der Kunst-Cammer zu befinden ist«. Das zweite Zimmer enthält in vier Repositorien »Edelgestein Geschirr/die seynd aus Cry- stall/Topaß/und Achat/ mit Golde beschlagen«, ferner die berühmte Kristallkugel, »viel silberne/vergüldete Becher/mit Corall gezieret«, »Muschel- und Perl-Mutter Geschirre in Silber/ Gold und Edelgestein gefaßet«, »Straussen Eyer/und Indianische Nuß Schalen Ge schirre« - überwiegend Werke, die später zum Grundstock des Grünen Gewölbes gehö ren werden. Im dritten Zimmer finden sich auf vier Tafeln und ebenso vielen Tischen »schöne Behält- nüße/so zu Apothecken/Schreibe-Tischen und Nehe-Kästgen/auch Kleinodien zu verwah ren/dienlich ...«, auch sie zum Teil im Grünen Gewölbe erhalten. Im vierten Zimmer dominieren »Mathematische Kunst-Sachen«, also Instrumente verschie dener Art, auch Musikinstrumente. Das fünfte Zimmer enthält »Fünff Taffeln und Drey Tische voll trefflicher schöner Kunst-Stücken«: Miniaturen, »Federwercke«, kostbare Brettspiele, vor allem aber Prunk- spiegel. Hier hängt auch das Einhorn »von der Decke herunter in einer güldenen großen Glieder-Ketten«; noch Weck schwört auf seine Heilkraft. Das sechste Zimmer hat den Charakter eines Naturalienkabinetts; es vereinigt »mancher- ley naturalia, antiquitäten und raritäten«: Stufen und Handsteine, »indianisches« Gerät, »auch in Italien/Deutschland und diesem Lande (sc. Sachsen) gefundene irdene und Glä serne Urnen/darinnen noch der verstorbenen alten Römer oder Wenden ihre Cineres lie gen«, ferner Tier- und Pflanzenpräparate. Der siebente Raum schließlich, der große Saal an der Nordecke des Westflügels, enthält wieder Artificialia, und zwar »Bilder aus Stein/ Metall und anderen Materien/auch ge drechselte und bewegliche Kunst-Sachen und Uhrwercke«. Hier steht die umfangreiche Sammlung von geschnitzten und gedrechselten Elfenbeinen, hier stehen die Bronzen des Giambologna und des Adriaen de Vries, die Kaiserbüsten des Carlo di Cesare, aber auch