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75 1651 noch recht freundlich über Bontempi 24) , machte aber 1653 seiner Empörung darüber Luft, daß ihm zugemutet wurde, abwechselnd mit diesem »als einem 3 mahl jüngern als ich, undt hierüber castrirten menschen ...« 25) die sonntägliche Gottesdienstmusik zu dirigie ren. Noch energischer verwahrte er sich gegen die am Hofe kursierende Unterstellung, er sei der Initiator der Italiener-Anwerbung gewesen, in einem Brief an den Kurprinzen vom 23. August 1653, zwei Tage nach dem vorgenannten Schreiben: »Euer Churprintzlichen Durchlaucht kan ich keinen umbgang haben [d.h. ich kann es nicht umgehen] mit gegen wertigen meinem unterthänigsten Memorial klagende zu berichten, was maßen [d.h. in wel chem Maße] ich täglich in mehr undt mehr erfahrung komme, wie das (wegen Euer Durch laucht aus Italia anhero beschriebenen [d. h. angeworbenen] undt in die Churfürstliche Hoff Capell eingeführten Musicanten) von allerhandt Geistlichen undt weltlichen Persoh- nen nicht alleine unterschiedliche widerwärtige Urtheil gefallen, sondern ich darneben inson derheit mit meiner grösten befrembdung vernemen muß, das für den Uhrheber undt Rath geber zu dieser Neurung ich gehalten undt beredet [d.h. bezichtigt] werden will, wordurch ich mich dann leider albereit in vieler fürnemer [d.h. vornehmer] Leute (denen solche frembde Nationen vieleicht dergestalt nicht beliebig [d.h. beliebt] bößen concept [d.h. böse Grundeinstellung] undt heimblichen Haß vermercket habe ...« Schütz spielt im weiteren Text zwar auf die »Urheber solcher sache« an, »welche mir durch Euer Durchlaucht hieraus vertraulich communiciret [d.h. mitgeteilt], undt hernacher gedachte [d.h. erwähnte] Musi canten aus Italia abgeholet haben« - künstlerisch Gleichgesinnte hat der Kurprinz dem nach am Hof durchaus gehabt -, aber letztlich meint er mit seinem Brief Johann Georg II. selbst, der den »neuen gusto« in der Dresdner Hofmusik mit Energie einführte. »Im übri gen so betheuere ich mit Gott, das mir an meinem Orte [d.h. meinerseits] solch von Euer Hochfürstlichen Durchlaucht neu angerichtetes Italianische Directorium Musicum (ob es gleich mir undt den ändern Teutschen allhier mehr zur Verkleinerung alß erhöhung unse rer qualiteten gereichet) niemahls zuwider gewesen ist ...« 26) ln diesem hier relativ ausführlich zitierten Schreiben wird deutlich, daß Stilwandel Hand in Hand geht mit Personalwechsel, mit der Stafettenübergabe an andere und/oder jüngere, und in diesem Falle besonders gravierend, italienische Musiker. Außer den organisatori schen und Fragen des persönlichen Renommees ging es letztlich um musikalische Fragen, um die künstlerische Konfession Schützens, der schon 1648 sich zu einer sowohl komposi torischen wie verbalen Grundsatzerklärung aufgeschwungen hatte, die in erster Linie vor dem Hintergrund des »neuitalienischen« Barockmusizierens zu begreifen ist, das funda mental anderen ästhetischen Leitlinien folgte als das ehrwürdige kontrapunktisch-polypho ne Denken und Komponieren der Renaissance. Es ist die berühmte Sammlung »Musicalia ad chorum sacrum, das ist: Geistliche Chor-Music«, Dresden 1648, in der er diesen alten Stil als den eigentlich künstlerisch ernst zu nehmenden in 29 Motetten exemplifiziert und in der Vorrede dazu seinen Spott ausgießt - soweit dies dem zurückhaltenden und fein sinnigen Schütz überhaupt möglich war - über diejenige Musik, »die dem alten gelehr ten Ars-Begriff nicht entspricht, mochte sie auch »nicht gelehrten recht Ohren/gleichsam als eine Himmlische Harmoni fürkommen<.« 271