Volltext Seite (XML)
78 gottesdienst unter Johann Georg II. versorgte neben anderen auch Christoph Bernhard mit Kompositionen - wohl gleichfalls ein Carissimi-Schüler in Rom der nach einem zehnjährigen Hamburger Zwischenspiel 1674 an den Dresdner Hof zurückkehrte und schließlich zum Ersten Kapellmeister aufstieg. 36 ’ Die reiche Dresdner Musikpflege am Hofe Johann Georgs II., über die wir relativ große Detailkenntmsse und von der wir nicht wenige erhalten gebliebene Noten besitzen, für die aber Schützens Name und Werk nahezu nicht mehr stehen, verdankte ihre Prägung als zeitentsprechender Barockkunst in erster Linie dem regierenden Kurfürsten selbst. Ihm als offenkundig künstlerisch sensiblen Menschen haftet bis heute in ähnlich unzutreffen der Weise wie seinem Urenkel August III. der Makel an, »unbedeutend« gewesen zu sein. (Die altere moralisierende Geschichtsschreibung kreidete ihm Verschwendungssucht an, ohne zu begreifen, in welchem Maße Kunstaufwand im Barock unausweichlich war.) Poli tisch mag dies zutreffen: »Als eine wenig markante Persönlichkeit hat Johann Georg II. in der sächsischen Geschichte keine tieferen Spuren hinterlassen.« 37 ’ Für den Bereich der Künste gilt es aber nicht! Anmerkungen 11 Grundlegend noch immer, wenn auch in hohem Grade revisionsbedürftig: Moritz Fürstenau, Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe zu Dresden, 1. Theil, Johann Georg II., Johann Georg III. und Johann Georg IV., Dresden 1861 (Neudruck Leipzig 1971); Wolfram Steude/Ortrun Landmann/Dieter Hartwig, Artikel >Dresden< in: The New Grove Dictionary of Music and Musici- ans, London 1980; dieselben, Musikgeschichte Dresdens in Umrissen, Dresden 1978 (= Studien und Materialien zur Musikgeschichte Dresdens, Heft 1) 21 Lit. zu Schütz vgl. Joshua Rifkin/Colin Timms, Heinrich Schütz, in: North European Baroque Ma sters (The New Grove) London 1985, S. 1-150; ferner Schütz-Jahrbuch, hrsg. v. Werner Breig, Kas sel 1979fF. 31 Vgl. die Zusammenstellung von Florenz-Dresdner Hof- und Musikbeziehungen zwischen 1598 und 1628, in: Wolfram Steude, Heinrich Schütz und das Problem der deutschen Oper im 17. Jahrhun dert (in Vorher.) 4) Fürstenau, S. 6; Helen Watanabe-O’Kelly, Joseph und seine Brüder: Johann Georg II. und seine Fe ste zwischen 1660 und 1679, in: Dresdner Hefte, 8. Jg., Heft 1990 (= Beiträge zur Kulturgeschichte 21), S. 30, u.a. 5) Fürstenau, S. 6f.; Sachs. Landesbibi. Dresden, Mus. 1721-E-l 6) Hausmarschall Georg Pflugk 71 Stockwerk 8) Viermal »Fürstlicher Gnaden« 91 Hauslehrer und Erzieher war Vollrad von Watz dorf, gest. 1641; er wird in Schützens Vorrede zu den »Symphoniae sacrae« (vgl. Anm. 12) er wähnt l0) Federzeichnungen O. Doering (Hrsg.), Des Augsburger Patriciers Phi lipp Hainhofer Reisen nach Innsbruck und Dres den, Wien 1901 (= Quellenschriften für Kunstge schichte und Kunsttechnik des Mittelalters und der Neuzeit, Neue Folge, X. Band), S. 230