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81 mischer Bildungsgang mitgab und über die der Poet des 17. Jahrhunderts zu verfügen hatte, wie in jeder Poetik nachzulesen war. 21 Ihre Ingenien förderten Fürstenschüler zu Meißen, unter ihnen der spätere Hofprediger Johann Ernst Herzog, der zudem mit Christian Weise, dem Zittauer Dichter und Pädagogen, bekannt war und eine verzweigte Korrespondenz pflegte: »Nicht minder hat er sich auch daselbst der Teutschen Poesi eyfrigst beflissen, und zu dem Ende, mit etlichen seinen guten Freunden, eine Societät aufgerichtet, die ein ander wöchentlich Verse zugeschicket, und zwar unter gewissen verdeckten Nahmen, da denn unser Herr M. Hertzog den Nahmen des beredten Hilarionis geführet.« 31 In Herzogs Lebensweg bestätigt sich Weises Konzept, das sich in seinen theoretischen Darlegungen fin det - »Nam Poesis praecipuum Oratoriae adminiculum est.« 4 ’ - und schließlich in der scheinbar ganz neuen, poesiefeindlichen These von der Poesie als einer »Dienerin der Bered samkeit« 5 ’ gipfelt. Diese Weisesche Auffassung ist historisch-konkreten, notwendigen Wir kungen verpflichtet; den unmittelbaren Kontakt zur »klugen Welt« sollten seine Schüler »nicht als Poeten/ sondern als polite Redner« 6 ’ finden. So deutlich wurden Poesie und Beredsamkeit (loquentia) bzw. Wohlredenheit (eloquen- tia) selten geschieden; indessen galt es dichtungstheoretisch als verbindlich, daß Poesie und Poet einen höheren Rang besaßen: »Obwohl der Redner fast alle Zierlichkeit des Poeten gebraucht/ so ist doch seine Kunst gegen jenen zu achten/ als das Gehen gegen dem Dantzen.« 7 ’ Diese scheinbar nur begriffliche Differenzierung hat einen wirkungs strategischen Untergrund; sie erklärt sich aus dem Ziel des (Wohl-)Redens. Orator, Phi losoph und Historiker sprechen »also zu sagen/vulgaris .../da hingegen der Poet aus streicht/ sich in die Höhe schwingt/ die gemeine Art zu reden unter sich trit/ und alles höher/ kühner/ verblümter und frölicher setzt/ daß was er vorbringt neu/ ungewohnt/ mit einer sonderbahren Majestät vermischt/ und mehr einem Göttlichen Ausspruch oder Orakel ... als einer Menschen-Stimme gleich scheine« 8 ’ - und das alles, weil er »das Gemüth des Lesers bewegen/ und in demselben eine Lust und Verwunderung ob den Sachen/davon er handelt/erwecken möge«. 9 ’ So der in Dresden geborene Wittenberger Poesieprofessor August Büchner. Beinahe jeder der mit diesen Theoremen vertrauten Poeten hatte ein höfisches oder städ tisches Amt inne; Dichten blieb »Nebenwerck«, Freundschaftsdienst, Übung eines erfreu lichen Vermögens. Barocke Titelblätter, mindestens aber Dedikationen, Zuschriften oder Vorberichte an den Leser benannten berufliche, soziale, künstlerische und intentionale Positionen des Autors. Erkennbar wird eines, zumal in den auch in Dresden in großer Zahl kursierenden Gelegenheitsgedichten, den sogenannten Casualcarmina, sei es in repräsenta tiven Gedichtsammlungen, als exklusive Einzeldrucke oder als ebenso aufdringliche wie kalligraphisch eindrucksvolle Unikate: Sprachbewußt und gestaltungswillig betrieben die meisten Autoren ihr dichterisches Handwerk, und wo es an der Fähigkeit gebrach, trag fähige Inventionen aufzubauen, blieb immer noch das argumentativ gesicherte Feld der exzessiven Ausschmückung (exornatio). Zudem animierten Dichtungshilfen (Aerarien, Florilegien, Schatzkammern, »Vorräthe«) den praktischen Zugriff auf Gelegenheit und Wort, auf Topos und Emblem.