86 Eh wir erwimmert dich! Kom heil' uns unsre Wunde Wormit wir allerseits so sehr geschlagen wahren: Ein ieder lasse nichts an seiner Crafft erspahren Zu loben unsem GOTT von Hertzens Grund und Munde! Denn heut erscheint der Tag/den wüntzschen alle Lande! GOTT gebe Fried und Glück und Heyl zu allem Stande! Das Fürst und Frau und Printz/und Stam und Land und Leute Nach jener ThränenNacht erleben künffiigs Lachen! Das heljfuns unser GOTT/der alles wohl kan machen/ Bestärcken an der Zeit/daß Sie stets sey wie heute!« [1650] Auf vorgezeichneten und vielfach begangenen Bahnen bewegte sich Johann Josef Bekkh, als er 1667 bei Christian Bergen seine »Elbianische Florabella Oder Liebes-Begäbnüße/ Nach Arth einer Schäfferey« herausgab, einen in jeder Hinsicht (Figuren bzw. Typen, Orte, Konflikte, Struktur, Sprache) traditionellen Schäferroman. 17 » Gewidmet war er den »Tugendbegabten Dreßdnischen Huldinnen/Oder Dem sämptlichen Hoch- und Löbli chen Frauenzimmer Daselbst«; somit schien es geraten, die ohnehin bescheidene erotische sis wenigstens verbal herunterzuspielen. Der Text beginnt so: »Der Erste Theil. Der Erste Verlauff. DJe Feuer-flammende Blikke/welche von dem grossen Welt-Auge hervor strahleten/begunten sich nunmehro in die Höhe zu richten/nachdeme Sie zuvor die stürmischen Winde mit trü bem Gewulke als in die Traur gekleidet/und das güldene Haar der frühen Morgenröth war,d wieder etwas freundlicher und frecher auf die Gipfel der Berege geleget/so daß der uberbliebene Schnee nach und nach vergienge/und zu Wasser ward... Die Erde ward ihrer Bürde/welche sie den Winter über getragen/nun gantz entbunden/und gebahr die liebliche Blum Gottin Flora zur Welt/Diese umbhienge sich mit Narcißen/Hyacinthen/Nelken/ Roosen/ Tulipanen/Lilgen und s. f. welche dann eine überaus liebliche Ergötzligkeit verur sachten/... * 6 Jn solcher Zeit nun begab sich einsmahls der Schäfer Amandus (deßen Vaterland und Her kommen ich bilhch übergehe/genung daß Er von verständigen und vornehmen Eltern ent sprossen) hinaus auf das Gefilde/und triebe seine Schaafe auffeine Kleereiche Wiese/Er aber geng in ein nechst dabey gelegenes Wäldgen/mit niemand anders dann mit seinen eige nen Gedanken begleitet/in willens alda sein Gemüthe zu erfrischen/worzu es dann nicht viel Sorgens bedürfe/ alles kam so nett überein/daß es schiene der anmuthigste Orth in gantz Arcadien hätte sich anhero geleget/umb nur diesem Schäfer und seinem Verlangen einiges Vergnügen zu thun ...« Wie im Titel versprochen (natürlich, höflich, lieblich, nützlich, zierlich), tut sich den Figu ren ein maßvolles, bürgerlich strukturiertes Dasein auf, das letztlich nicht zu erschüt tern ist und das gerade dadurch dem Leser »zu sonderbahren Gefallen« gereichen konnte. Verläßliche Zeugnisse über den tatsächlichen Umgang mit Texten wie Gottfried Heinrich Zenckers »Vermischte Collectaneen« ,8 > sind außerordentlich selten. Zwischen 1690 und