87 HRIS rrfuniushautu 'erneu 1697 hat der Sohn eines Dresdner Schiffhandelsherrn Ereignisse seines bürgerlichen Lebens verzeichnet - Alltägliches ebenso wie Außerge wöhnliches soziale Beobachtungen notiert, Hunderte von Gelegenheits gedichten auf allerlei Begebenheiten auch außerhalb seines unmittelbaren Erlebens festgehalten und so eine bisher kaum beachtete Quelle hinter lassen. Sicher ist die schriftliche Fi xierung mancher Texte dem Chroni steneifer oder der Curiositätenneu- gier Zenckers zu verdanken; aber wenn auch Wintersnöte oder sozial benachteiligte Menschen und ihre Lebensbedingungen in sein Blickfeld gerieten (»Die alte Bothin zu Ehren berg«, der »Büttel Zu Jöstadt«), so spricht das für das soziale Gewissen des Bürgersohnes. Reisen, und sei es nur nach Zschopau, oder der Reise antritt, als 1691 eine Schwester »auf die Nähte verschicket ward«, 191 wa ren Höhepunkte im Familienleben und daher bevorzugte Anlässe für Gelegenheitsdichtungen. Gedruckte Christian Brehme, Kupferstich 1659 unc J j m Bekanntenkreis und unter Freunden verteilte Hochzeits- und Kondolenzgedichte waren auch in bürgerlichen Familien der Stadt verbreitet und machten die zunächst ganz privaten Höhepunkte bürgerlichen Stadtlebens in gewisser Weise öffent lich. Im 1695 ins Leben gerufenen »Hoch-Preißlichen Leopolden-Orden«, im Grunde einer spä ten Sprachgesellschaft, 201 sah Johann Caspar JungMichel eine Möglichkeit, die »Teutsche Mutter- und HeldenSprache/je mehr und mehr emporzubringen«. 20 Obwohl die Grün dungsurkunde zwölf Regeln (VI. bis X. akzentuieren den sprachpflegerischen Aspekt) und zehn emblematische Ordenszeichen fixierte, scheint das gesamte - gescheiterte? - Projekt nicht mehr als ein freilich lobenswertes Programm gewesen zu sein. Mitglieder, Sitzungen, Protokolle oder Publikationen sind (bisher zumindest) nicht bekannt. Abschließend sollen einige zwar konstitutive, jedoch meist unbeobachtet ablaufende und deshalb im geschichtlichen Bewußtsein viel zu schnell verblassende Prozesse des literari-