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58 hat Mauersberger auch in späteren Jahren in Einzelbeispielen festgehalten, so im Weihnachts oratorium mit der Engelsverkündigung und im Duett „Herr, dein Mitleid“, in welchem er die Sopranpartie von zwei Sopransolisten singen ließ. Ein weiteres Beispiel war die Sopranarie „Mein gläubiges Herze“ aus der Pfingstkantate „Also hat Gott die Welt geliebt“ BWW 68. Daß Wiedergaben mit historischem Aufführungsapparat nur eine unter mehreren Möglich keiten darstellten, drückte sich aus in der Verwendung des modernen Orchesters für die Werke Bachs. Ein Ensemble mit historischen Instrumenten stand Mauersberger zum einen nicht zur Verfügung, zum anderen hätte eine solche Arbeit eine Spezialisierung bedeutet, die nicht ohne Folgen auf das weitgefächerte Repertoire und Aufgabenfeld Mauersbergers geblie ben wäre. Verschiedene Überlegungen fließen in die Schütz-Pflege Mauersbergers ein. Generell verzich tet Mauersberger auf den Einsatz von Frauenstimmen, ohne über Männerstimmen als Diskan- tisten und Altisten zu verfügen. Dies wäre mit der alten Cantorey- und Kurrendepraxis, die zur Schütz-Zeit ernstlich in Gefahr war, nicht zu begründen, dient aber dem einheitlichen Klangbild. Quantitativ dominiert in der Schütz-Pflege Mauersbergers der A-cappella-Anteil, was auch den praktischen Erfordernissen eines Reisechores, der der Kreuzchor auch war, geschuldet ist. Die Wiederbelebung historischer Besetzungsvielfalt erreichte Mauersberger vor allem bei den in den 50er und 60er Jahren zunehmenden Aufführungen von mehrchörigen Werken, in denen er in der auch räumlichen Gegenüberstellung von Favorit- und Capellchö- ren große Wirkungen erzielte. Meist waren die Favoritstimmen doppelt und dreifach besetzt. Mauersberger fügte aber die Knabenstimmen jeweils so zusammen, daß eine solistische Wir kung entstand. Die Aufführung von Werken mit instrumentalem Anteil konzentrierte sich im wesentlichen auf die jährlichen Heinrich-Schütz-Tage, für die die großen Psalm-Vertonungen und Konzerte erarbeitet wurden. Vom Continuo abgesehen fanden zunächst moderne Instru mente, mit Mitgliedern der Staatskapelle und der Philharmonie Dresden, Verwendung. Rela tiv spät, im Jahr 1967, setzt die Zusammenarbeit mit der Capella fidicinia Leipzig und deren Leiter, Dr. Hans Grüß, ein. Die auf drei Schallplatten dokumentierte Zusammenarbeit - es handelt sich um Aufnahmen von Konzerten aus den „Symphoniae sacrae“ und von verschie denen mehrchörigen Konzerten - erreichte in der Besetzung und aufführungspraktischen Ein richtung durch Hans Grüß für die damalige Zeit optimale Ergebnisse. Rudolf Mauersbergers ausgesprochene Freude am Experimentieren mit Besetzungen führte zur Belebung des Klangbildes, das zum Erkennungs- und Markenzeichen seiner Kunst wurde. Jede Erinnerung an Kreuzchorkonzerte unter Rudolf Mauersberger verbindet sich besonders stark mit klanglichen Eindrücken. Seine oft geäußerte und vielzitierte Bemerkung, daß Musik in erster Linie klingen müsse, verrät ein künstlerisches Credo und verschiedene gerade im vokalen Bereich hin und wieder vernachlässigte Einsichten. Klangliche Eigenwerte sind ein wichtiges Mittel der Identifikation mit dem Musikerlebnis und sind eine Voraussetzung der sinnlich-ästhetischen Wahrnehmung von Musik. Mauersberger hat dem Eigenwert des Chor klangs als Ganzem und der Einzelstimme größte Bedeutung beigemessen und als wichtigsten Ausdruckswert genutzt. Was Mauersberger an Subjektivität und gestalterischem Ausdruck nicht erreichte und auch nicht anstrebte, hat er durch ganz und gar nicht unsinnliche Klang wirkungen annähernd ausgeglichen. Klangwirkungen und -kombinationen, klangliche Arbeit, die immer über der mit dem Wort stand und zuweilen in eine gewisse Klangverliebt heit mündete, hat Mauersberger als Mittel der Variation eingesetzt. Insofern ist auch hier der Vergleich mit der Orgel treffend: Nicht die Agogik des Orgelspiels, sondern die Wahl der Register sind für ihn entscheidend. Deutlich wird dies beispielsweise bei der Gesamtaufnahme