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HEche und Sächsische UngelegenheiLen. — Aus dem obern Vogtland«, 30. Sept. In hiesiger Gegend haben die Wilddiebe von jeher arg gehaust, denn unsere Waldungen bergen genug Wild und bieten leider auch den Wil derern gute Schlupfwinkel, in denen sie ihre Schlingen legen können. Gestern wurde auf dem Landwüster Revier wieder ein in einer S.chlinge gefangenes Reh aufgesunden, das am ganzen Körper von den Raubthieren benagt und nur noch am Kopfe unverletzt war. Diese Art der Wilddieberei ist wohl die ärgste Thierquälerei, welche man sich denken kann. — Reichenbach, 2. Octbr. Während eines ziemlich heftigen Gewitterregens entwickelte sich am gestrigen Nachmittag bei ca. 8 Grad R. Wärme in der Dauer einiger Minuten ein lustiges Schneegestöber, das erste in dem bevorstehenden Winter. — Kirchberg, 2. Oktober. Auf das in vergangener Zeit in unserer Stadt circulirende Liedchen „Karl's Scheide-Gruß" ließ ein hiesiger Komiker folgende drollige Entgegnung, unter dem Titel „Antwort auf Karl's Gruß, welche hier große Heiterkeit erregte, vom Stapel. Hat ihn schon! Einen Gruß hat noch gesandt Unser Karl, eh' er verschwand, Drückt sich dann in aller Ruh', Reiste fremden Landen zu; Doch es ist die Polizei Schnell in solchem Fall dabei, Fahndet nach so'nen Kujon: Trätteretä! Bums, hat ihn schon. An dem schönen Donaustrand Faßte plötzlich bei der Hand Ihn ein böser Polizist: I glaub, dös der Karl du bist! Kirchberg kannst du halt belüg'n, Doch mi kannst du nit betrüg'»; Komm und geh' mit mir, mein Sohn: Trätteretä! Bums, hat ihn schon. Hast gedankt für das Vertrau'», Möchtest die Gesichter schau'», Die man hier im Städtchen schnitt, Nachdem du nahmst die Kasse mit. Nun wir sahen dich auch gern, Als dich führetcn die Herr» Polizisten flugs davon: Trätteretä! Bums, hat ihn schon. Man schenkt jetzt statt Vier und Wein Dir das klare Wasser ein, Und du kau'st in stiller Ruh' Trock'nes Roggenbrot dazu. Siehst du, Kärlchen, so ift's recht; Warum warst du auch so schlecht? Dir wird jetzt verdienter Lohn: Trätteretä! Bums, hat ihn schon. — Ueber das Vermögen des früheren Stadtkassirers Kühnert in Kirchberg ist der Concursprozeß eröffnet und Herr Rechtsan walt Dr. Chilian in Zwickau zum Concursverwalter ernannt worden. — Falkenstein, 30. Sept. In der vergangenen Nacht ist unser Nachbarort Werda wiederum von einem größeren Brand unglück betroffen worden. Jedenfalls in Folge böswilliger Brand stiftung entstand das Feuer in der Pfarre gehörenden Scheune, die mit ihren reichen nnd mannichfaltigen Erntevorräthen in kurzer Zeit eine mächtige Feuergarbe bildete und deren Gluth so rasch das Pfarrhaus mit ergriff, daß an ein Netten nicht zu denken war. Die hochbetagten würdigen Pfarrersleute konnten nur das Leben retten, Hab und Gut fiel den Flammen zum Opfer. Wenn diesel ben nun auch versichert haben und so materiellen Schaden nicht er leiden, so werden doch verschiedene ärmere Bewohner Werda's hart betroffen, da dieselben sowohl Erntevorräthe als landwirthschaftliche Gerüche mancher Art im Psarrgut stehen hatten, welche sämmtlich mit verbrannten, aber nicht versichert sind. — In Werda brannte am 1. Oktober Nachts das Ficker'sche Bauerngehöft nieder, nachdem in der Nacht vorher die Pfarre ein geäschert worden. Man vermuthet Brandstiftung, da seit 14 Tagen dies da« vierte Schadenfeuer im Dorfe Werda gewesen. Kundschau. Deutsche« Reich. Endlich ist nun die officielle Vekannt- gebung de« Termin« für die preußischen Landtagswahlen erfolgt, welche die schon früher gebrachte Nachricht, daß die Urwahlen am 29. Oktober, die der Abgeordneten selbst am 6. November vor sich gehen sollen, bestätigt. Es liegen also wenig mehr als drei Wochen »wischen heute und dem Tage der Urwahlen, welche die eigentliche Entscheidung geben und dieser knappbemessene Zwischenraum wird von den Parteien nach besten Kräften ausgenützt werden müssen. Wa« den Ausgang der Landtagswahlcampagne anbelangt, so dürften hiervon keine einschneidenden Veränderungen in dem bisherigen Be sitzstände der einzelnen Parteien im preußischen Abgeordnetenhause zu erwarten sein. Wenngleich das Centrum keine große Aussicht hat, seinen Besitzstand zu vermehren, so ist doch anderseits sein bis heriger Besitzstand ein so fester, daß nur äußerst wenige Mandate der Centrumspartei als zweifelhafte zu betrachten sind. Auch die conservative Partei kann den Wahlen mit ziemlicher Ruhe entgegen sehen, denn sie hätte für eine Anzahl von Wahlkreisen nur dann zu fürchten, wenn sich die Deutschfreisinnigen und die Nationalliberalen verbunden hätten. Letzteres ist aber nur in vereinzelten Wahlkreisen geschehen, meist operiren beide liberale Parteien für sich gesondert, ja, in Schleswig stehen sie sich entschieden gegenüber, da hier Na- ttomrlliberale und Conservative zusammengehen. Die Polen werden möglicherweise einen oder zwei Wahlkräse verlieren. Im Allge meinen dürfte der Ausgang der Wahlen die Behauptung bekräftigen, daß sie im Abgeordnetenhause eine kleine Verstärkung des conservativen Elements auf Kosten des liberalen bringen werden. Den Untergang der Kreuzercorvette „Augusta" mit ihrer ge jammten Besatzuug muß man nunmehr als eine leider feststehende Thatsache betrachten. Eine officielle Bekanntmachung im „Reichs anzeiger", welche vom Chef der Admiralität ausgeht, macht auch den letzten Hoffnungen, daß die „Augusta" noch existiren könne, ein entschiedenes Ende. Alle Nachfragen nach dem Schiffe, die von der Neichsregierung angestellt worden sind, haben sich als vergeblich er wiesen, auch die Erwartung, die „Augusta" werde auf irgend einer Insel des stillen oder des indischen Oceans etwaige Beschädigungen ausbefsern, hat sich nicht erfüllt. Endlich ist sie auch nicht in Albanp in Australien, wohin die Corvette die Ersatzmannschasten für die australische Station bringen sollte, eingetroffen, obwohl vier volle Monate vergangen sind, seit das Schiff Perim am Rothen Meere verlassen hat und in dieser Zeit hätte seine Ankunft in Albany be stimmt erfolgen müssen, selbst wenn das Schiff nur auf seine Segel angewiesen gewesen wäre. Man muß also mit Gewißheit aunehmen, daß die „Augusta" dem furchtbaren Cyclone, welcher in der Nacht vom 1. zum 2. Juni im Golf von Aden wüthete, zum Opfer ge fallen ist. Mit ihr ruhen die 223 braven Männer, welche die Be satzung des Schiffes bildeten, auf dem Grunde des Meeres und es bleibt dem Vaterlande nur die Ehrenpflicht übrig, für die Hinter bliebenen der in ihrem Berufe verunglückten Seeleute zu sorgen. Es ist anzunehmen, daß den: Reichstage in seiner nächsten Session eine bezügliche Vorlage zugehen wird, aber immerhin ist zu wünschen, daß die Regierung in diesem Liebeswerke von der privaten Mild- thätigkeit unterstützt wird. Mit Genugthuung kann die Mittheilung verzeichnet werden, daß sich in Berlin unter dem Vorsitze des Ober bürgermeisters ein Comitee aus Reichstags-Abgeordneten, Fabrikanten, Kaufleuten und Bankiers gebildet hat, um einen Fonds zur Unter stützung der Hinterbliebenen der „Augusta" anzusammeln. In voriger Woche hat neben Herrn von Giers auch der ru mänische Ministerpräsident, Herr Bratianu, in Friedrichsruhe beim Fürsten Bismarck vorgesprochen. Hier traf Bratianu am Sonn abend ein, kehrte aber noch an demselben Tage über Wien nach Bukarest zurück. Der Besuch des rumänischen Staatsmannes in Friedrichsruhe hängt natürlich gleichfalls mit den ostrumelischen Er eignissen zusammen, doch dürfte er lediglich informatorischer Natur gewesen sein, gerade so wie der Besuch Bratianu's in Wien und wird der rumänische Ministerpräsident dort wie hier namentlich Ver sicherungen bezüglich der loyalen Haltung Serbiens überbracht haben. Dagegen wird die Unterredung des Reichskanzlers mit Herrn v. Giers von entscheidender Bedeutung für die Weiterentwickelung der diplomatischen Action auf der Balkanhalbinsel gewesen sein. Daß die Bulgaren von derselben nicht allzuviel zu hoffen haben, kann man aus dem Umstande schließen, daß die nach Kopenhagen zum Kaiser von Rußland entsandte bulgarische Specialmission di« dänischen Hauptstadt wieder verlassen hat, ohne vom Czaren em pfangen worden zu sein; immerhin ist es nicht unmöglich, daß die Ereignisse mit bestimmend auf die um den grünen Tisch in Con- stantinopel versammelten Diplomaten mit einwirken werden, zumal da die Rüstungen in Griechenland und Serbien ihren ungestörten Fortgang nehmen. Die in Griechenland herrschende Erregung hat sich auch nach der Insel Kreta, wo viele Griechen wohnen, ver pflanzt und laut fordert man daselbst die Vereinigung der Insel mit Griechenland, falls es gestattet werde, daß Bulgarien und Ost-Ru- melien zusammen bleiben. Von den Serben befürchtet man jeden Tag den Vormarsch auf türkisches Gebiet, nach Altserbien, da fast die ganze serbische Armee in und um Nisch (Nissa) concentrirt ist. Am Freitag Vormittag hat in Nisch die feierliche Eröffnung der Skupschtina mittels einer Thronrede stattgefunden. Dieselbe besagt ungefähr Folgendes: In dem gegenwärtigen ernsten Momente, wo das Gleichgewicht der Balkanhalbinsel erschüttert ist, müsse Serbien auf der Hut sein. Serbien wünsche auch heute den Frieden zu weiterer Culturarbeit, es müsse aber seine vitalsten Zukunfts-In teressen sichern. Der König sei bemüht, den status quo auts zu erhalten, oder das Gleichgewicht zur Wahrung der Interessen der verschiedenen Balkannationen ermöglichen. — Die Skupschtina wählte sodann eine Commission von 21 Mitgliedern, um di« vom Kriegs minister und dem Finanzminister eingebrachten Gesetzentwürfe vor- zuberathen. Spanien. Spanien kann endlich erleichtert aufathmen, denn eine officielle Bekanntmachung besagt, daß die Choleraepidemie in Madrid verschwunden und in den Provinzen in bedeutender Ab nahme begriffen ist; es werden daher auch keine amtlichen Cholera bulletins mehr veröffentlicht. Die Seuche hat Heuer im Lande der Kastanien in runder Summe 95000 Menschen dahingerafft, eine furchtbare Verlustziffer, die sich nur dadurch mit erklären läßt, daß die unwissende Menge, gerade wie in Sicilien, die Aerzte als „Gift mischer" vielfach angriff, die Desinfectionsmittel verbrannt« und sich überhaupt den sanitären Anweisungen und Maßregeln der Regierung nach Kräften widersetzte. Unter solchen Umständen darf es daher nicht Wunder nehmen, daß die Cholera rapid um sich griff und eine solche ungeheure Zahl von Opfern erheischte. Italien. Der preußische Gesandte beim Vatican, Herr v. Schltzzer, ist nach Ablauf seines Urlaubes wieder auf seinen Posten zurückgekehrt und alsbald vom Papste empfangen worden. Herr v. Schlözer hat hierbei, nach einer Meldung der „Germania", dem Papst einen Brief des Kaisers mit dem Anträge übergeben, in der Carolinenfrage da» Vermittleramt zu übernehmen. „Bisher haben nur Vorverhandlungen" — meldet das genannte Blatt weiter — „zwischen den betheiligten Regierungen und dem Vatican stattge-