Lichteindruck durch Einführung einer sekundären Operation — der sogenannten Hervorrufung oder Entwicklung — sichtbar. Auf diese Weise hatte er nur nötig, ganz kurze Zeit zu belichten, um ein Bild zu erhalten; dadurch wurde die Photographie erst für un ruhige Gegenstände möglich. Eder hebt in seiner „Geschichte der Photographie“ hervor (S. 177), dass Niepce bereits im Jahre 1829 metallische Silber platten den Joddämpfen aussetzte, allerdings nur zu dem Zwecke, die blanken Stellen des Silbers, auf welchem sich sein Asphalt bild befand, zu schwärzen, damit die Schatten des Bildes besser wiedergegeben würden. Niepce wandte also das Jodsilber nicht als lichtempfindliche Substanz an, diese Entdeckung gebührt vielmehr allein Daguerre. Immerhin muss mau annehmen, dass ohne Niepces Ideen Daguerre schwerlich die nach ihm benannte Kunst würde erfunden haben; warscheinlich wäre aber auch die wertvolle Ent deckung Niepces ohne Daguerres Mitwirkung unfruchtbar ge blieben. „Die Geschichte der Wissenschaft“, fährt Eder fort, „muss gerechterweise die Namen beider Männer in inniger Verbindung nennen und Niepce und Daguerre haben gleiche Ansprüche auf die öffentliche Dankbarkeit.“ Die Erfindung des Entwicklungsprozesses verdankt Daguerre einem eigentümlichen Zufall. Jodsilberplatten geben bei sehr langer Belichtung in der Camera ein sichtbares Bild, bei kurzer nicht. Daguerre legte eines Tages eine Anzahl zu kurz belichteter Platten, die noch kein Bild zeigten, in einen alten Küchenschrank. Einige Wochen darauf nahm er eine Platte heraus und fand zu seinem Er staunen ein Bild darauf. Er vermutete sofort, dass in dem Küchen schrank etwas stecken müsse, was das Bild erzeugt habe. Der Schrank enthielt allerlei: Handwerkszeug, Apparate, Chemi kalien. Daguerre nahm nun ein Ding nach dem andern heraus, trotzdem erhielt er immer, wenn er belichtete Platten in den Schrank legte, nach einigen Stunden Liegens ein Bild. Der Schrank er schien ihm wie behext, bis er endlich auf einige, anfangs unbeachtete Tropfen Quecksilber, welche sich in dem Schranke in einer zer brochenen Flasche befanden, aufmerksam wurde. Jetzt schöpfte er Verdacht, dass die Dämpfe desselben (denn Quecksilber verdampft schon bei gewöhnlicher Temperatur) eine Wirkung ausübten. Er setzte eine belichtete Platte zur Probe Quecksilberdämpfen aus und — die Daguerreotypie war entdeckt. 1 ) 1) Liebig. Cornhill Magazine Vol. XII. p. 303.