II. Die Zinnseifen des Erzgebirges. Ein rein geographischer Ueberblick der Seifenwerke im Erzgebirge würde leer und gewissermassen stumm sein, wenn wir nicht zugleich eine Geschichte des sächsisch-böhmischen Seifenbergbaues in ihren Grund zügen entwerfen wollten. Diese Geschichte ist eng mit der des Zinn bergbaues überhaupt verknüpft, ja die frühesten Perioden beider fallen geradezu zusammen. Wir sahen, dass die Gewinnung des Zinnerzes aus Seifen eine überaus einfache ist, dass ferner das Erz im Sande der Flüsse leichter aufzufinden ist- als im anstehenden Gestein, dass endlich der aus Seifen gewonnene Zinnstein einer nachträglichen Pieinigung durch Röstuno- nicht bedarf. Es ist daher nicht zu bezweifeln, dass fast allenthalben der Beigbau auf Zinn mit der Ausbeutung von Seifen begann; erst nachdem diese teilweise oder ganz erschöpft waren, suchte man das Gestein zu finden, von welchem das Erz der Wäschen stammte. Diese Ansicht drängt sich von selbst auf; sie wird geteilt von so gründlichen Kennern des Zinnbergbaues wie Graf Sternberg x ) und E. Reyer 2 ). Damit ist zugleich erklärt, warum das Aufblühen des Zinnbero'- baues historisch fast nirgends sicher festzustellen ist. Das Jahr, selbst der Tag, an welchem eine Ader des vielbegehrten Silbererzes’ zuerst entblosst wurde und eine neue Bergstadt sich zu entwickeln begann sind dem Gedächtnis der Mitlebenden fest eingeprägt geblieben und durch Geschichtschreiber den Nachkommen überliefert. Wann dagegen eme ärmliche Zinnwäsche angelegt wurde, ist meist vergessen worden. So verliert sich der Zinnbergbau im Duukel der Vorzeit, ohne dass wir seinen Anfang zu erkennen im stande sind. Der Irrtum liegt jederzeit nahe, dass wir dem eine lange Geschichte zuschreiben, dessen Ursprung wir nicht erforschen können; aber andererseits müssen wir uns gegen eine willkürliche Abgrenzung verwahren und vorderhand bei der.That- sache stehen bleiben, dass unsere Kenntnisse dürftig und lückenhaft sind und wir eine Ergänzung, wie sie möglicherweise durch Sagenfor- ’) Geschichte d. böhm. Bergw. I, 1, S. 275- 12 8 14 2 ) Zinn, Eine Monographie, S. 32. Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. V. 3.