102 Heinrich Schurtz, [18 schung, prähistorische Funde und andere Hilfsmittel geboten wird, un bedingt willkommen heissen müssen. Auch im übrigen Europa begann der Zinnbergbau mit der Aus beutung der Seifenlager. In Cornwall scheint man erst im 11. Jahr hundert zum Bergbau im festen Gestein übergegangen zu sein 1 ), während Wäschen noch im 17. Jahrhundert bestanden und als besonders ergiebig geschildert werden 2 ). Im spanischen Galicien dürften weder die Karthager noch die Römer etwas anderes als Seifen abgebaut haben 3 ). Von den Zinnlagern der Bretagne ist ähnliches zu vermuten. Bei der Aufzählung das Alter der erzgebirgischen Seifenwerke zunächst zu berücksichtigen, ist wegen der Unsicherheit der Bergwerks geschichte nicht wohl thunlich. Beginnen wir daher mit einem Gebiete, das weder durch die Menge des abgebauten Zinnes, noch durch un bedingt sichere Nachrichten eines hohen Alters sich auszeichnet, in welchem aber gerade der Seifenbergbau bis nahe zur Gegenwart in besonderer Blüte stand. Es ist das Gebiet von Eibenstock, das uns später bei Untersuchung der Ortsnamen noch ganz besonders beschäf tigen wird; vorläufig mögen nur die historisch sicheren Thatsachen folgen. Eibenstock liegt im westlichen Erzgebirge an einem kleinen süd lichen Zufluss der Zwickauer Mulde, ungefähr 2 km von dieser entfernt. Die Entstehungszeit des Ortes ist unbekannt; nach örtlicher Ueberliefe- rung ist er hundert Jahre vor Schneeberg, das 1470 gegründet wurde, erbaut worüem Es lässt sich aus dieser Angabe wenigstens schliessen, dass bestimmte Nachrichten schon in früherer Zeit nicht mehr vor handen waren. Der Name des Ortes ist wahrscheinlich deutsch; einige andere Ortsnamen der Gegend deuten auf Einwanderung sächsischer Bergleute vom Harz 4 ), andere auf wendische Siedelung. Im Jahre 1534 wurde Eibenstock zur Stadt erhoben. Wenn wir das Zinngebiet von Eibenstock nicht willkürlich zer- reissen wollen, so müssen wir es das ganze westlich vom Schwarzwasser gelegene Erzgebirge und einen Teil des Yoigtlandes umfassen lassen. Im Nordwesten würde ungefähr eine von Falkenstein nach Schneeberg gezogene Linie die Grenze bilden, im Süden stellenweise erst das Egerthal. -Ueberall in diesem Gebiete finden sich kleine Bergstädte und Flecken, die hauptsächlich dem Zinnbergbau ihre Entstehung ver danken. Daneben ist die Gegend von Eibenstock auch durch ihre Eisen gruben bekannt, Johann-Georgenstadt erfreute sich eines bedeutenden Silbersegens, zu Graslitz fand sich Kupfer u. s. w. Das Aufblühen der zahlreichen Städtchen fällt in sehr verschiedene Zeit; doch verdient, bevor wir sie erwähnen, die unmittelbare Umgebung von Eibenstock eine genauere Betrachtung. Es lässt auf langdauernden Bergbau schliessen, dass in geschicht licher Zeit die in nächster Nähe von Eibenstock befindlichen Thäler, 0 Schauplatz d. Bergwerkskunde 12, S. 229. 2 ) Reyer, Zinn, S. 122. 132. 3 ) Schauplatz d. B. 12, S. 229. _ _ *) So z. B. Rammelsberg, Sachsengrund. Die Ueberlieferung hatte sich im Volke bis ins vorige Jahrhundert erhalten.