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IV. Die Walensagen. Wie die riesenhaften, aber körperlosen Schatten der Abendsonne treten neben die beglaubigte Geschichte des Bergbaues sagenhafte Be richte, gespenstische Phantome der nüchternen Wahrheit. Weiss schon die Geschichte von gewaltigen Schätzen zu erzählen, die der Bergmann der widerstrebenden Erde in hartem Kampfe entriss, so kennt die Sage noch unendlich grössere, fabelhafte Reichtümer; und nicht mit Schlegel und Eisen sind sie dem Gebirge abgerungen worden, nein, aus Flüssen und Bächen wurden sie gesammelt, aus unscheinbaren Gesteinen wusste sie der Kundige zu scheiden. Wenn von der Pracht und den Schätzen des weitberühmten Venedig Kunde in die ärmlichen Häuschen der deutschen Mittelgebirge drang, dann wusste man dort wohl, aus welchen Quellen dieser Reichtum geflossen war: Heimlich, in allerlei Verklei dungen zogen die Venetianer durchs Land und holten das Gold der deutschen Berge, das nur sie zu gewinnen verstanden, in ihre ferne Heimat. Nicht der kühne Handelsgeist der Seestadt schien dieser kind lichen Anschauung die wahre Goldgrube ihrer Bewohner zu sein, — es musste eine besondere, unheimliche Bewandtnis damit haben, dass alle Schätze der Welt in der Königin der Adria zusammenströmten. Wie man auf diese Phantasieen kam, wie gerade Venedig eine so seltsame Berühmtheit erlangte, verdient eine genauere Untersuchung. Lassen wir zunächst die Berichte und Ueberlieferungen für sich sprechen, die in bestimmterer Form erhalten sind. Beglaubigte Nachrichten über bergverständige Italiener, die ihren Wohnsitz nach Sachsen verlegt hatten und sich, wie die Einwohner des Landes, mit dem Silberbergbau und dessen Verbesserung beschäf tigten, gibt es nur sehr wenige. Das ist auch natürlich genug; der sächsische Bergbau war lange Zeit einer der blühendsten in Europa, und in den Städten des Erzgebirges hat es, wie ein älterer Autor be zeugt, nie an „spitzigen und anschlägigen Köpfen“ gefehlt, die beständig auf neue Erfindungen und Verbesserungen im Bergwesen sannen. So kam es, dass wohl andere Völker von den Bewohnern des sächsischen Berglandes lernen konnten, aber schwerlich diese von Ausländern, am wenigsten von Venetianern; den vielen nach auswärts berufenen sächsi schen Bergleuten stehen sehr wenige kunstverständige Einwanderer gegen-