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VII. Kelten. Keltische Studien sind gegenwärtig in argem Verrüfe, und es gehört ein gewisser Mut dazu, sie, wenn auch im bescheidensten Um fange , wieder aufzunehmen. Nachdem eine Zeitlang die Keltomanie geherrscht und die unglaublichsten Deutungen zu Tage gefördert hatte, ist man im Kampfe gegen sie auf der anderen Seite viel zu weit ge gangen und hat alles Keltische in Acht und Bann gethan. Ich werde dennoch versuchen, mit aller Vorsicht und Unbefangenheit das darzu legen, was für keltische Besiedlung und keltischen Bergbau im Erz gebirge spricht; natürlich liegt mir nichts ferner als der Gedanke, durch flüchtige Andeutungen eine Frage endgültig lösen zu können, für deren Aufhellung noch die unentbehrlichsten Vorarbeiten fehlen. Vergegenwärtigen wir uns zunächst, an das über die Germanen Gesagte anknüpfend, die Bevölkerungsverhältnisse Mitteldeutschlands in jener Periode, aus der uns die ältesten historischen Zeugnisse erhalten sind. Keltische Helvetier sassen zur Zeit, als die erste genauere Kunde von Germanien zu den Römern drang, in Süddeutschland zwischen dem hercynischen Walde, dem Rhein und Main, keltische Bojer in Böhmen. Cäsar fand diese Verhältnisse bereits gründlich verändert, — die Hel vetier waren nach Süden gedrängt, die Bojer vor den Markomannen nach Noricum gewichen; aber noch bewahrte ihre alte Heimat die Er innerung an sie, — das Land hiess und heisst bis auf den heutigen Tag Boihaemum, Bojenheim — Böhmen. Schwerlich ist jedoch das ganze Volk davongezogen; viele böhmische Ortsnamen, die auf keltische Wurzeln zurückführen, lassen auf eine Mischung der Sieger mit den Besiegten schliessen. Die Städte, die Ptolemäus nach Böhmen und Mähren verlegt, z. B. Brodentia, Bibacum, Phurgisatis, Eburodunum, tragen grösstenteils noch keltische Namen. Prag dürfte auf das kel tische Braca (Erdwall, Pfahlwerk) zurückzuführen sein, da es schon in vorgeschichtlicher Zeit bewohnt war 1 ); von den Bojern abzuleiten sind z. B. die Ortsnamen Bojanow (Kreis Chrudim), Bojanowitz (viermal in Böhmen und Mähren), ßojenic (Kreis Tabor), Bojman (Kreis Czaslau) u. ä. m. Auf die späteren Sitze des Volkes deutet Bojansdorf in Krain. *) Preusker a. a. 0. I1T, 8. 48. — Kalina, Böhm. Altertümer, S. 128.