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Der Seifenbergbau im Erzgebirge und die Walensagen. 165 Juttenhöhle ! ). Das Jetten schloss bei Moderwitz im Voigtland ist ein prähistorischer Kund wall 2 ) . Bei Köbeln unweit Muskau liegt ein Schatz vergraben; die Stelle heisst der Judentempel 3 ). Zu Ylastislav im nördlichen Böhmen erhebt sich bei dem sogen. Judenhause ein Hügel mit alten Wällen, Asche und Urnenscherben 4 ). In Halle heisst die Gütchenstrasse nach dem ehemaligen Gütchenteich; das Volk nannte ihn den Jüdchenteich und glaubt, ein Jude sei darin ertrunken 5 ). Jütenhain heisst ein Dorf bei Zwickau und ein Vorwerk bei Marienberg, •Judensteine liegen bei Rodewisch, bei Obercrinitz und bei Wolkenstein, ein Jüdenloch bei Oberreichenbach im Voigtland, ein Jüden- und ein Jüttelsberg bei Schluckenau in Nordböhmen. Auch ein Name mit slavi- . scher Endung, der des Dorfes Jüdelitz in der Lausitz, ist zu ver zeichnen. Sind diese Ortsnamen wirklich — wäs sich schwer entscheiden lässt — auf die Tschuden oder Finnen zu beziehen, so ist damit frei lich noch nicht aufgeklärt, ob das Volk während seines Verweilens Bergbau getrieben hat. Aus einer Stelle des Agricola geht aber wenig stens hervor, dass auch gewisse gutartige Berggespenster Jüdel genannt wurden 6 ). Damit auch ein anderes Volk Europas, das zu den gewagtesten Hypothesen Anlass gegeben hat, nicht ganz übergangen wird, sei er wähnt, dass sagenhafte Nachrichten 7 ) Iberer auf den britischen Zinn inseln, den Kassiteriden, wohnen lassen. . . . stanni pondere plenae Hesperides, populus quös tenuit fbrtis Iberi. (Avienus, ora martima 96.) Im Erzgebirge verweist freilich nichts auf ihre Anwesenheit. 4 Wir sind am Ende unserer Untersuchungen angelangt, deren Ergebnis sich in kurzen Worten dahin zusammenfassen lässt: Es hin dert uns nichts zu glauben, dass der Zinnbergbau des Erzgebirges — älter ist, als es nach dem Zeugnis der Chronisten scheint; es ist somit auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass ühter dem Namen der Walen oder Venediger sich ältere bergbautreibende Völker — Wenden, Kelten oder Finnen — verbergen. Gegen diese Ansicht spricht frei lich, dass die prähistorischen' Funde im höheren Erzgebirge äusserst geringfügig sind, und dass ebenso von Spuren des Zinnschmelzens wenig zu entdecken ist. Vielleicht aber dürfen wir — was auch die ') Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, I, S. 17. 2 ) Eisei, Sagenbuch, S. 362. 3 ) Haupt a. a. 0., I, S. 236. 4 ) Kalina, Böhm. Altert., S. 149. °) Nork, Sitten u. Gebräuche d. Deutschen, S. 360. 6 ) De animantibus subterraneis, S. 502: Mites, qui esse videntur amici; nomen imposuerunt Germani, Gutelos enim appellant. J Diefenbach, Celtica, II, S. 16. Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. V. 3, 12