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01-Ausgabe Wurzener Tageblatt und Anzeiger : 21.09.1935
- Titel
- 01-Ausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1935-09-21
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- Kulturhistorisches Museum Wurzen
- Digitalisat
- Kulturhistorisches Museum Wurzen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id1933030844-19350921010
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id1933030844-1935092101
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-1933030844-1935092101
- Sammlungen
- LDP: Bestände des Kulturhistorischen Museums Wurzen
- Zeitungen
- Saxonica
- Bemerkung
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- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Wurzener Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1935
-
Monat
1935-09
- Tag 1935-09-21
-
Monat
1935-09
-
Jahr
1935
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102. Jahrgang / 7Ir. 221 Sonnabend, den 21. September 193S Erscheint jed. Werktag mittag«. / Be»ug«pr»l«: monatl. 2NM zuzügi. LrLgerlohn, halbmonatl.1 NM ab Schalter. wSchentl.10^, Ginzel-Nr. io <», nor Sonn- u. Feiertagen <-. /2m Falle höherer Gewalt ob. sonst. Störungen de« Betriebe« hat der Bezieher keinen Anspruch auf bi» Lieferung der Zeitung oder Rückzahlung seine« Bezugspreise«. Druck und Verlag: Gustav Iacob- Hauptschriftleiter: Dr. Hans Bode; Stellvertreter: Friedrich Kießling, verantwortlicher Anzeigenleiter: Alfred Iacob, sämtliche in Wurzen in Sachsen, Domplah Nr. 12, Fernsprecher 2222. / vurchschnitt«auslage August 1031: 12»». Anzeigenpreise: Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 4. Oie Sgespalt. mm »Zeile oder deren Naum »^ Pfg„ im Texttell 21 pfg. Aufschlag für besonders schwierigen Sah 10 v. H. Zjffergebühr und Angebots- annahme 21 Pfg. Bei fernmünbl. Anzeigen- und Textaufgabe über nimmt der Verlag keine Gewähr für Nichtigkeit. Gerichtsstand Wurzen Schluß de: Anzeigenannahme: Vorm.'/,» Uhr. Anzeigenannahme in Wurzen, Domplatz 12; in Brandt«: Max Krahmer, in Nerchau: A. Hempel, Grimmaische Straße 1; in Trebsen: Tischlermeister Paul Ullrich; inSchildau: Kaufmann Oskar Kanitz. Das Wurzener Tageblatt ist das zur Veröffentlichung der amtlichen Äelanntmachungen der Amtshauptmannschast Grimma, sowie des Oberbürgermeisters der Stadt Wurzen und des Finanzamtes zu Wurzen behördlicherseits bestimmte Älatt^ es enthält auch die Äekanntmachungen der Gewerbekammer Leipzig. Zwischen Krieg und Frieden im Mittelmeer Bedingte Annahme -er Vermittelungsvorfchläge durch Abessinien. — Oie Diplomaten sind etwas hoffnungsfreudtg. Abessinien besteht auf seiner Ltnabhängigkeit. Man muß den Leitartikel der Londoner „Times" vom Don nerstag lesen, um zu erkennen, welche Maßnahmen gegenüber Italien heute in der englischen Ocffentlichkoit ganz offen bespro chen werden, um auch daraus die Schlüsse zu ziehen, welche Ge fahren den europäischen Frieden heute bedrohen. Die Londoner Großpressc ist der Meinung, daß Italien einen Krieg finanziell und wirtschaftlich nicht aushalten kann. Am Ende dieses Krieges wür den größere Schwierigkeiten entstehen, als Italien sie nach dem Weltkriege durchzumachen hatte. Mussolini habe zwar mit Erfolg an dem Wiederaufbau Italiens gearbeitet, aber dieses Werk müßte notwendigerweise zerstört werden, wenn jetzt ein neuer Krieg ent stünde. Dann spricht das Blatt über die Folgen, die die Blockade auf Deutschland während des Weltkrieges ausgeübt habe. Italien, aber hänge heute immer noch mehr von ausländischen Zufuhren ab, als Deutschland während des Krieges. Diese Tatsache sei auch durch die Maßnahmen Mussolinis nicht geändert worden. Solche Erwägungen spielen heute in England eine große Nolle. Tenn wenn England auf dem Wege über den Völkerbund zu Sank tionen gegenüber einem kriegführenden Italien gelangen will, dann wird es sich vorher Klarheit darüber verschaffen, ob diese Maß nahmen ausrcichen, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Natür lich spielt hier auch die Frage eilte große, fast ausschlaggebende Rolle, ob alle Staaten sich an solchen wirtschafttlichcu Sanktionen gegenüber Italien beteiligen werden. Dieses Problem ist bis heute noch nicht gelöst. Insbesondere ist es unsicher, wie Frankreich seine letzte Entscheidung treffen wird. Es ist durchaus möglich, daß Frank reich gegenüber der „lateinischen Schwcsteruation" eine andere Politik betreibt, wie England sic wünscht. Zwar würde Frankreich ans guten Gründen niemals seine Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbund formell verleugns^-aber es kommt schließlich doch nur darauf an, wie die etwa beschlossenen Maßnahmen praktisch durch- geführk werden. Von diesem Gesichtspunkt aus hat Frankreich es unter Umständen in der Hand, zwar formell eine derartige Blockade mitzumachen, aber sie praktisch zu brechen. In der italienischen Oeffentlichkeit hat sich die Tonart gegen über England weiterhin verschärft. So wendet sich beispielsweise die römische Zeitung „Gazctta del Popolo" gegen die englischen Flotten- Zusammenziehungen im Mittelmeer und im Roten Meer. Die Hal tung Englands wird nach diesem Blatt als boshaft und heimtückisch bezeichnet, weil es Italien sein afrikanisches Unternehmen vorbc- reiten ließ, ohne Einspruch zu erheben, weil es den Widerstand des Negus heimlich gestärkt und dadurch die Verhandlungen über einen „freundschaftlichen Vergleich" verhindert habe. Jetzt sei das Ziel der englischen Politik, den Völkerbund gegen Italien aufzuhctzcn. Eng land wünsche den Frieden. Niemals habe, so schreibt die Turiner „Stampa", die Weltgeschichte eine zynischere und übcrlcgtcreHeraus forderung im Kriege gesehen. England wolle die jungen Kräfte des ne»en Italien niedcrwcrfen, um seine Vorherrschaft zu retten. Mit teuflischer Kalrblütigkeit stürze England Europa in den Abgrund. „Die blutige Wunde dieser Tage wird ewig in unseren Herzen, wie in denen unserer Söhne eingebrannt bleiben. Ter hundertjährige Haß eines Volkes wird die Herausforderung verfolgen, und dieses Volk wird sich auch erinnern, wer sich den Herausforderern angc- schlossen hat." Inzwischen hat das halbamtliche englische Nachrichtenbüro eine ganz nüchterne, aber trotzdem sehr beredte Ucbcrsicht über die Ver teilung der britischen Flottenstreitkräfte im Mittelländischen Meer veröffentlicht, wobei bezeichnenderweise die Flottenstation Malta nicht erwähnt wird. Diese immerhin auffälligcKundgcbung ist sicher lich dazu bestimmt, den Italienern den Ernst der Gesamtlage deut lich vor Augen zu rücken. Wenn Mussolini den französischen Mini sterpräsidentcn Laval, wie in einem Teil der englischen Presse be richtet wird, etwa gebeten hat, auf England im Sinne einer Zurück zichung der ungewöhnlich starken Seestrcitkräfte aus dem Mittel meer hinzuwirken, dann wird Laval über diesen ehrenvollen Auf trag zweifellos nicht sehr erbaut gewesen sein. Tonn der französische Ministerpräsident muß sich darüber klar sein, daß die Ausführung dieses Versuches gleichbedeutend mit einer offenen Stellungnahme Frankreichs für Italien gegen England sein würde. Im übrigen: Mit dem Ersuchen an bestimmte Mächte, diese oder jene Rüstung- Maßnahme zu unterlassen, hat schon mehr als ein Krieg seinen An fang genommen. Die Lage hat sich in den letzten 2s Stunden immer mehr zum Schlimmen gewendet, und wir fürchten, daß wir morgen in der heute täglich notwendigen Betrachtung dieser Dinge wieder dos Gleiche feststellen müssen. * Sine Erklärung des Argus. Die Vorschläge des Fünfer-Ausschusses werden weiter ein- gehend geprüft. Im großen und ganzen betrachtet man sie hier als annehmbar. Allerdings steht die Regierung auf dem Stand punkt, daß sie gemäß ihren früheren Zusagen über wirtschaftliche Zugeständnisse, die allen Ländern gleiche Rechte cinrSumcn, nicht ^n der Lage sein wird, Italien Sondcrzugeständnissc einzuräumen, da diese unter Umständen Streitigkeiten mit den anderen inter essierten Großmächten bringen könnten. Im übrigen hat der Kaiser die Schaffung einer besonderen Polizei, die für die Sicherheit der in Abessinien lebenden Europäer sorgen soll, bereits vorbereitet. Was die Kontrolle des Sklavenschmuggels an den Grenzen an belangt, so ist man hier der Ansicht, daß dies die Aufgabe der an liegenden Länder sei, durch die der Schmuggel erfolgt. In der Frage der Aufnahme ausländischer Berater in die abessinische Re gicrung ist man nach wie vor zu Zugeständnissen bereit. Der Völkerbund solle seine Berater — Europäer oder Amerikaner — Vorschlägen, der Kaiser behalte sich jedoch seine Einwilligung vor. Das große Festessen, das der Kaiser von Abessinien, wie an gekündigt, am Donnerstagabend für die in Addis Abeba weilen den Vertreter der Weltpresse veranstaltet hat, nahm in Anwesen heit von 85 Pressevertretern einen glänzenden Verlauf. Im Ver lauf des Abends nahm der Kaiser das Wort zu einer Ansprache, in der er nochmals wiederholte, daß er niemals ein Mandat, welcher Form es auch sei, anuehmen werde, das die Unabhängig keit seines Landes verletzen würde. Er sagte wörtlich: „Ueber 2000 .Jahre unserer Freiheit haben wir unsere Fähigkeit gezeigt, uns ohne Protektorat selbst zu regieren. Als Führer des Kaiser reiches und Beschützer meines Volkes werde ich im Kriegsfälle selbst das Heer gegen den Feind führen, aber Gott wird cs zu verhindern wissen, daß unser Streit mit , Italien einen blutigen Ausgang nimmt. Wir können Italien keine wirtschaftlichen uud Gebicts- zugeständnissc gewähren, ohne eine Gegenleistung zu erhalten oder Italien dadurch von einem Angriff abzuhalten. Als unabhängiger Staat Wachen wir über unsere Freiheit." Italienische Sensationsmeldungen. Die italienische Presse findet Zeit, sich mit gewissen Sen sationsmeldungen der Pariser Boulcvardzeitungcn, insbesondere der „Information", zu befassen. Tie italienischen Blätter bringen die Nachricht, daß Deutschland sich vorbcreite, in das Memelland einzufallen. Es wird in dicken Ucberschriften behauptet, Deutsch land treffe „bedrohliche Vorbereitungen" an der Grenze Litauens. Außerdem soll angeblich der Abbruch der diplomatischen Be ziehungen zwischen Deutschland und Sowjetrußland bevorstchcn. Selbstverständlich sind das alberne Tcndcnzmeldungcn, auf die näher einzugehcn sich nicht lohnt. — In Genf hat am Donn«rstag eine lange Besprechung über die Memelfragc zwischen dem eng lischen Völkerbundsministcr Eden, dem französischen Minister präsidenten Laval, sowie den Vertretern Litauen» und Lettlands stattgefunden. In dieser Besprechung soll vereinbart worden sein, die Memelfragc nicht im Völkerbundsrat oder in der Völkerbunds Versammlung zu behandeln, sondern sie auf diplomatischem Wege zu regeln. Offenbar ist das Bestreben maßgebend, den Völkerbund nicht noch einer weiteren Belastung auszusetzen. Wenn die litauische Regierung jetzt die Dreistigkeit besitzt, bei den Signatar- mächten des Memelstatuts einen Protest gegen die Nürnberger Rede des Führers einzureichcn, so beweist dies lediglich aufs neue, mit welcher Unverfrorenheit die größenwahnsinnigen Kowuoer Machthaber vorgehen. Leider werden sic durch die Politik der Siguaiarmächte, die nichts Ernsthaftes gegen die Vertragsbrüche Litauens tuen, immer noch bestärkt. * Wenngleich die Vorschläge des Fünfer-Ausschusses in politischen Kreisen Roms auch weiterhin mit größter Skepsis beurteilt werden, so unterläßt man es doch jetzt allgemein, die Vorschläge rundweg abzulehncn. In ihrer gegenwärtigen Form seien sie allerdings, wie an zuständiger Stelle erklärt wird, für Italien nicht annehmbar, falls nicht noch einschneidende Aenderungeu vorgenommen werden sollten. In dieser Absicht werden, Wie man hinzusctzt, die Vor schläge des Fünfer-Ausschusses in Rom von der italienischen Regie rung zurzeit einer Prüfung unterzogen. Wie rasch diese Prüfung durchgeführt werden kann und inwieweit der auf SonnabendvormU- tag einberufcnc Miuisterrat bereits endgültig zu diesen Vorschlägen Stellung nehmen kann, läßt sich zur Stunde noch nicht übersehen. Der italienisch abessinische Streitfall gewinnt auch in der italie nischen Presse immer mehr den Charakter eines fast ausschließlich italienisch-englischen Konflikts im Mittelmeer. Oeffentlichkeit und Presse zeigen Ueberraschung und Befremdung über das starke Flot» tenaufgebot, das England in aller Stille an den strategisch wichtig sten Punkten des Mittelmeers zusammengezogcn hat. Dieses Be fremden wird selbst in autorisierten Politischen Kreisen zum Aus druck gebracht, wobei es als durchaus nicht ausgeschlossen hingcstcllt wird, daß das italienische Ratsmitglied Aloisi bei nächster Gelegen heit, etwa in der nächsten Ratssitzung, die Aufmerksamkeit des Völ kerbundes auf die außergewöhnlich starken englischen Flottenkräfte im Mittelmeer lenken werde. Man könne in diesen englischen Maß nahmen geradezu Präventivsanktioncn sehen, die ohne Stellung nahme des Völkerbundes von England im voraus ergriffen worden seien. Tie heutige römische Abcndprcssc verwahrt sich gegen die teil weise im Ausland herrschende Ansicht, daß in Italien eine gewisse Nervosität um sich greife. Sic verwahrt sich aber zugleich mit größter Bestimmtheit gegen die englische Presse, die jetzt plötzlich einmütig offene Drohungen ausspreche, die, wie das halbamtliche „Giornalc d'Itälia" unterstreicht, mit der Zusammenziehung der englischen Flotte im Mittelmeer in Zusammenhang stehen. Gegenüber dieser „kriegerischen" Sprache sei fcstzustcllen, daß Italien und Mussolini niemals irgendeine Drohung gegen den europäischen Frieden oder gegen die Stellung und die Interessen Englands in Europa und in der Welt ausgesprochen habe. „Angesichts des Treibens gewisser englischer Kreise, die Italien getroffen und zusammenbrechen sehen und diese edle Aufgabe den englischen im Mittelmeer zusammengezogcncn Kriegsschiffen über tragen sehen möchten", erhebt dann das Blatt in Form eines dring lichen Appells die Frage: Was wäre geschehen, wenn Italien seiner zeit nicht an der Seite Englands in den Weltkrieg cingetreten wäre, sondern mit seinem Heer und seiner Flotte sich auf die Seite der großen, gefürchteten und bereits sieghaften Streitkräfte Deutsch lands und Oesterreich Ungarns gestellt hätte? Welches Schicksal wäre England und seiner stolzen Flotte zuteil geworden, die heute, weil sic von einer gewaltigen Katastrophe verschont blieb, in voller Stärke gegen die Küsten Italiens in Bewegung gesetzt werden soll, um Frauen und Kinder, darunter auch viele Waisen, zu bedrohen, deren Väter an der Seite englischer Soldaten gefallen seien? Tas sei heute die entscheidende Frage, denn England könne an diese Bedrohung Italiens nur deshalb denken, weil Italien mit seinem Opfermut die Machtstellung Englands erhalten und vermehrt hätte. Trotz der Sanktionswut, die heute die englischen Gemüter er rege, und zu den tollsten Drohungen veranlasse, wollen wir, so schließt der Tirektor des halbamtlichen Blattes seine Ausführungen, noch nicht daran glauben, daß England nach kaum zwanzig Jahren seit der Intervention Italiens sich gegen die italienische Nation cinstellen und gegen sie Vorgehen könne. Italien beabsichtige, sich nur neue Gebiete für seine Arbeit zu erschließen und den 40jährigen Angrisfsgelüsten und Vergewaltigungen eines Landes ein Ende zu setzen, das von Raub und Sklavenhandel lebt.
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